Schüler sprayen auf Toilettenwand

Kunstunterricht

„Das war einfach nur cool und hat total viel Spaß gemacht“, sagt Jessica Niehues, Schülerin der 7a der Joseph-Hennewig-Schule. Mit Mitschülern aus ihrer Klasse hat sie in dieser Woche eine etwa 50 Quadratmeter große Wand an der Hauptschule neu gestaltet, mit einem Graffiti.

HALTERN

, 07.06.2015, 09:53 Uhr / Lesedauer: 2 min
Schüler der Joseph-Hennewig-Schule haben nun die Toilettenwand mit einem Motiv versehen.

Schüler der Joseph-Hennewig-Schule haben nun die Toilettenwand mit einem Motiv versehen.

Verschmiert, renovierungsbedürftig, einfach in die Jahre gekommen – so sah die Wand an den Toiletten der Hauptschule an der Holtwicker Straße bisher aus. Damit ist nun Schluss. Die Fläche erstrahlt in neuem Glanz. Ein Eisbär, Pinguine, Pferde und ein Kamel verzieren seit Mittwoch das Mauerwerk. Die Tiere sind eingebettet in eine bunte Landschaft.

Verantwortlich dafür sind die Schülerinnen und Schüler der Klasse 7a. Konzeption und Umsetzung nahmen sie selbst in die Hand. „Vorher war die Wand grau, hässlich und verschmiert. Jetzt ist sie ein echter Hingucker“, ist Klassenlehrerin Lousia Bracht vom Ergebnis angetan.

Kunstunterricht

Die Idee zu dem Projekt, so erzählt sie, sei im Kunstunterricht entstanden. „Wir haben kleine Graffiti auf Pappe gesprüht. Daraufhin haben die Schüler den Wunsch geäußert, draußen die Toilettenwand zu verschönern“, so Bracht.

Nachdem die Schulleitung grünes Licht für das Projekt gab, habe sie Kontakt zu Benjamin Siems aufgenommen. Der 36-Jährige kennt sich mit der Gestaltung von Graffiti aus. „Ich mache das mittlerweile seit 22 Jahren“, sagt er.

Nur noch legal

Früher habe er auch illegal Wände besprüht, doch aus den Fehlern vergangener Tage habe er gelernt. „Das mache ich schon lange nicht mehr. Stattdessen widme ich mich nun sozialen und legalen Projekten. Mir macht es Spaß, jungen Menschen diese Art der Kunst näherzubringen.“

Mit einem Freund hat der gebürtige Halterner eine kleine Firma gegründet, die Objekt- und Fassadengestaltung durch Airbrush und Graffiti anbietet. „Noch muss ich meinen Lebensunterhalt durch Fließbandarbeit verdienen, aber seit einiger Zeit erhalten wir immer mehr Aufträge“, sagt Siems.

900 Euro

Als die Anfrage der Halterner Hauptschule kam, habe er sofort zugesagt und seine Unterstützung angeboten. „Die Kosten für das Projekt, etwa 900 Euro, hat unser Förderverein aufgebracht“, freut sich Lehrerin Louisa Bracht.

Graffiti ist weit mehr als das Draufdrücken auf die Spraydose, lautete einer der wichtigsten Botschaften für die Jugendlichen. Dass dahinter harte Arbeit steckt, merkten die Nachwuchskünstler schnell.

Graffiti verstehen

Zuerst galt es, die Grundlagen zu legen und das Verständnis für die Graffiti-Kunst zu schaffen. Gemeinsam machten sich die Schüler Gedanken über das Motiv, die Farben und fertigten entsprechende Skizzen an. Das mündete in die dreitägige Umsetzungsphase.

KKein einfaches Unterfangen, wie die Schüler feststellen mussten. Alles abbürsten, Rostflecken entfernen, Löcher und Dellen im Putz ausbessern. Den Jugendlichen wurde klar, warum Benjamin Siems zuvor so viel Wert auf die handwerkliche Basis gelegt hat. Es folgte das Auftragen der Grundskizze. Erst dann ging es ans „sprayen“.

Spaß haben und Lernen

Den Jugendlichen bereitete das Graffiti-Projekt nicht nur Spaß und Freude, sie lernten nebenbei auch noch einiges. Neben den handwerklichen Fertigkeiten erlebten sie, was es bedeutet, in einer Gruppe zu arbeiten. Siems: „Aufeinander Rücksicht nehmen, sich absprechen, Kompromisse finden und die Erkenntnis, dass jeder seinen Teil zum Gesamtwerk beiträgt. All das gehört beim sprayen dazu.“

Auch Birte Wiengarten, die die Klasse als Sonderpädagogin betreut, zeigte sich von dem Projekt begeistert. „Einige der Jugendlichen waren wie ausgewechselt. Man hat deutlich gemerkt, dass alle mit Spaß und großer Leidenschaft bei der Sache waren.

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