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Nach dem Tod eines Menschen müssen sich die Hinterbliebenen häufig auch um seine Konten bei sozialen Medien kümmern. Dabei hilft es, schon zu Lebzeiten ein paar Einstellungen vorzunehmen.

Haltern

, 26.09.2018 / Lesedauer: 5 min

Bilder, politische Einstellungen, Freizeitaktivitäten. In den sozialen Medien wird alles Mögliche mit Freunden und Bekannten geteilt – ob bei Facebook, Instagram, Twitter oder Xing. Die sozialen Medien können das Leben in Echtzeit spiegeln. Was jedoch mit dem eigenen Konto und den dort gespeicherten Daten nach dem Tod passiert, wird häufig verdrängt. „Im Grunde genommen ist der digitale Nachlass nichts anderes als das, was man früher in Aktenordnern in den Wohnungen gefunden hat, wenn jemand gestorben ist. Nun findet man es aber in den Smartphones oder auf den Rechnern“, erklärt die Halterner Anwältin für Erbrecht Katrin Auer von der Kanzlei Stenner-Trillsch-Stenner.

Soziale Plattformen bieten unterschiedliche Möglichkeiten

Facebook meldete im zweiten Quartal 2018 2,34 Milliarden Nutzer weltweit, davon sind 1,47 Milliarden jeden Tag auf dem sozialen Netzwerk aktiv. Allerdings stirbt laut der Verbraucherzentrale-Bundesverband (vzbv) alleine in Deutschland auch alle drei Minuten ein Facebook-Nutzer. Für solch einen Fall bietet Facebook allen Personen ab 18 Jahren an, einen Nachlasskontakt auszuwählen. Dieser kann das Konto im Todesfall verwalten, wenn es vorher von Facebook in den sogenannten „Gedenkzustand“ versetzt wurde. Die Person kann dann

  • Einen Beitrag verfassen und oben im Profil fixieren (allerdings nicht im Namen des Verstorbenen).
  • Auf Freundschaftsanfragen reagieren.
  • Das Profilbild und Titelbild aktualisieren.
  • Die Löschung des Profils beauftragen.
  • Bei einer entsprechenden, zusätzlichen Erlaubnis, Fotos und Inhalte des Verstorbenen herunterladen.

Was nicht geht, ist sich im Namen des Verstorbenen anzumelden, bisherige Beiträge und Freundschaften zu bearbeiten und Nachrichten des Verstorbenen zu lesen.

So können Social-Media-Nutzer vor dem Tod vorsorgen

Ein Nachlasskontakt kann bei Facebook im Todesfall das Konto des Verstorbenen verwalten – aber keine privaten Nachrichten einsehen. © picture alliance/dpa

Netzwerke vor deutschen Gerichten

Genau darum gab es vor kurzem mehrere Gerichtsprozesse. Eine Mutter, deren Tochter 2012 an einem Berliner U-Bahnhof starb, forderte von Facebook den Zugang zu den persönlichen Nachrichten des Mädchens. Das Unternehmen weigerte sich aus Datenschutzgründen. Dieser Argumentation folgte das Berliner Kammergericht, da von der Offenlegung der Nachrichten auch die Personen betroffen wären, mit der das Mädchen geschrieben habe. Der Bundesgerichtshof brachte im Juli aber Klärung und legte fest, dass Facebook die Daten herausrücken muss. Die Tochter habe mit Facebook einen Nutzungsvertrag geschlossen, die Eltern sind als Erben in den Vertrag eingetreten.

Auch die Halterner Anwältin für Erbrecht, Katrin Auer bekräftigt dies. Die sozialen Plattformen müssten sich „alle vor deutschen Gerichten verantworten, weil die Server auch alle in Deutschland liegen. Da gilt dann auch die deutsche Rechtssprechung“, sagt Auer.

Zwar gebe es im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) noch keine konkreten Regelungen und gesetzlichen Grundlagen zum digitalen Nachlass, es sei aber klar, dass der Erbe in die gesamte Rechtsfolge eintritt. „Das beinhaltet auch alle Beziehungen zu Social-Media-Partnern. Der Rechtsnachfolger muss sich gegenüber den Netzwerken zum Beispiel durch einen Erbschein legitimieren, um an die Accounts zu kommen. Das kann sehr mühsam sein, weil Facebook ein Interesse daran hat, dass die Community immer weiter wächst, ungeachtet dessen hat der Rechtsfolger aber einen Anspruch darauf“, so Auer.

Familienmitglied muss Löschung beantragen

Ein Konto, dass sich im Gedenkzustand befindet, sieht erst einmal nicht anders aus, als ein noch aktives Konto. Allerdings wird es nicht öffentlich angezeigt und erscheint nicht als Vorschlag für eine Freundschaft.

Die Alternative zum Gedenkzustand ist die direkte Entfernung des Kontos. Da das US-Unternehmen keine Anmeldedaten mitteilt, muss hierfür ein direktes Familienmitglied die Löschung bei Facebook beantragen und den Tod der Person nachweisen. Facebook akzeptiert die Sterbeurkunde der verstorbenen Person oder einen „rechtsgültigen Nachweis“, dass das Familienmitglied der „rechtmäßige Vertreter der verstorbenen Person oder von deren Nachlass“ ist, so das Unternehmen.

So können Social-Media-Nutzer vor dem Tod vorsorgen

Anwältin Katrin Auer rät jedem Instagram-Nutzer, die Passwörter zu notieren. © picture alliance / Robert Günth

„Bei Facebook ist dies häufig relativ einfach, weil viele Personen mit ihrem richtigen Vor- und Nachnamen angemeldet sind. Bei Pseudonymen ist es viel schwieriger“, erklärt Katrin Auer. Deswegen rät die Anwältin zum Beispiel jedem Nutzer von Instagram, analog zu vermerken, dass man dort einen Account hat und die Passwörter zu notieren. Instagram wurde 2012 von Facebook gekauft. Insofern gibt es hier ebenfalls die Möglichkeit, das Konto in den Gedenkzustand zu versetzen.

Xing, Twitter und Google

Das Jobportal Xing deaktiviert das Profil, sobald es eine Nachricht über den Tod erhält, versucht dann aber, den Verstorbenen noch einmal mit einer privaten Nachricht zu erreichen. Endgültig gelöscht wird das Konto erst nach mehreren Monaten. „Üblicherweise werden wir bei Todesfällen sehr zeitnah durch die bei Xing vorhandenen Netzwerkkontakte informiert. Es kann sich jeder per Mail, postalisch oder telefonisch an unseren Kundenservice wenden. Das Profil des Verstorbenen wird dann unsichtbar und inaktiv geschaltet. So vermeiden wir, dass bei Verwechslungen oder Namensgleichheit versehentlich Profile anderer Mitglieder gelöscht werden“, heißt es vom Unternehmen. Eine Gedenkfunktion bietet Xing nicht an.

Wer das Twitter-Profil löschen lassen möchte, muss sich per Kontaktformular an Twitter wenden. Das ist aber schwer zu finden, wenn man selbst keinen Twitter-Account besitzt. Zudem ist das Hilfe-Center Twitters auf Englisch. Als Alternative zur Löschung ist auch eine Archivierung des Profils möglich, um später auf das Konto zurückgreifen zu können. Meldet sich niemand bei Twitter, bleibt das Profil auch normal einsehbar. So gibt es zum Beispiel auf dem Account des 2009 verstorbenen TV-Moderators Dirk Bach keinen Hinweis auf sein Ableben.

Ein Google-Account ist über den Kontoinaktivität-Manager verwaltbar. Hier bestimmt der Nutzer im Vorhinein, was mit seinem Account passiert, wenn er sich selbst drei, sechs, zwölf oder achtzehn Monate nicht mehr eingeloggt hat. Die Kontoinformationen können dann von Google an einen Angehörigen oder einen Freund weitergegeben werden. Der Kontoinhaber kann hierfür bis zu zehn Personen bestimmen. Auch die Löschung des Accounts kann beauftragt werden. Zu Google gehört auch Youtube.

So können Social-Media-Nutzer vor dem Tod vorsorgen

Bei Diensten wie WhatsApp und Snapchat gibt es keine klaren Regelungen, was mit dem digitalen Nachlass einer Person geschieht. © picture alliance / Arno Burgi/dp

Das bieten WhatsApp und Snapchat an

Die Dienste WhatsApp und Snapchat machen keine Angaben dazu, was mit den Accounts nach dem Tod passiert, beziehungsweise wie Angehörige ihn verwalten oder löschen können. Bei Spotify ist eine direkte Kontaktaufnahme nur im eingeloggten Zustand möglich. Der Kundenservice muss daher über den postalischen Weg oder über ein Forum kontaktiert werden.

Damit sich die Hinterbliebenen nicht um jeden Account einzeln kümmern müssen, gibt es als Alternative zum Notar einige Online-Anbieter, die unter anderem das Testament, Vollmachten, medizinische Informationen, Versicherungsunterlagen, Onlineaccounts und Passwörter oder auch persönliche Nachrichten speichern. Dort kann dann eine Vertrauensperson benannt werden, die sich im Falle des Todes einloggen und auf die Informationen zurückgreifen kann.

Allerdings kostet die Mitgliedschaft Geld. Katrin Auer rät hiervon ab. „Häufig sind es Start-Up-Unternehmen, die eine kurze Halbwertszeit haben. Ich würde die Passwörter analog aufschreiben und ganz klassisch und rechtssicher in einem Bankpostfach aufbewahren“. Auch beim Festhalten der Passwörter in einem Testament wäre Auer vorsichtig. „Das Testament wird eröffnet und dann können da viele Personen reingucken.“ Besser sei es, die Formulierung „Ich stelle klar, dass meine Erben in alle meine Online-Rechtsbeziehungen eintreten und damit auch Zugriff auf meine Daten haben“ ins Testament mit aufzunehmen.

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