Schulunterricht, Feuerwehr, Schäden: Das ist die Bilanz des Orkantiefs „Sabine“ in Haltern

rnOrkantief „Sabine“

Sturmtief „Sabine“ ist mit bis zu 110 Kilometern pro Stunde auf Haltern zugerast. Das hatte Auswirkungen auf den Verkehr, den Schulbetrieb und die Arbeit der Feuerwehr in der Seestadt.

Haltern

, 10.02.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Orkantief „Sabine“ hat von Sonntag auf Montag für regelrechte Ausnahmezustände in weiten Teilen Deutschlands gesorgt. Die Deutsche Bahn hatte den Bahnbetrieb vorübergehend eingestellt, die A 45 bei Hagen war mehrere Stunden gesperrt. In Bochum stürzte ein Carport auf ein Auto.

Haltern - da sind sich Stadt, Feuerwehr, weiterführende Schulen, der Kreis Recklinghausen und der Regionalverband Ruhr (RVR) einig - hätte es schlimmer treffen können. Hat es zum Glück nicht. Hier und da waren Bauzäune und Straßenschilder umgekippt, am Pastors Kamp war ein Baum abgeknickt. Stellenweise waren Äste aus den Kronen gebrochen. Vor dem Eingang des Halterner Bahnhofes war ein Dachziegel auf dem Boden zerborsten.

Die Feuerwehren in Haltern mussten 14 Mal ausrücken

Insgesamt musste die Feuerwehr Haltern in der Nacht von Sonntag auf Montag 14 Mal ausrücken. Im ganzen Kreis wurden die Feuerwehren zusammen bis in den frühen Montagmorgen zu 170 Einsätzen auf den Plan gerufen. „Hauptsächlich wegen abgebrochener Äste, umgestürzter Bäume oder losen Fassaden- und Dachteilen“, heißt es in einer Mitteilung des Kreises.

Auch in Haltern hat es sich größtenteils um herabgefallene Äste und umgestürzte Bäume auf Fahrbahnen gehandelt, sagte der Leiter der Haupt- und Rettungswache, Werner Schulte, am Montag auf Anfrage.

In einem Fall war ein Mann in der Nähe des Ketteler Hofes an der Rekener Straße verletzt worden, als er gerade dabei war, einen Ast wegzuräumen. Er verletzte sich im Gesicht und wurde nach der Ersten Hilfe durch die Feuerwehr an den Rettungsdienst übergeben, so Schulte.

Ziegel fliegen auf Straße, Ast zerquetscht Straßensperrung

Von dem Flachdach eines Hauses an der Lavesumer Straße wehten Dachziegel auf die Fahrbahn. Hier musste die Feuerwehr mit einer Drehleiter ausrücken, um die losen Dachteile zu sichern.

Schulunterricht, Feuerwehr, Schäden: Das ist die Bilanz des Orkantiefs „Sabine“ in Haltern

An der Lavesumer Straße riss Orkantief „Sabine“ Dachziegel von einem Haus auf die Fahrbahn. © Freiwillige Feuerwehr Haltern

An der Kreuzung Granatstraße/ Rekener Straße hatte ein dicker Ast eine Straßensperrung komplett zerquetscht.

Zu Hochzeiten war der Einsatzstab aus Feuerwehr, Technischem Hilfswerk, Malteser Hilfsdienst und Mitarbeitern der Stadt mit 114 Personen besetzt. Gegen 1.20 Uhr wurde der Stab aufgelöst. Danach haben die Feuerwehren noch vier Einsätze in Haltern wahrgenommen.

In den frühen Morgenstunden dann meldete eine Privatperson einen Baum an der Flaesheimer Straße, der drohte, auf die Fahrbahn zu kippen. Die Feuerwehr fällte und beseitigte den Baum. Für die Zeit der Arbeiten war die Straße an der Stelle gesperrt. „Insgesamt war es in Haltern ruhig, man hat mehr erwartet“, so Schulte.

Gesperrte Kreisstraßen wurden am Mittag freigegeben

An den Halterner Schulen war die Lage ebenfalls entspannt. Am Gymnasium trafen am Montagmorgen 36 Schüler ein, 12 aus der Sekundarstufe 1, 24 aus den höheren Klassen. Hier mussten die Schüler bis 13.10 Uhr bleiben, sofern sie kein Elternteil vorher abgeholt hat. Die Bezirksregierung Münster hatte Eltern die Entscheidung überlassen, ob sie ihre Kinder bei dem Sturm vor die Tür lassen wollen.

An der Realschule hatten ebenfalls viele Eltern ihre Kinder vorsorglich abgemeldet. „Das Telefon klingelt in einer Tour“, hieß es am Montagmorgen aus dem Sekretariat der Schule. Trotz allem seien auch hier Schüler in die Schule gekommen. An der Joseph-Hennewig-Hauptschule waren rund 20 Schüler erschienen. An allen Schulen wurden die Schüler entsprechend betreut.

Die DRK-Kitas waren am Montag wegen des Sturms geschlossen. Laut Iris Gilles von der DKR-Kita Haltern-Mitte nehmen die Tagesstätten ihre Betriebe am Dienstag wieder wie gewohnt auf.

Die Stadt Haltern und der Kreis hatten am Wochenende vorsorglich die Granatstraße zwischen Weseler Straße und Rekener Straße, die Holtwicker Straße zwischen Granatstraße und An der Landwehr und die Merfelder Straße ab der Hülstener Straße gesperrt. Die Sperrungen blieben bis circa 13 Uhr am Montag bestehen. Kehrwagen räumten nach und nach heruntergefallene Äste weg. Bäume waren nicht auf die Kreisstraßen gefallen. Auch die Müllabfuhr war wie geplant im Einsatz.

RVR warnt Spaziergänger vor Waldbesuchen in den nächsten Tagen

Nach einer ersten Einschätzung des Regionalverbandes Ruhr (RVR) hat das Orkantief „Sabine“ in Haltern auch in den Wäldern keine größeren Schäden angerichtet. „Nach der ersten Wasserstandsmeldung sieht es wohl relativ gut aus“, hieß es von Kersten Blaschczok vom RVR am Montagvormittag.

Es habe zwar einzelne Baumwürfe etwa bei Birken in westlichen Teilen der Haard und der Hohen Mark gegeben, ganze Flächen habe das Sturmtief „Sabine“ aber nicht zu Boden gebracht. „Da haben wir wohl nochmal Glück gehabt“, so Blaschczok.

„Unsere Bitte ist, in den nächsten Tage mit den Aktivitäten im Wald zu warten und die lieber in die Freiflächen zu verlegen, weil immer noch abgebrochene Kronenteile in den Kronen hängen können und bei der nächsten Böe runterfallen können“, so Blaschczok.

Nach aktuellem Stand warnt der Deutsche Wetterdienst (DWD) noch bis Dienstagabend um 18 Uhr vor Sturmböen bis zu 85 km/h, anfangs aus südwestlicher, später aus westlicher Richtung. In freien Lagen sind schwere Sturmböen bis 100 km/h möglich. Bei derartigen Geschwindigkeiten können neben Ästen auch Gegenstände herabfallen.

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