Siegfried Körner (72) ist einer von 1,3 Millionen Deutschen, die trotz Rente arbeiten

rnFeuerwachturm

Nach einem langen Arbeitsleben kann oder will sich nicht jeder im Rentenalter zurücklehnen. Siegfried Körner arbeitet auf dem Feuerwachturm bei Flaesheim. Da trägt er viel Verantwortung.

von Von Michael Wallkötter und Kevin Kindel

Flaesheim

, 05.08.2019, 12:04 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit sechs Jahren steigt der 72-jährige Siegfried Körner im Sommer regelmäßig den 38 Meter hohen Feuerwachturm in der Haard bei Flaesheim hinauf. 50 Jahre lang hat er gearbeitet, die meiste Zeit in einem Labor, wo er sich mit Formstoffen für Gießereien beschäftigt habe. Seit einigen Jahren ist er Rentner, doch Siegfried Körner lehnt sich nicht zurück und legt die Füße hoch. Er arbeitet auf dem Turm - und leistet einen wichtigen Beitrag in der Waldbrandsaison.

Durch die sandigen Böden ist Haltern am See für Waldbrände sozusagen prädestiniert. Wasser wird nicht lange im Boden gespeichert, relativ häufig steigen Rauchsäulen über der Stadt auf. Vom Feuerwachturm aus hat man einen unschlagbaren Blick auf die Umgebung, man kann bis zu 20 Kilometer weit gucken. Sieht er irgendwo Rauch, kann Siegfried Körner die Feuerwehr zum Einsatzort lotsen.

Siegfried Körner (72) ist einer von 1,3 Millionen Deutschen, die trotz Rente arbeiten

Der 38 Meter hohe Turm steht etwa zwei Kilometer südlich von Flaesheim. © Kevin Kindel

Siegfried Körner sagt: „Ich habe immer viel Freizeit im Wald verbracht.“ Der Zustand der Bäume und die Trockenheit lassen ihn nicht kalt. Um Schaden abzuwenden, hat Körner sich schließlich auch im Rentenalter der Aufgabe des Feuerwächters verschrieben. Zu seinem ersten Besuch auf so einem Turm sagt er: „Ich war richtig begeistert.“

Die drei Feuerwachtürme des RVR – zwei in der Haard, einer in der Hohen Mark bei Dorsten – sind täglich von 11 bis 19 Uhr besetzt. Wenn die Lage noch kritischer wird, können auch noch zwei Stunden drangehängt werden. Der Regionalverband Ruhr, größter Waldbesitzer in der Region, beschäftigt eine ganze Mannschaft von Feuerwächtern. Aktuell sind es acht bis zehn, die auf den Türmen abwechselnd Dienst schieben – auf der Basis eines 450-Euro-Jobs.

Jetzt lesen

„Das ist eigentlich nur was für Studenten und Rentner“, sagt Kersten Blaschczok, Leiter des RVR-Forsthofes Haard in Haltern. „Weil die nämlich die Zeit dafür haben.“ Wenn der RVR Stellenanzeigen für Feuerwächter schaltet, gebe es stets eine Reihe von Bewerbungen. Andere melden sich auch, weil sie schon mal zu Besuch auf einem Wachturm waren.

Für den Job auf dem Feuerwachturm muss man ziemlich flexibel sein - vor allem zu Beginn und zum Ende der Waldbrandsaison. Da gibt es Wochen, an denen die Türme jeden Tag besetzt werden müssen und andere, an denen die Waldbrandgefahr etwa wegen Dauerregens sehr gering ist. Da muss dann auch niemand auf den Turm.

Siegfried Körner (72) ist einer von 1,3 Millionen Deutschen, die trotz Rente arbeiten

Vom Feuerwachturm aus kann man kilometerweit gucken. © Kevin Kindel

Bei den aktuell hochsommerlichen Temperaturen sind in der Haard nur wenige Erholungssuchende unterwegs. Siegfried Körner freut sich über jeden Besuch auf seiner luftigen Plattform. „Denn die Leute, die kommen, sind in der Regel genauso naturverbunden wie ich. Da ergeben sich schöne Gespräche.“

Wenig erbaulich fiel allerdings die Kommunikation mit den Waldbesuchern aus, die letztens ausgerechnet genau im Schatten des Feuerwachturms einen Grill anzünden wollten. „Die haben von meinem Kollegen eine klare Ansage bekommen.“

Knapp 1,3 Millionen Menschen, die 65 Jahre und älter sind, arbeiten auch nach Rentenbeginn weiter, als Minijobber oder regulär. Knapp 280.000 von ihnen sind 70 bis 74 Jahre alt, gut 179.000 sogar noch älter. Und ihre Zahl steigt weiter.
Lesen Sie jetzt