Schadstoff im Halterner Trinkwasser entdeckt

Trifluoressigsäure

Nachdem im Trinkwasser rund um Neckar und Rhein Trifluoressigsäure (TFA) entdeckt wurde, war die Gelsenwasser AG als heimischer Wasserversorger alarmiert. Bei Untersuchungen wurden Spuren von TFA auch in Haltern nachgewiesen, von wo aus ein großer Teil des Ruhrgebiets versorgt wird.

HALTERN

, 15.12.2016, 06:06 Uhr / Lesedauer: 2 min
Schadstoff im Halterner Trinkwasser entdeckt

Mit Wasser aus Haltern wird ein großer Teil der Menschen im Ruhrgebiet versorgt.

„Die Konzentrationen im Trinkwasser des Wasserwerks Haltern, in den Talsperren Hullern und Haltern, in der Stever und im Mühlenbach sind annähernd gleich. Die Gehalte in den Zuflüssen bewegen sich in einem Bereich zwischen 1 und 6 µg (Mikrogramm) pro Liter, in der Talsperre Haltern und im Trinkwasser liegen sie bei etwa 2 µg pro Liter“, teilte das Unternehmen mit.

Diese Städte und Gemeinden sind betroffen: Die Gelsenwasser AG versorgt mit dem Trinkwasser aus dem Wasserwerk Haltern unter anderem Haltern am See, Gelsenkirchen, Recklinghausen, Marl, Oer-Erkenschwick, Waltrop, Herten, Castrop-Rauxel (dort sind nur die Stadtteile Becklem, Henrichenburg, Pöppinghausen, Habinghorst, Ickern und Bladenhorst betroffen), Datteln, Selm, Olfen, Nordkirchen (westlich der Weischerstraße inklusive Gewerbegebiet Aspastraße), Lüdinghausen, Senden, Altenberge und Havixbeck.

Nach derzeitiger Datenlage sei davon auszugehen, dass die TFA-Belastung in Haltern „aus der flächenhaften Anwendung von Pflanzenschutzmitteln“ stamme. TFA ist ein Abbauprodukt aus Pflanzenschutzmitteln, die in der Landwirtschaft eingesetzt werden. An Neckar und Rhein handelt es sich dagegen vermutlich um industrielle Einleitungen. TFA ist auch in Kältemitteln enthalten oder wird bei der Herstellung von Kunststoffen verwendet.

Kein Grenzwert festgelegt

TFA wird in der Trinkwasserverordnung nicht aufgeführt, sodass auch kein Grenzwert festgelegt wurde. Das Umweltbundesamt hat aber einen allgemeinen Vorsorgewert ermittelt und dabei toxikologische Aspekte und auch Reinheitsansprüche an das Trinkwasser berücksichtigt. Zeitnahe Maßnahmen, um die Aufnahme des Stoffs im Wasser zu verringern, müssen erst ergriffen werden, wenn die Konzentration von TFA 10 µg pro Liter überschreiten.

Einmal im Wasser wird man TFA kaum wieder los. „TFA sind aufgrund ihrer chemischen Eigenschaften (sehr gut wasserlöslich, mobil und stabil) bei der Trinkwasseraufbereitung nicht entfernbar“, erklärte Gelsenwasser. Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) informierte die Landwirte am vergangenen Freitag (9. Dezember) auf der Hauptversammlung der Landwirtschaftskammer. Sein Ministerium kündigte für 2017 „notwendige Maßnahmen zum weiteren Schutz der Trinkwasserversorgung und der Gewässer“ an. „Wir nehmen die Sache sehr ernst“, bekräftigte Frank Seidlitz, Sprecher des Umweltministeriums NRW, auf Anfrage.

Quellen ermitteln

Für die Festsetzung eines Grenzwertes von TFA im Trinkwasser sei das Bundesumweltamt zuständig. Das Landesministerium will zunächst die Eintragungsquellen von TFA ermitteln. Noch stehe die Landwirtschaft nicht eindeutig als Verursacher für das TFA-Problem in den Halterner Gewässern fest, sagte Bernhard Rüb, Pressesprecher der Landwirtschaftskammer NRW. „Wir bereiten uns allerdings vor“, sagte er. Zurzeit werde bereits ausgewertet, welche Pflanzenschutzmittel ausgebracht wurden und welche TFA enthalten haben. Dies könnte eine Grundlage für die Überlegung sein, wie Landwirtschaft ohne die Mittel zu betreiben ist, zu deren Abbauprodukten TFA gehört.

Das Trinkwasser aus dem Wasserwerk Haltern kann im Einvernehmen mit den Aufsichtsbehörden für alle Zwecke wie gewohnt verwendet werden. Eine Anreicherung von TFA in Lebewesen ist nicht zu erwarten. Der Stoff wird schnell wieder ausgeschieden. Darüber hat das Technologiezentrum Wasser, ein neutrales Institut des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfachs, informiert. Es gibt keinen Hinweis auf eine längerfristige Gesundheitsgefährdung des Menschen.

 

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