Schwerer Tankstellen-Überfall und mildes Urteil

HALTERN/MARL Zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilte das Amtsgericht Marl eine 35-jährige Halternerin. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Mutter von drei Kindern im April 2005 die Shell-Tankstelle an der Recklinghäuser Straße überfallen hatte. Doch die Frau beteuert bis heute, dass sie sich an nichts mehr erinnern kann.

von Von Henning Brinkmann

, 15.01.2009, 17:57 Uhr / Lesedauer: 1 min
Schwerer Tankstellen-Überfall und mildes Urteil

Damit fiel das Urteil vergleichsweise mild aus, betrachtet man den Tatvorwurf der schweren räuberischen Erpressung. Der Frau war zur Last gelegt worden, mit einer Spielzeugpistole eine Angestellte der Tankstelle bedroht und Geld sowie Zigaretten gefordert zu haben.

Der Richter hatte der Angeklagten Eingangs der Verhandlung eine goldene Brücke zu einem noch milderen Urteil bauen wollen. Voraussetzung wäre ein Geständnis gewesen. Die Frau sagte jedoch aus: "Ich kann mich an nichts mehr erinnern."

Somit mussten über fast fünf Stunden Zeugen vernommen werden. Schwer belastet wurde die Angeklagte von der Angestellten der Tankstelle, die sie am Gang bei einer früheren Gegenüberstellung wiedererkannt hatte. Zudem sagte der geschiedene Ehemann aus, dass sie ihm die Tat gestanden habe. Auch das Tatfahrzeug und in diesem die Tatwerkzeuge, unter anderem die Pistole und eine Sturmhaube, konnten der Angeklagten zugeordnet werden. "Es ist stimmig von vorne bis hinten", sagte der Richter bei der Urteilsbegründung.Schulden, Eheprobleme und Depressionen

Somit ging es in der Verhandlung vor allem um das Strafmaß. Staatsanwalt und Gericht folgten der Einschätzung eines Gutachters, dass die Frau zum Tatzeitpunkt vermindert steuerungsfähig war. Sie hatte Schulden, Eheprobleme, litt an Depressionen, nahm Medikamente und hatte bereits mehrere Suizidversuche begangen.

Dass sie schuldunfähig sei, glaubte der Richter aber nicht, ebenso wenig, dass sie sich an nichts erinnern könne. "Ich habe den Eindruck, sie wollen das nicht mehr wahrhaben", sagte der Richter. Die Anwältin der Frau kündigte an, Berufung gegen das Urteil einzulegen.

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