Silbersee I: „Sand-Tagebau schafft auch Möglichkeiten für den Naturschutz“

rnQuarzwerke-Pläne

Nicht alle Naturschützer kritisieren die Quarzwerke-Pläne zum erweiterten Tagebau am Silbersee I. Rolf Behlert verbindet große Chancen damit. Einige Maßnahmen seien aber notwendig.

Sythen

, 12.02.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Rolf Behlert ist seit 60 Jahren ehrenamtlicher Naturschützer. „Die Natur hier ist unbeschreiblich schön“, sagt der Sythener mit Blick auf die Wasag-Moore, das Gebiet rings um die Teiche in der Heubachniederung und den ehemaligen Truppenübungsplatz Lavesum (Weißes Venn /Geißheide). Und auch die Silberseen zählen für ihn zu „ökologisch bedeutsamen Landschaften“. Einige Maßnahmen zur ökologischen Aufwertung seien allerdings erforderlich.

Rolf Behlert ist Mitglied im Natur- und Vogelschutzverein Haltern und Umgebung. Seit 15 Jahren ist er mit dem Verein an der Pflege und Optimierung der Lebensräume um die Wasag-Moore beteiligt - jenem Gebiet, das in unmittelbarer Nachbarschaft zum Silbersee I liegt.

„Das ist auch eine Chance für den Naturschutz“

Der Naturliebhaber erzählt von typischen Moorpflanzen wie Wollgras oder dem fleischfressenden Sonnentau, die am Wasag-Gelände zu finden sind. Von Moosbeeren und Seggen. Von Flechten und Moosen. Von Libellen, Käfern und vielen anderen Insekten. Von Eisvögeln, Kranichen und Amphibien.

Silbersee I: „Sand-Tagebau schafft auch Möglichkeiten für den Naturschutz“

Rolf Behlert (Mitte) und der ehemalige Biolehrer Walter Fleuster haben schon häufig mit Schülern des Gymnasiums Eickel Pflegemaßnahmen im Wasag-Moor durchgeführt. © Foto Holger Steffe

Dass die Quarzwerke den Sand-Tagebau am Silbersee I um 87 Hektar ausweiten wollen, besorgt Behlert nicht. „Das ist auch eine Chance für den Naturschutz“, sagt er. Naturschutzverbände indes prüfen derzeit, inwieweit sich der zunehmende Sand-Abbau und die damit einhergehende Absenkung des Grundwasserspiegels auf die Vielfalt aus großen Wasserflächen, Bächen und Gräben, Nasswiesen, Heide, Mooren und feuchten Wäldern auswirken könnte.

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Bis April werden sie ihre Stellungnahmen beim Regionalverband Ruhr einreichen. Dieser hatte den Regionalplan geändert, um den Quarzwerken den Ausbau zu ermöglichen. Derzeit läuft in diesem Genehmigungsverfahren die Öffentlichkeitsbeteiligung.

Wasag-Moore werden vom Regen gespeist

„Durch die Erweiterung des Silbersees I sind die Wasag-Moore nicht gefährdet“, sagt Rolf Behlert. Sie hätten sich in einer nacheiszeitlichen Dünenlandschaft gebildet. „In ausgewehten Dünentälchen sammeln sich auf wasserundurchlässigen sogenannten Bänderton-Schichten der Regen und das Hangwasser der Dünen“, erklärt der Experte. Der Wasserspiegel der Moore liege zudem mit 72 NN deutlich über dem Niveau des Wasserspiegels des Silbersees (47 NN). Wenn die Moore in heißen Sommern austrockneten, dann über den Weg der Verdunstung.

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Das Naturparadies Wasag-Moore

Rolf Behlert ist seit 15 Jahren entscheidend an der Pflege und Wiederherstellung der moor-typischen Biotope am ehemaligen Wasag-Gelände beteiligt. Die geplante Erweiterung des Sand-Tagebaus am Silbersee I betrachtet er als große Chance für den Naturschutz. Im benachbarten Wasag-Moor hat der Naturschützer und begeisterte Naturfotograf die vielfältige Flora und Fauna mit zahllosen Fotos dokumentiert.
10.02.2020
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Das Wasag-Moorgebiet liegt zwischen Sythen und Lavesum.© Rolf Behlert
Der Sonnentau zählt zu den fleischfressenden Pflanzen. © Rolf Behlert
Ein Eisvogel© Rolf Behlert
"Das Wasag-Moorgebiet ist ein großartiges Stück Natur", sagt Rolf Behlert.© Rolf Behlert
Kraniche versuchen, sich rund um Haltern anzusiedeln.© Rolf Behlert
Wollgras im Wasag-Moorgebiet© Rolf Behlert
Der Wasserfrosch liebt Teiche und Tümpel.© Rolf Behlert
Das Wasag-Moorgebiet bietet Lebensraum für zahllose Pflanzen und Tiere.© Rolf Behlert
Eine Vierfleck-Libelle im Wasag-Moorgebiet© Rolf Behlert
Seerosen im Wasag-Moorgebiet© Rolf Behlert
Der Bienenfresser aus dem Mittelmeerraum wird inzwischen auch in Haltern heimisch.© Rolf Behlert

Auch die Teiche in der Heubachniederung, die vielen seltenen Pflanzen-und Vogelarten Lebensräume bieten, stellten ein in sich geschlossenes System dar, meint der Sythener. Sie würden ausschließlich vom Heubach mit Oberflächenwasser gespeist. „Der Herzog von Croy hat hier das Staurecht“, weiß Behlert. Es sei üblich, dass einige als Fischteiche genutzte Seen im Winter aus fischereiwirtschaftlichen Gründen sogar bewusst trockengelegt werden.

Ein weiteres Natur-Paradies entsteht

Für den Bereich am Silbersee sieht Behlert vielversprechende „Möglichkeiten für den Naturschutz“. Denn für die „relativ artenarme Kiefernmonokultur“, die auf einer Fläche von 87 Hektar dem Silbersee I weichen müsse, werde neuer höherwertiger Wald aufgeforstet. Am Silbersee selbst könne der Naturschutz über den Weg der Kooperation entscheidend an der Gestaltung unterschiedlichster Uferstrukturen für gefährdete Vogelarten wie beispielsweise den Flussregenpfeifer mitwirken.

Künstliche Schwimm-Inseln könnten der Flussseeschwalbe als Brutplatz dienen. Durch die Schaffung von Steilwänden werde zudem Uferschwalben, Bienenfressern, Steinkauz und Turmfalke geholfen. Rolf Behlert hat noch viele weitere Ideen, damit auch das Gebiet neben den Wasag-Mooren zu einem großartigen Stück Natur werden kann.

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