Spaziergänge auf dem neuen Lippedeich sind bald offiziell erlaubt

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Gut zehn Jahre wurde über den Sinn oder Unsinn eines neuen Lippedeiches diskutiert. Seit 2015 läuft die Baustelle und es gibt Nachrichten, über die sich Fußgänger und Radler freuen werden.

Lippramsdorf

, 09.11.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Lippeverband baut auf rund 5,6 Kilometern Länge links und rechts der Lippe zwischen Lippramsdorfer Straße und Oelder Weg neue Deiche, um den Hochwasserschutz zu gewährleisten. Das geschieht seit 2015 entgegen aller früheren Befürchtungen für die Lippramsdorfer bei wenig störender Geräuschkulisse.

Mittlerweile sind Spaziergänger an Wochenenden - wenn der Baustellenverkehr ruht - bereits auf der neuen Deichanlage unterwegs. Voraussichtlich ab Mitte Dezember werden sie das auch offiziell tun dürfen. Dann ist mit Nord I der erste Teil des komplexen Bauwerkes fertig. Ab diesem Zeitpunkt ist es möglich, auf der Deichkrone zwischen den Ortsteilen Freiheit und Mersch spazieren zu gehen oder diese mit dem Fahrrad zu passieren. Das teilte der Lippeverband auf Nachfrage der Halterner Zeitung mit.

Regen im August hat Teile des neuen Deiches zerstört

„Wir sind generell gut im Zeitplan“, sagt Pressesprecherin Anne-Kathrin Lappe. Lediglich starke Regenfälle im August hätten die ausführende Firma Bunte zurückgeworfen. Fertige Bereiche des Deiches seien in Mitleidenschaft gezogen worden und hätten neu modelliert werden müssen. „So mussten Arbeiten doppelt ausgeführt werden“, bedauert sie.

Die Übersichtskarte zeigt die einzelnen Bauabschnitte der neuen Deichanlage in Haltern und Marl.

Die Übersichtskarte zeigt die einzelnen Bauabschnitte der neuen Deichanlage in Haltern und Marl. © Lippeverband/Grafik Westnews

Der bald fertige Deich ist 14 Meter hoch und nicht höher als der alte. „Er steigt sanfter an und passt sich deshalb besser an die umgebende Landschaft an“, erklärt Anne-Kathrin Lappe. An einer Stelle im Bereich des Pumpwerks Meinken hat der Deich einen „Buckel“. Dafür gibt es eine Erklärung.

Vom Polderpumpwerk an der Feldmarkstraße wird das Wasser mittels Druckrohrleitung über die Lippe gepumpt. Diese Leitung darf nach Auskunft von Anne-Kathrin Lappe aus Sicherheitsgründen nicht in den Deich eingebaut werden, sondern wird über das Bauwerk verlegt. Zwar versteckt unter Grün, aber die Erhebung ist deutlich zu sehen.

Lippeverband überlegt: Was wird aus dem Förderband?

Eine Besonderheit der Baustelle ist ein 490 Meter langes Förderband, das sich seit dem 21. März über die Lippe spannt. Dieses 80 Zentimeter breite Band kann pro Stunde 20 Lkw-Ladungen aufnehmen. Es transportiert das Material innerhalb von gut zehn Minuten vom ehemaligen AV-Hafen in Marl in die Deichbaustelle auf Lippramsdorfer Seite. Die Alternative wäre ein permanenter LKW-Verkehr von der Autobahn über die B 58 Richtung Lippe gewesen, für den die Straßen gar nicht ausgelegt sind.

Eine Bandbrücke überspannt die Lippe. Sie bringt einen großen Teil des Materials vom AV Hafen am Kanal zur Baustelle jenseits der Lippe. Sie hat bald ausgedient.

Eine Bandbrücke überspannt die Lippe. Sie bringt einen großen Teil des Materials vom AV Hafen am Kanal zur Baustelle jenseits der Lippe. Sie hat bald ausgedient. © Elisabeth Schrief

Die 4,3 Millionen Euro teure Brücke soll im kommenden Jahr abgebaut werden. Sie gehört dem Lippeverband, der kann zur Weiterverwendung noch nichts Konkretes sagen.

Nächster Bauabschnitt beginnt im zweiten Quartal 2021

Wie geht es weiter? Nach Nord I beginnt der Deichausbau Nord II, jenseits des Oelder Weges Richtung Kusenhorst. Die Ausschreibungen für den acht Meter hohen Deich, der weiter ins Hinterland verlegt wird, sind fertig, die vorbereitenden Arbeiten fast erledigt. Geplant ist nach Auskunft des Lippeverbandes ein Baubeginn voraussichtlich im zweiten Quartal 2021. Hier soll eine zusätzliche 17 Hektar große Aue entstehen.

So sah es auf der Baustelle vor Schließung der Lücke zwischen altem und neuen Deich aus. Um Kaninchen nicht in Versuchung zu bringen, hier Bauten anzulegen, wurden feine Drahtgitter mit verbaut.

So sah es auf der Baustelle vor Schließung der Lücke zwischen altem und neuen Deich aus. Um Kaninchen nicht in Versuchung zu bringen, hier Bauten anzulegen, wurden feine Drahtgitter mit verbaut. © Elisabeth Schrief

Bis zum Jahr 2024 soll der komplette Deich - auch auf Marler Gebiet - fertig sein. Die Deiche werden mit regionalem Saatgut eingesät. Sträucher sind tabu, weil das Wurzelwerk die Deiche wieder zerstören würde, sagt Anne-Kathrin Lappe.

Die komplette Sicherung gegen ein Jahrhunderthochwasser kostet rund 90 Millionen Euro.

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