Stadt baut am Stauseestrand eine Notunterkunft

450 Flüchtlinge kommen

576 Flüchtlinge haben eine Zuflucht in Haltern gefunden, 450 weitere werden bis Ende des Jahres folgen. In ihrer Not, Herbergen zu finden, kaufte die Stadt sechs Bundeswehrzelte und baute sie am Strand des Stausees auf. Auch eine Grundschule und das Zechengebäude in Lippramsdorf sollen zur Notunterkunft werden.

HALTERN

, 30.10.2015, 09:58 Uhr / Lesedauer: 1 min
Stadt baut am Stauseestrand eine Notunterkunft

Sechs ehemalige Bundeswehrzelte im Eigentum der Stadt, wurden am Donnerstag am Seebad-Strand aufgebaut. Unterstützt wurde die Stadt durch Baubetriebshof, Feuerwehr, Bundeswehr und Technisches Hilfswerk.

Das Zeltlager im Strandbad reicht für 70 bis 80 Flüchtlinge. „Ich kann heute noch nicht sagen, wie wir alle Menschen unterbringen können, ohne auf Turnhallen zurückgreifen zu müssen“, sagte gestern Abend Erster Beigeordneter Hans-Josef Böing Donnerstagabend  in der Ratssitzung. Vorstellungen gibt es durchaus.

Mit Hochdruck

Die Martin-Luther-Grundschule am Hennewiger Weg ist eine Option, wenn sie im nächsten Jahr frei gezogen wird. Das Haus am Alisowall 14, das einem Neubau weichen soll, könnte eventuell vorübergehend genutzt werden. Ob das leer stehende Hotel Jägerhof in Flaesheim tatsächlich – wie von der Stadt gewünscht – zur Verfügung steht, ist offen. Das Haus hat den Eigentümer gewechselt. Die Stadt sucht weiter, während das Land sich bereits die nächste Option für eine Notunterkunft gesichert hat.

Wenn die Bergleute den Schacht Auguste Viktoria 8 in Lippramsdorf verlassen, sollen hier 1000 Flüchtlinge einziehen. „Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes arbeitet mit Hochdruck daran“, erklärte Böing. Haltern und Marl teilen sich die Plätze, denn die Stadtgrenze verläuft mitten durch das Gebäude.

Sorgen ernst nehmen

"Wenn das alles so weitergeht mit den Flüchtlingszahlen, kann im Moment keiner sagen, wie die Städte das noch verkraften sollen“, sagte ein sichtlich erschöpfter Sozialdezernent. „Aber wer sich Sorgen macht, ist noch lange nicht fremdenfeindlich“, diesen Satz quittierten die Ratsmitglieder mit Applaus.

Dass Bürger angesichts der Entwicklungen möglicherweise ängstlich und unsicher sind, sieht Hans-Josef Böing. „Wir wollen nichts unter den Teppich kehren.“ Deshalb wird die Verwaltung  zusammen mit dem Rat in absehbarer Zeit zu einer Bürgerversammlung einladen. 

1,6 Millionen Euro

Aktuell haben 422 Flüchtlinge (davon 218 aus Balkanstaaten) in städtischen Unterkünften eine Bleibe gefunden, in der Sythener Landesnotunterkunft leben zusätzlich 154 Menschen aus Kriegs- und Krisengebieten. Bislang hat die Stadt 1,3 Millionen Euro für Ansprüche aus dem Asylbewerberleistungsgesetz, medizinische Versorgung und Mieten ausgegeben, die Kosten werden bis Ende des Jahres auf 1,6 Millionen steigen.  

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