Schulen warten auf Digitalisierungs-Gelder - Das Berufskolleg ist ein echtes Vorbild

rnInteraktiver Unterricht

Mit einer Handbewegung wischt Kathrin Ollas den Text auf der Tafel weiter zur nächsten Folie. Am Halterner Berufskolleg zeigt sie die neuen Technologien, von denen andere Schulen träumen.

Haltern

, 28.03.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn die angehenden Zahntechniker am Halterner Berufskolleg an Brücken und Kronen arbeiten, muss der Lehrer eigentlich gar nicht mehr herumgehen und sich die Ergebnisse ansehen. Jeder Schüler kann seine Arbeit mit dem eigenen Handy von allen Seiten filmen und das Bild direkt über einen Beamer auf eine interaktive weiße Tafel übertragen. Über ein Touchdisplay kann der Lehrer live Pfeile einmalen oder Bemerkungen ins Bild schreiben. Ein Musterbeispiel der Schul-Digitalisierung.

Der Unterricht in den Halterner Schulen soll in den kommenden Jahren deutlich digitaler werden. Rund 700 Computer stehen bereits in den Schulgebäuden, doch die große Frage ist aktuell, wie Beamer, digitale Tafeln und auch die Handys der Schüler in den Unterricht eingebunden werden können.

320.000 Euro für die Digitalisierung am Berufskolleg

Im Zuge der Gebäudesanierung im vergangenen Jahr sind am Halterner Hans-Böckler-Berufskolleg rund 320.000 Euro in die Digitalisierung der Schule investiert worden. Alle 26 Klassenräume haben eine interaktive Vorzeigeausstattung bekommen.

Die Whiteboard-Tafeln kann man ganz „altmodisch“ mit abwaschbaren Stiften per Hand beschriften. Oben drüber hängt aber in jedem Raum ein spezieller Beamer, der das Bild eines Computers auf die weiße Tafel überträgt. „Unsere Overhead-Projektoren haben wir bis auf einen alle entsorgt“, sagt Standortleiterin Kathrin Ollas - damit die Kollegen gar nicht erst in die Versuchung kommen, bei der alten Technik zu bleiben.

Video
Digitale Tafeln am Hans-Böckler-Berufskolleg

Das altbekannte Tafelbild kann mit dem Computer genauso Schritt für Schritt entstehen wie früher per Hand, die Lehrer können auch fertig vorbereitete Präsentationen an die Wand werfen. Internetvideos erklären den Schülern Lerninhalte, am Pult ist eine Kamera fest installiert, deren Bild - zum Beispiel abgefilmte Modelle, die im Unterricht entstehen - live auf die Tafel übertragen wird.

Am Touchdisplay des Computers kann man gleichzeitig Markierungen oder Beschriftungen ins Bild dieser Kamera eintragen. Das gleiche geht auch per Klick direkt auf der Tafel. Mit den Händen kann man das Tafelbild größer oder kleiner ziehen: „Da macht den Schülern ein Referat richtig Spaß“, so Ollas. Sie können ihre privaten Handys drahtlos mit dem Beamer verbinden und so ihre eigenen Arbeiten abfilmen, um sie dem Rest der Klasse zu zeigen.

„Wir hatten ein verdammtes Glück“

„Wir hatten ein verdammtes Glück, dass wir hier den Umbau hatten und vieles über das Förderprogramm ‚Gute Schule 2020‘ finanzieren konnten“, sagt Kathrin Ollas. Die Ausstattung pro Raum koste 10.000 Euro, alle Einzelteile seien aber austauschbar, falls mal eins kaputt geht: „Kein Teil kostet mehr als 1000 Euro“, so die Schulleiterin. Eine altbekannte grüne Tafel koste übrigens auch 3000 bis 5000 Euro.

Die Halterner Stadtverwaltung wartet währenddessen auf Fördergelder, um die anderen Schulen der Stadt ebenfalls digitaler zu machen. Eine Ausstattung wie die am Berufskolleg, deren Träger nicht die Stadt, sondern der Kreis ist, sei nicht umsetzbar: „Das können wir uns in diesem Umfang nicht leisten“, sagt Kämmerer Dirk Meussen: „Aber wir hoffen jetzt auf den großen Schluck aus der Pulle.“

25.000 Euro pro Schule sind in Aussicht

Ersten Erkenntnissen zufolge seien pro Schule 25.000 Euro aus Bundesmitteln in Aussicht. Im Berufskolleg hat ein einzelner Raum 10.000 gekostet. Zunächst will die Verwaltung eine Wlan-Grundstruktur in den Schulgebäuden schaffen, so Meussen: „Das kostet auch schon genug Geld.“ Rund 130.000 Euro für alle Schulgebäude. In der Silverbergschule gibt es aktuell drei Musterklassen mit Tablets, Bildschirmen und Beamern. Um dieses System für alle 140 Klassenräume der Stadt neu zu installieren, bräuchte man zusätzlich etwa 564.000 Euro.

Bis zu den Sommerferien erarbeiten die Schulleiter Medienkonzepte für ihre jeweiligen Standorte, zwei liegen der Stadtverwaltung aktuell vor. „Auf diese Konzepte sind wir angewiesen“, sagt Meussen, der Herr der Stadtfinanzen: „Dann gucken wir, was wir zur Verfügung haben und was wir daraus machen können.“ Der Baustein der Bundesmittel aus dem angekündigten Digitalpakt sei dabei ein ganz großer.

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