So pünktlich ist die Bahn wirklich: Der Selbstversuch zwischen Haltern am See und Essen

rnVerspätungen der Bahn

2018 waren offiziell 84 Prozent der Verbindungen des Regionalverkehrs in NRW pünktlich. Wir machten einen Selbstversuch und kamen auf ein anderes Ergebnis.

Haltern

, 06.08.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit Anfang Juli pendele ich fast täglich zwischen Essen und Haltern am See. Mein Arbeitsplatz ist die Lokalredaktion der Halterner Zeitung. Hier bin ich als Volontär tätig, absolviere also meine journalistische Ausbildung.

Ich habe fast einen Monat protokolliert, wie pünktlich die Bahn tatsächlich ist. Meine Beobachtungen beziehen sich auf den Zeitraum zwischen dem 1. und dem 26. Juli. Für Juli haben meine Beobachtungen eine gewisse Aussagekraft, aber meine Auswertung ist nicht repräsentativ.

Verspätung bis vier Minuten ist keine Verspätung

Diesen Anspruch erhebt jedoch ein Bericht, den das Kompetenzcenter Integraler Taktfahrplan (KC ITF NRW) im Auftrag des NRW-Verkehrsministeriums erstellt hat.

Demnach erreichten 84 Prozent aller Fahrten des Regionalverkehrs in NRW im Jahr 2018 weniger als vier Minuten verspätet ihr Ziel. Das ist laut der Definition der Studienautoren pünktlich. Im Bericht heißt es dazu: „Bei einer vertraglich festgelegten Toleranzzeit von bspw. 3:59 Minuten werden Verspätungen innerhalb dieser Zeitspanne nicht als Abweichung berücksichtigt.“

Am pünktlichsten waren dem Bericht zufolge die S-Bahnen: Knapp 90 Prozent aller Fahrten kamen pünktlich an. Bei den Regionalbahnen waren es 85,5 Prozent und bei den Regionalexpress-Linien 78,2 Prozent.

Mit drei Zügen von Essen nach Haltern unterwegs

Bei meiner Erhebung waren die Pünktlichkeitsquoten bei allen drei Verbindungen niedriger als bei KC ITF NRW. Das liegt vor allem daran, dass ich Verspätungen unter vier Minuten ebenfalls als solche berücksichtigt habe.

Insgesamt habe ich 31 Fahrten ausgewertet. Ich bin entweder vom Bahnhof Essen West oder vom Essener Hauptbahnhof nach Haltern am See gefahren.

Die Verbindung zwischen Essen West und Haltern am See mit der S 9 hat sich dabei am zuverlässigsten herausgestellt. Die S 9 fährt auch den Essener Hauptbahnhof an.

Drei von 13 Fahrten mit der S 9 sind verspätet abgefahren. Davon hatten zwei Verbindungen eine Verspätung von bis zu zu fünf Minuten und eine bis zu zehn Minuten. Die Pünktlichkeitsquote betrug demnach 77 Prozent. Laut KC ITF NRW betrug die Quote im Jahr 2018 86,3 Prozent.

Drei von 13 Fahrten mit der S 9 sind verspätet abgefahren. Davon hatten zwei Verbindungen eine Verspätung von bis zu zu fünf Minuten und eine bis zu zehn Minuten. Die Pünktlichkeitsquote betrug demnach 77 Prozent. Laut KC ITF NRW betrug die Quote im Jahr 2018 86,3 Prozent.

Etwas unzuverlässiger im Vergleich zur S 9 war der RE 42 bei meinen Fahrten. Dieser Zug fährt direkt zwischen dem Essener Hauptbahnhof und Haltern am See Bahnhof. Drei von 12 Zügen sind verspätet abgefahren.

Davon hatten zwei Verbindungen eine Verspätung von bis zu zu fünf Minuten und eine bis zu zehn Minuten. Die Pünktlichkeitsquote betrug demnach 75 Prozent. Laut KC ITF NRW betrug die Quote im Jahr 2018 78,2 Prozent.

Am unzuverlässigsten hat sich auf meiner Route der RE 2 herausgestellt. Auch hierbei handelt es sich um eine Direktverbindung von Essen nach Haltern. Zwei von sechs Verbindungen sind verspätet abgefahren

Bei einer Verbindung betrug die Verspätung bis zu zu fünf Minuten und in einem anderen Fall über 20 Minuten. Die Pünktlichkeitsquote betrug demnach 66,7 Prozent. Laut KC ITF NRW betrug die Quote im Jahr 2018 77,3 Prozent.

Gründe für die Verspätungen

„Der Bericht zeigt deutlich, dass Engpässe sowohl aufseiten der Infrastruktur als auch beim Fachpersonal negative Auswirkungen auf die Betriebsqualität vieler Nahverkehrslinien haben“, teilt Kai Schulte, Leiter des KC ITF NRW, in einer verbreiteten Presseerklärung zum Bericht mit.

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