Spiel der Worte und Hände

FLAESHEIM Andreas Sandhofe nimmt ein Seil, schneidet es mit der Schere in zwei Teile, daraus macht er vier und aus ihnen wieder ein ganzes. Ich bin verblüfft. Das gibt es doch gar nicht. Wie macht er das? Direkt vor meinen Augen! Der Zauberer fasziniert mit einer unglaublichen Fingerfertigkeit.

von Von Elke Rüdiger

, 10.10.2008, 09:48 Uhr / Lesedauer: 2 min
Andreas Sandhofe.

Andreas Sandhofe.

Er legt das Fünfer-Päckchen verdeckt auf den Tisch, erzählt von seinem Onkel. Der hätte in Amerika Spielhallen besucht und dem Neffen als Andenken besondere Spielkarten geschickt. Sandhofe öffnet einen Umschlag, zeigt mir den Brief und deckt stolz, Karte für Karte, das begehrte Sammelgut auf. „Die letzte“, sagt er, „ist eine ganz besondere.“ Und legt die Herz 10 mit meinem Namen auf den Tisch.

Er lässt aber nicht nur Karten verschwinden und wieder auftauchen. Aufschriften und Farben verändern sich. Er zerreißt eine Zeitung, faltet beide Teile, zerreißt diese, faltet sie erneut… Ich erwarte Fetzen, doch sie ist unbeschädigt. Verflixt! Wie macht er das? Zauberei? Nein, das ist Zauberkunst. Fingerfertigkeit und Wahrnehmung. „Dabei muss meine Fingerfertigkeit nur schneller als Ihre Wahrnehmung sein“, lächelt der Meister. So einfach ist das!

Noch vor 300 Jahren wäre er mit seinen Kunststücken vermutlich auf dem Scheiterhaufen gelandet. Denn wer so brillant Dinge verschwinden und wieder hervorzaubern konnte, der musste ja mit Satan im Bunde sein. Im 19. Jahrhundert begann die Technisierung der Zauberei, mit der auch David Copperfield sein Publikum in Verwunderung zurücklässt. Einer seiner Fans ist Andreas Sandhofe, auch wenn er von den gigantischen Shows nicht so viel hält. „Wer soll sich die denn leisten?“ Da verzaubert, nein, bezaubert er sein Publikum lieber mit Fingerfertigkeit und Geschick. Er möchte unterhaltsam sein, einen Rest von Illusion und Geheimnisvollem bewahren.

„Ist es nicht so, dass Sie zum Zauberer gehen, obwohl Sie wissen, dass er gar nicht zaubern kann?“, fragt Sandhofe. Stimmt. „Sie sind also einverstanden, getäuscht zu werden.“ Letztlich wolle niemand eine ehrliche Antwort auf die Frage „Wie macht er das?“, wäre der schöne Zauber doch sofort verflogen. Wichtig sei vielmehr die Frage „Warum verstehe ich nicht, wie es geht?“ Geschwindigkeit ist wichtig, aber nicht alles, lässt sich der Zauberer ein wenig in die Karten blicken. Ein perfektes Programm sei mehr als eine Serie gelungener Tricks. Ein geschickter Magier erzähle eine Geschichte, die das Publikum von Anfang an in seinen Bann zieht und ohne Durchhänger zum Höhepunkt führt. Einen guten Trick gibt es also nur im Paket mit einer guten Geschichte – um den Zuschauer zu beeinflussen und abzulenken.

Der 36-jährige Flaesheimer ist in Dinslaken geboren und in seinem Alltag technischer Zeichner. Als Elfjähriger bekam er seinen ersten Zauberkasten. Er zauberte aus Spaß, für die Familie, für Freunde. „Mein bestes Publikum“, meint Sandhofe, „sie fanden alles toll.“ Doch das war ihm irgendwann nicht mehr genug. Er wollte mehr, etwas, womit er sich von den anderen abhob. Er las Bücher, besuchte Seminare und Kongresse. Er studiert seine Tricks bis sie „im Schlaf“ sitzen. Um ihre Wirkung zu verbessern, ändert er die Effekte, sucht neue Requisiten, feilt an der Repräsentation, holt sich Ideen auch von Kollegen – und trainiert, trainiert, trainiert, auch vor dem Spiegel. Dabei verblüfft er sich dann manchmal sogar selbst...   

Magic Dinner: zauberhaftes Menü von Hans-Hermann Grafe, magische Momente von Andreas Sandhofe und Hajo Bier; 18. Oktober ausverkauft; 25. Oktober, 19 Uhr, 65 Euro, Jägerhof, Tel. 50 79  37. » www.andreas-sandhofe.de

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