Stadt Haltern verhandelt mit Grafen über Friedwald

Ruhestätte Natur

Carl Otto Graf von Westerholt bietet an, im Sythener Linnert eine „Ruhestätte Natur Haltern am See“ herzurichten. „An diesem romantischen Fleckchen Erde kann ich mir einen Bestattungswald sehr gut vorstellen“, sagte er am Dienstagabend im Ausschuss Bauen und Verkehr.

SYTHEN

, 09.03.2017, 05:44 Uhr / Lesedauer: 1 min
Stadt Haltern verhandelt mit Grafen über Friedwald

Ein Bild aus einem Friedwald: Die Tafel mit den Namen der Bestatteten hängt an dem betreffenden Baum.

Auf Einladung der Stadt stellte er sein Konzept, das er bereits 2015 in Herten im ehemaligen Löwenpark umgesetzt hat, vor. Er verbürgt sich für seine Zuverlässigkeit mit 800-jähriger Familiengeschichte: „Die Stadt ist abgesichert. Sollten wir den Bestattungswald aus bestimmten Gründen aufgeben, fallen die Flächen in den Besitz Halterns.“

Anders als noch vor zwei Jahren, als die SPD die Diskussion um Bestattungen im Forst angestoßen und dafür noch viel Skepsis geerntet hatte, stimmten am Dienstag alle Parteien für das Projekt. Die Verwaltung wurde einmütig beauftragt, Verhandlungen mit dem Grafen aufzunehmen. Das Geschäftsmodell sähe so aus: Die Stadt ist Träger des Bestattungswaldes und erhält einen Anteil der Gebühren, der Graf ist als Eigentümer dieser Fläche der Betreiber.

Auf 15 Hektar könnten theoretisch Grabstellen angeboten werden, starten möchte Carl Otto Graf von Westerholt zunächst mit vier Hektar. Dazu muss teilweise noch ein Waldumbau stattfinden. In Herten stehen pro Hektar 80 bis 100 Bäume, bis zu zwölf Urnen können an einem Baum beigesetzt werden. „Das geschieht nicht anonym, sondern mit Namenstafeln. Grabschmuck ist allerdings nicht erlaubt, um den Charakter des Waldes nicht aufzuheben“, erklärte der Graf im Rathaus. In der Ruhestätte Natur Herten hat er bislang 1400 Grabstellen verkauft, 500 Beisetzungen haben stattgefunden.

In Sythen sei nicht nur die Natur, sondern auch die Infrastruktur perfekt für das Vorhaben. In der Mühle möchte er ein Büro einrichten, die Schloss-Kapelle wäre prädestiniert für Trauerfeiern. „Früher waren wir bezüglich Waldbestattungen sehr reserviert, wir befürchteten Konkurrenz für unsere Kommunalfriedhöfe“, sagte Johannes Föcker für die Wählergemeinschaft. Diese Sorge ist gewichen, Bestattungen im Wald machen in Herten zwei bis drei Prozent aller Beerdigungen aus. „Eine runde Sache“ nannte Markus Ernst (CDU) das Vorhaben. Arno Huesmann sah sich für die SPD am Ziel: „Wir freuen uns über das Votum.“

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