SPD-Vize-Chefin besuchte Halterner Flüchtlinge

Aydan Özoguz

Sie ist bundesweit eine der mächtigsten Frauen in der SPD: Die 50-jährige Hamburgerin Aydan Özoguz war am Donnerstag (17. August) in Haltern am See zu Gast. In der Flüchtlingsunterkunft am Lorenkamp hat die Staatsministerin das Gespräch mit Bewohnern und Ehrenamtlern gesucht. Hier sind die wichtigsten Aussagen.

HALTERN

, 17.08.2017, 16:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Michael Groß, für Haltern im Bundestag, hatte Staatsministerin Aydan Özoguz (beide SPD) mitgebracht, um sich fünf Wochen vor der Bundestagswahl ein Bild des Alltags in der Unterkunft zu machen. Eine Delegation aus Stadtverwaltung und Asylkreis führte die beiden Politiker durch die Unterkunft, bis – die eingeplante Zeit war schon fast vorbei – einer der Bewohner vorsichtig zur Gruppe kam und fragte, warum die beiden Gäste aus Berlin denn nur mit Deutschen reden. Die Geflüchteten wollten sich bedanken, dass sie so gut in Deutschland aufgenommen wurden. Sie hatten aber auch einige Fragen an die Bundesbeauftragte für Migration, Flüchtlinge und Integration. 

Vier Kernaussagen und die Antworten der Abgeordneten:

"In der Hälfte der Gebäude hier gibt es Kakerlaken", sagte Nune Harutyunyan aus Armenien auf Englisch: "Sehen Sie sich meinen Raum an, da ist es sauber. Was kann man dagegen tun?“ Helmut Lampe vom Halterner Sozialamt antwortete, Ungeziefer käme in allen Unterkünften immer wieder vor, ständig seien Kammerjäger im Einsatz. Essensreste oder eine unzureichende Reinigung seien Ursachen. Aydan Özoguz entgegnete: „Ich bin ja viel in solchen Einrichtungen unterwegs – so etwas habe ich aber noch nicht oft gehört.“

"Warum müssen wir noch zu acht zusammenleben?", fragte ein afrikanischer Bewohner des Camps am Stockwieser Damm in Sythen, der extra an den Lorenkamp kam. Andere Geflüchtete hätten schließlich schon lange eigene Wohnungen - afrikanische Männer würden aber immer zusammengesteckt. „Wir wollen den Städten Geld geben, damit die mehr Häuser bauen können“, sagte Michael Groß: „Aber das dauert lange.“ Und bei Wohnungen würden Familien eben Einzelpersonen bevorzugt, ergänzt Özoguz.

"Kommen die Kinder ohne Kita-Platz in die Schule, sprengen sie den Klassenverband", sagte Wiltrud Steinert von der Caritas. Sie zeigte den Politikern das Spielzimmer der Unterkunft, in der kleine Kinder erste Strukturen wie im Kindergarten erleben. Michael Groß, der Ende September wieder für den Bundestag kandidiert, antwortete: „Wir brauchen noch ein Kita-Programm. Wir haben überall zu wenig Plätze.“

„Man bekommt in Deutschland mehr Recht, wenn man Geld hat“, sagte Hermann Döbber vom Asylkreis auf die Frage, was sein dringendster Wunsch für die Flüchtlingshilfe sei. Eine Frau aus der Mongolei sollte etwa abgeschoben werden – ihre Diabeteserkrankung könne dort aber nicht behandelt werden, sie würde sterben. „Für so ein Verfahren braucht man Anwälte“, so Döbber: „Und die arbeiten nicht ohne Geld.“ Özoguz versicherte, ihr Team stünde immer zur kostenlosen Beratung zur Verfügung, außerdem gebe es ein Netzwerk von Jurastudenten, die ehrenamtlich arbeiten.

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