Stadt Haltern und Lippeverband wollen Pendlern den Weg in den Chemiepark freihalten

rnOelder Brücke

Sie ist eine Greisin und ächzt unter den Belastungen, aber Berufspendler mögen nicht auf sie verzichten: Die Oelder Brücke ist seit 13 Jahren ein Sanierungsfall. Und ein Streitobjekt.

Lippramsdorf

, 13.11.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Morgens ab 6 Uhr gleicht der Bahntrassen-Radweg zwischen Haltern und Lippramsdorf einer Pendler-Autobahn. Bewegungsfreudige Mitarbeiter des Chemieparks Marl haben zu dieser Zeit ein bestimmtes Ziel: Sie fahren über die Oelder Brücke und damit über die Lippe zu ihrem Arbeitsplatz. Doch, wird das auch in Zukunft noch möglich sein?

Untersuchungen der im Jahr 1935 errichteten Brücke haben ergeben, dass das Bauwerk durch erhebliche Korrosionsschäden nicht mehr tragfähig genug ist. Seither dürfen Fahrzeuge über drei Tonnen Gewicht die Querung über die Lippe zum Nordtor des Chemieparks nicht mehr nutzen.

Seit 13 Jahren ein Gerangel

Seit 2006 rangeln die Städte Marl und Haltern und der Chemiepark miteinander: Niemand will sich die Reparaturkosten aufbürden. Denn die gut 300 Berufspendler aus Haltern und Gemeinden des Münsterlandes könnten ebenso leicht den Weg über Sickingmühle nehmen, um zu ihren Arbeitsplätzen zu kommen. Und der Chemiepark selbst ist auf die Brücke als Zufahrt und Rettungsweg nicht mehr angewiesen. Seit 13 Jahren droht der Abriss der Stahl-Fachwerks-Brücke. Doch jetzt gibt es eine Wende.

Bürgermeister Bodo Klimpel, Landrat Cay Süberkrüb und der Vorstandsvorsitzende des Lippeverbandes, Prof. Dr. Ulrich Paetzel, haben in etlichen Gesprächen nach einer Lösung gesucht, wie die Oelder Brücke dauerhaft erhalten werden kann. Dazu sagt Bodo Klimpel: „Der Wunsch vieler Chemiepark-Mitarbeiter vor allem aus Haltern ist absolut nachvollziehbar, die Brücke weiterhin als unmittelbaren und verkürzten Zugang nutzen zu können.“ Bei einem Umweg würden viele, so mutmaßt Klimpel, nicht mehr mit dem Rad fahren. Deshalb sei nicht zuletzt auch unter Klimaschutzgesichtspunkten die Idee geboren, die Wegebeziehung erhalten zu wollen.

„Geschenk“ an die Stadt

Wie die Lösung aussieht, erklärt Siegfried Schweigmann (Leiter für den Bereich Rechts- und Standesamtswesen bei der Stadt und künftiger Baudezernent). „Die Stadt Haltern hat sich bereit erklärt, die Oelder Brücke als Eigentum zu übernehmen und dann auch für die Unterhaltung und die Verkehrssicherungspflicht zu sorgen. Voraussetzung ist aber, dass die Brücke zunächst grundlegend und langlebig saniert sowie ertüchtigt wird.“ Dafür tritt der Lippeverband ein.

Stadt Haltern und Lippeverband wollen Pendlern den Weg in den Chemiepark freihalten

Die Oelder Brücke über die Lippe zum Nordtor des Chemieparks Marl ist nur einseitig befahrbar. © Elisabeth Schrief

Ihm wird die Oelder Brücke zeitnah vom Kreis unentgeltlich übertragen, nach der Sanierung geht sie wiederum unentgeltlich in den Besitz der Stadt Haltern über. Der Kreis beteiligt sich finanziell an den Reparaturarbeiten und zwar in der Höhe der sonst fälligen Abrisskosten. Wenn der Kreistag am 25. November zustimmt - was zu erwarten ist - werden die Arbeiten ausgeschrieben. Erst dann, so Schweigmann, könne man etwas zu den tatsächlichen Kosten sagen.

Ausschuss segnet Lösung ab

Der Ausschuss für Landschaftsplanung, Umweltfragen und Bauangelegenheiten des Kreises hatte bereits am 6. November in nicht-öffentlicher Sitzung sein Votum für diesen Deal gegeben. Doch etwas ändert sich in Zukunft: Die Brücke wird nur noch für Radfahrer und Fußgänger freigegeben. In Ausnahmefällen dürfen Betriebsfahrzeuge bis 3,5 Tonnen passieren. Mitarbeiter des Chemieparks, die mit dem Auto kommen, müssen zu den Werkstoren nach Marl fahren.

Und was ist der Nutzen für den Lippeverband? Er könne, so ein Verbandssprecher, die Brücke im Rahmen des Deichbaus als Betriebsweg nutzen und zusätzlich eine attraktive Anbindung an das Radwegenetz des Lippeverbandes realisieren.

Oelder Weg wird saniert

Mit der Oelder Brücke übernimmt die Stadt gleichzeitig den Oelder Weg, der noch Kreisstraße ist. Aber auch hier gilt: Der Vertrag tritt erst in Kraft, wenn das Teilstück zwischen Siedlung und Brücke neu asphaltiert ist. Der erste marode Abschnitt zwischen Bahnhof und zweiter Zufahrt zum Wohngebiet Mersch ist gerade frisch repariert worden. Denn er gilt als Rettungsweg und Feuerwehrzufahrt.

Stadt Haltern und Lippeverband wollen Pendlern den Weg in den Chemiepark freihalten

Der Oelder Weg zwischen den beiden Einfahrten zur Siedlung Mersch ist saniert, das letzte Stück zur Brücke hin noch nicht. © Elisabeth Schrief

Das letzte Stück bis zur Oelder Brücke soll dann perspektivisch als Geh- und Radweg ausgebaut werden. Danach ist der Oelder Weg nur noch Gemeindestraße. Kreis und Stadt Haltern werden sich bezüglich der Tiefbauarbeiten abstimmen. Der Lippeverband beteiligt sich an den Kosten, sofern er im Zuge des Deichbaus Schäden mit verursacht hat.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt