So viel Regen wie seit 1945 nicht mehr

Hochwasser-Ampel zeigt Gelb

In den vergangenen 70 Jahren hat es im November an der Lippe und Emscher noch nie so viel geregnet wie in diesem Jahr. Allein an der Lippe zwischen Hamm und Wesel waren es 77 Prozent Niederschlagsmenge mehr als sonst.

HALTERN

, 02.12.2015, 18:01 Uhr / Lesedauer: 1 min
So viel Regen wie seit 1945 nicht mehr

Bei nachlassendem Niederschlag singt seit Mittwoch der Pegel der Lippe wieder, die mit einem Höchststand von 4,80 Metern in der Nacht, nur 23 Zentimerter unter der bisher gemessenen Marke von 5,03 Meter lag.

Seit Montag führt die Lippe auch im Raum Haltern reichlich Wasser. Sie hat ihr Bett an einigen Stellen bereits verlassen. "Wir haben eine dicke Lippe, aber noch kein blaues Auge", sagt Ilias Abawi, der Sprecher für Emschergenossenschaft und Lippeverband. Auf Anfrage unserer Zeitung teilt er mit: "Der Niederschlag der vergangenen Tage hat zu erhöhten Wassermengen in den Flüssen Emscher und Lippe geführt. Bereits der gesamte Monat November fiel in diesem Jahr äußerst nass aus. Im Einzugsgebiet des Lippeverbandes fiel mit 113 Liter pro Quadratmeter deutlich mehr Regen als im November üblich."

Spitzenwert an Kläranlage

Der langjährige Mittelwert für den Niederschlag in der Emscher-Lippe-Region berechnet sich aus den Bilanzen der Jahre 1891 bis 2010. Demzufolge beträgt der durchschnittliche Niederschlagswert für einen November im Lippegebiet 64 Liter pro Quadratmeter. In diesem Jahr waren es also rund 77 Prozent mehr. Einer der Tagesspitzenwerte wurde am Montag (30. November) aufgezeichnet: "Da wurden an der Station Kläranlage Haltern 26,6 Liter pro Quadratmeter registriert", so Abawi.

Im Bereich der Lippe stiegen die Pegel bislang noch, da sich der Scheitel des Hochwassers langsam von Osten in Richtung Westen bewegt. Zuletzt hatte es Dienstag noch in den Bereichen Kreis Unna und Kreis Soest viel geregnet - erstmals eingestaut war am Dienstag das relativ neue Hochwasserrückhaltebecken am Lippe-Zufluss Seseke in Bönen.

Tendenz fallend

Die Mitarbeiter des Lippeverbandes halten sich in Bereitschaft. Die Warnschwelle zum Hochwassereinsatz, in Haltern bei 5,03 Meter, werde voraussichtlich, wenn überhaupt, nur am Lippe-Pegel in Dorsten erreicht, schätzt Abawi. Lag der Pegel der Lippe in der Nacht zu Mittwoch noch bei 4,80 Meter in Hamm-Bossendorf, sank er gestern zwischenzeitlich auf 4,68 Metern, Tendenz weiter fallend.

Käme es zu einem Hochwassereinsatz, würden die Mitarbeiter des Lippeverbandes unter anderem die Deiche sowie die Zuläufe von Kläranlagen und Pumpwerken kontrollieren. Abawi: "Die Hochwasserampel zeigt in Haltern Gelb, aber noch kein Rot."

Online sind die Lippe-Pegelstände einzusehen: www.eglv.de/wasserportal/meta/services/pegelstand.html

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