Heinrich Wiengarten, SPD-Vorsitzender, hielt die Gedenkrede auf dem jüdischen Friedhof. © Elisabeth Schrief
Reichspogromnacht 1938

SPD Haltern mahnt auf jüdischem Friedhof: „Wir müssen Flagge zeigen“

Die SPD erinnerte in einem Gedenken auf dem jüdischen Friedhof an die Reichspogromnacht 1938. Auch in Haltern hingen damals schon Schilder „Juden unerwünscht“ in Geschäften und Gaststätten.

Wegen Corona war 2020 nur ein stilles Gedenken möglich, in diesem Jahr lud die SPD wieder zu einem öffentlichen Innehalten auf dem jüdischen Friedhof ein. Zur Reichspogromnacht 1938 sprach SPD-Vorsitzender Heinrich Wiengarten zu den Teilnehmerinnen und Teilnehmern.

Er erinnerte an die damaligen Geschehnisse in Haltern. Fünf jüdische Familien lebten noch in Haltern, darunter auch die bekannte Familie Lebenstein am Disselhof 36. Andere jüdische Mitbürger hatten die Stadt bereits verlassen. In der Reichspogromnacht wurden die Wohnungen der jüdischen Familien mit Parolen beschmiert, die Möbel auf die Straße geworfen, zerstört und verbrannt und Juden verhaftet. Die Synagoge im Hinterhof der Rekumer Straße wurde ebenso beschädigt wie der jüdische Friedhof.

„Perfide Verfolgungspolitik“ auch in Haltern

„Es ist auch nach über 80 Jahren noch erschütternd, dass hier solche Gräueltaten passieren konnten“, sagte Heinrich Wiengarten in seiner Ansprache. „Leider kam es noch viel schlimmer. Halterner Juden wurden hauptsächlich nach Riga deportiert und umgebracht.“

Etwa 40 Bürgerinnen und Bürger folgten der Einladung der SPD, allen Opfern des Nationalsozialismus auf dem jüdischen Friedhof zu gedenken. © Elisabeth Schrief © Elisabeth Schrief

Die jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger hätten sich nichts zuschulden kommen lassen. Sie seien vielmehr ermordet worden, weil die damalige Regierung im ideologischen Wahnsinn Menschen jüdischen Glaubens und andere Minderheiten in einer perfiden Verfolgungspolitik habe ausrotten wollen. Auch im beschaulichen Haltern.

Heinrich Wiengarten lobt Bildungsarbeit der Schulen

Heinrich Wiengarten schlug zum Ende seiner Rede den Boden zur Gegenwart, erinnerte an den Anschlag auf die Synagoge in Halle 2019 sowie an eine bedenkliche Zunahme der antisemitischen Straftaten. Leider schaue ein Teil der Gesellschaft weg. Umso wichtiger seien Gedenkrituale wie am 9. November oder die Verlegung der Stolpersteine. „Wir alle müssen Flagge zeigen“, mahnte er. Nur mit Zivilcourage, konsequenter strafrechtlicher Verfolgung und politischer Bildung könne menschenfeindliches Verhalten verbannt werden. Beispielhaft nannte der SPD-Vorsitzende in diesem Zusammenhang die Bildungsarbeit an den Halterner Schulen.

Es ist ein alter jüdischer Brauch, kleine Steine auf den Gedenkstein zu legen, um den Toten die Ehre zu erweisen. © Foto:Elisabeth Schrief © Foto:Elisabeth Schrief

Zum Abschluss legten er und weitere Bürgerinnen und Bürger kleine Steine auf das Denkmal des jüdischen Friedhofs. Es ist ein alter jüdischer Brauch, den Toten durch diese Geste die Ehre zu erweisen.

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Haltern am See ist für mich Heimat. Hier lebe ich gern und hier arbeite ich gern: Als Redakteurin interessieren mich die Menschen mit ihren spannenden Lebensgeschichten sowie ebenso das gesellschaftliche und politische Geschehen, das nicht nur um Haltern kreist, sondern vielfach auch weltwärts gerichtet ist.
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Elisabeth Schrief

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