Rentner wehrte sich gegen zwei Polizisten

Ungerechtfertigte Vollstreckungsaktion?

HALTERN/MARL Widerstand gegen zwei Polizeibeamte oder Missachtung des Hausrechts? Darum ging es bei einer Gerichtsverhandlung vor dem Marler Amtsgericht.

von Von Irene Stock

, 24.11.2009, 08:59 Uhr / Lesedauer: 1 min

Da diese aber Gefahr für Leib und Leben des stark alkoholisierten 72-Jährigen (ein Bluttest ergab 2,31 Promille) befürchteten, riefen sie die Polizei. Plötzlich hätten zwei Beamte an der Wohnungstür geklingelt, sich an ihr vorbeigedrängt und in der Wohnung umgeschaut, beschrieb die Ehefrau des Beklagten das Vorgehen der Beamten. Der Angeklagte rief daraufhin „Raus hier“ und fasste einen der Beamten am Arm an, um ihn aus der Wohnung zu schieben. Die beiden Streifenbeamten (38 und 36 Jahre) stellten den Vorfall anders dar. Der Angeklagte sei mit erhobenen Fäusten auf sie zugegangen und habe versucht, sie zu schlagen. Daraufhin fixiertem sie seine Arme auf dem Rücken, legten ihm Handschellen an und brachten ihn ins Krankenhaus. Dort wurde die Wunde genäht und der Rentner verbrachte den Rest der Nacht in einer Ausnüchterungszelle in Recklinghausen.

„Sie kennen sich mit Deeskalation besser aus als wir hier. Warum sind Sie nicht gegangen, als der Angeklagte keine Hilfe wollte?“, fragte Richter Brechler die beiden Beamten. „Wir mussten prüfen, ob für die Verletzung ein Fremdverschulden vorlag“, so deren Begründung. Da die Frage nicht geklärt werden konnte, ob der Einsatz der Beamten rechtmäßig war, stellte das Gericht das Verfahren nach § 153 StPO ein. Die Kosten trägt die Staatskasse.

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