Meinung

Rückschnitt von Stadtbäumen: Tiefe Gräben zwischen Kritikern und Befürwortern

Die städtische Grünpflege rückt zunehmend in den Fokus der Bevölkerung. Es werde zu massiv zurückgeschnitten, heißt es oft. Es lohnt sich, gründlich über einen Vorschlag aus der Politik nachzudenken.
Nicht immer wird die Arbeit des Baubetriebshofs von Bürgern und Politik gelobt. Im Galen-Park allerdings war die Fällung von zwei kranken Bäumen kürzlich absolut notwendig. © Benjamin Glöckner (A)

Es ist ein hochsensibles Thema in Haltern: Bürger und auch die Politik beschweren sich immer wieder über den Rückschnitt von Bäumen, der von der Stadt oder von beauftragten Firmen durchgeführt wurde. Zu radikal und nicht fachgerecht sei gearbeitet worden, so der Vorwurf. Die Stadt reagiert nun sensibel. Sie wird geplante Baumpflegemaßnahmen vorab ankündigen. Damit sind die Gräben aber nicht geschlossen, Brücken nicht gebaut.

Es war ein gut gemeinter Antrag der Grünen im Klima-Ausschuss, Mitarbeiter des Baubetriebshofs in Sachen Baumpflege noch intensiver zu schulen. Bäumen kommt in Zeiten des Klimawandels eine immense Bedeutung zu. Sie binden Schadstoffe, spenden lebensnotwendigen Sauerstoff, Lebensqualität, kühlen die Luft, sind Lebensraum für Tiere. Ein radikaler Rückschnitt aber verkürzt ihre Lebensdauer um ein paar Jahrzehnte. Das hatten die Grünen ganz zu Recht angemerkt. Jeder radikale Schnitt mache den Baum anfälliger für Pilze.

Da sind Fingerspitzengefühl und umfassende Kenntnisse gefragt. Die Kompetenz der Mitarbeiter des Baubetriebshofs soll hier nicht infrage gestellt werden. Etwas mehr Sensibilität bei der Grünpflege käme den Stadtbäumen aber zugute. Und damit auch den Bürgern. Vor langer Zeit schon gab mir ein Fachmann zu denken, als er sagte: „Der Baumrückschnitt in Haltern kommt oft einer Amputation gleich. Das ist ein Baumsterben auf Raten.“