Spaziergänger entdeckt unterirdische Anlage im Wald - Rätsel ist gelöst

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Ein Spaziergänger entdeckt ein geheimnisvolles unterirdisches Bauwerk mitten im Wald bei Lippramsdorf. Seine Bilder sorgen für Spekulationen. Die Redaktion lüftet das Geheimnis.

Lippramsdorf

, 20.11.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als Frank Böer am Sonntagabend (15. November) in der Facebookgruppe Haltern am See Bilder von einem geheimnisvollen Eingang im Waldgebiet der Hohen Mark postete, der offensichtlich unter die Erde führt und mitten im Wald liegt, löste er eine kleine Lawine aus. Wie er fragte sich die User-Gemeinde, was es mit dieser Entdeckung auf sich hat. Es wurden zahlreiche Kommentare mit Lösungsangeboten gepostet.

Dazu gehörten: Es handelt sich bei der Anlage um die Überreste eines Bunkers aus dem Zweiten Weltkrieg. Es könnte eine Flakstellung gewesen sein, die zum Schutz des Chemieparks überall in der Umgebung einrichtet worden waren.

Es wäre möglich, dass es ein Wetterschacht der Zeche AV war. Vielleicht war es ein Eiskeller, der früher oft zur Kühlung von Lebensmitteln angelegt wurde? Sogar ein Schutzbunker des Sprengstoffwerks Sythener Wasag wurde als des Rätsels Lösung vermutet.

Frank Böer startete an der Waldschänke

Frank Böer war am Sonntag allerdings im Wald nahe der Waldschänke an der Straße Im Holt im nördlichsten Lippramsdorf unterwegs und etwa 300 Meter entfernt auf das seltsame Bauwerk gestoßen, so war die Standortwahl Sythen wohl auszuschließen.

Auch für die Halterner Zeitung war es gar nicht so leicht, etwas Licht ins Dunkel zu bringen. Stadtsprecher Georg Bockey musste passen. Er hatte durchs ganze Rathaus telefoniert, vom Liegenschaftsamt bis zum Stadtarchiv, um die Recherche zu unterstützen, musste aber mitteilen: „Diese Anlage ist uns nicht bekannt.“

Eine mögliche Erklärung lieferte Arno Straßmann, Vorsitzender des Vereins Naturparkführer, und mit dem Waldgebiet sehr vertraut. Er teilte auf Anfrage mit, dass es sich vermutlich um die private Bunkeranlage der beiden Bauernhöfe Kleine-Kappenberg und Vierhaus (heute Waldschänke) handelt.

Private Bunker entstanden vor allem nach 1943

Diese seien in der Region besonders nach der Verstärkung der alliierten Luftangriffe ab 1943 überall entstanden. Vereinzelt habe es sie auch schon mit Beginn des Krieges gegeben, obwohl die Nazi-Propaganda behauptete, nie werde ein feindliches Flugzeug im deutschen Luftraum zu sehen sein.

Für zwei Familien sei wohl Platz für etwa 20 Personen geschaffen worden, die sich sitzend in dem Bunker aufhalten konnten. Arno Straßmann hatte aber nicht die Fotos der Anlage gesehen, die Zweifel an dieser Theorie aufkommen ließen.

Auf den Weiden an der Waldschänke findet man immer noch viele große Sandsteine.

Auf den Weiden an der Waldschänke findet man immer noch viele große Sandsteine. © Silvia Wiethoff

Die Sandsteine gehören zur Landschaft.

Die Sandsteine gehören zur Landschaft. © Silvia Wiethoff

Schließlich konnte das Geheimnis um das Bauwerk abseits der Wohnbebauung dank Willi Husmann vom Lippramsdorfer Heimatverein und Johannes Kleine-Kappenberg gelüftet werden. Der leichte Erdhügel mit eiserner Tür steht nicht in Zusammenhang mit militärischen Aktivitäten. Er steht in Verbindung mit einem Steinbruch, der in diesem Teil von Lippramsdorf ab der zweiten Hälfte der 1930er Jahre bis in den Krieg hinein betrieben wurde.

Überall im Wald sind Mulden auszumachen

Beiden ist die Anlage aus der Kindheit bekannt. „Früher führte eine Treppe hinein“, sagte Willi Husmann. In der unterirdischen Anlage sei eine Art Panzerschrank eingelassen gewesen, um dort Sprengstoff für den Steinbruch aufzubewahren.

Johannes Kleine-Kappenberg (70), der auf dem landwirtschaftlichen Anwesen im Holt wohnt, weiß von dem Bauwerk für den Sprengstoff noch durch Erzählungen seiner Eltern. Überall im Wald drum herum seien Trichter zu finden, die aber nicht durch den Abwurf von Bomben entstanden sind, sondern durch die Sprengung von Steinen.

Dicke Sandsteine könne der aufmerksame Spaziergänger auch heute noch, zum Beispiel auf der Weide ganz in der Nähe der Waldschänke ausmachen, erklärte Willi Husmann.

Das Bild zeigt die Pfarrkirche Hl. Kreuz in Hamm-Bossendorf. Die Kirche wurde im romanischen Stil mit Steinen aus dem Steinbruch vom nahe gelegenen Hammer Berg, erbaut.

Das Bild zeigt die Pfarrkirche Hl. Kreuz in Hamm-Bossendorf. Die Kirche wurde im romanischen Stil mit Steinen, aus dem Steinbruch vom nahe gelegenen Hammer Berg, erbaut. © Archiv Bachmann

Es habe sogar eine Feldbahn gegeben, mit der die Steine abtransportiert wurden. Die Verladestation des Steinbruchs habe sich im Bereich des früheren Reitplatzes in Lippramsdorf befunden. Früher hätten etliche solcher Steinbrüche in der Hohen Mark existiert. Die Steine seien zum Häuser- und Straßenbau verwendet worden.

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