Stadt wirbt um Verständnis und appeliert an Vernunft

Diskussion um aufgemotzte Maiwagen

Immer lauter, größer und spektakulärer - die Maiwagenkultur, die in Haltern gewachsen ist, steht seit gestern im Fokus der öffentlichen Diskussionen. Aus Sicht der Stadt erhitzten sich die Gemüter, weil unsere Zeitung getitelt hatte: "Eventwagen sollen verschwinden".

HALTERN

, 07.04.2016, 18:33 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Diskussion um aufgemotzte Maiwagen geht weiter.(archiv) Helmer

Die Diskussion um aufgemotzte Maiwagen geht weiter.(archiv) Helmer

Die gewählte Überschrift sei auf Verärgerung gestoßen, hieß es dazu aus dem Rathaus. "Diese Botschaft wollten wir nicht vermitteln", erklärte Ordnungsamtsleiter Helmut Lampe auf Anfrage. "Uns geht es darum, dass wir Maiwagen, von denen ein nicht kalkulierbares Risiko ausgeht, aus dem Verkehr ziehen wollen." Die Gefahrenquellen, die insbesondere von großen, und nicht sicherheitsgeprüften Maiwagen ausgehen, seien nicht zu unterschätzen. Welche Wagen in diese Kategorie fallen, müsse "einzelfallabhängig" geprüft werden.

"Eventcharakter"

"Die Feierlichkeiten rund um den 1. Mai haben inzwischen Auswüchse angenommen, die wir in gewissen Bereichen einfach nicht mehr hinnehmen können", ergänzte Stadtsprecher Georg Bockey. Der Feiertag habe sich mittlerweile zu einer "Veranstaltung mit Eventcharakter" gemausert, von der sich zuletzt auch immer mehr auswärtige Besucher angezogen fühlten.

Das Problem liege auch darin, dass es dafür aber keinen offiziellen Veranstalter gebe, der für die Ordnungsbehörden ansprechbar sei und Veranstalterrisiken übernehme. Hier ist zum Beispiel ein entscheidender Unterschied zu den Schützenfesten zu sehen. Das Konfliktpotenzial sei insgesamt gestiegen.

Sicherheit aller Beteiligten

Diese und weitere Erkenntnisse habe man bei Gesprächen innerhalb der Ordnungspartnerschaft, zu der Vertreter von Polizei und Stadt zählen, gewonnen.

"Wer haftet zum Beispiel, wenn etwas passiert?", fragte Stadtsprecher Georg Bockey. "Wir gönnen den jungen Menschen ihren Spaß, aber es gibt Grenzen, die auch im Sinne der Sicherheit aller Beteiligten, eingehalten werden müssen", betonte er. Um gemeinsam Lösungen zu erarbeiten, habe man sich dazu entschieden, mit Vertretern teilnehmender Gruppen das Gespräch zu suchen. "Der Austausch, der zum Teil schon stattgefunden hat, war durchaus konstruktiv", so Bockey.

"Nie Stress oder Ärger"

Weiterhin rufe man die Betreiber der Maiwagengruppen dazu auf, sich beim Ordnungsamt zu melden. Gestern bestätigten Vertreter teilnehmender Maiwagengruppen auf Anfrage, dass sie bereits Anfang März zu Gesprächen im Rathaus gewesen seien.

Zu den Gruppen, die seit Jahren mit einem großen Wagen um den See wandern, gehören unter anderem die Jugendleiter und Freunde der Gemeinde St. Marien. Einer von ihnen ist der 20-jährige Jonas Turek. Er sagt: "Es hat bei uns in den letzten Jahren nie Stress oder Ärger gegeben. Für die Bedenken der Stadt im Hinblick auf die Sicherheit haben wir aber selbstverständlich Verständnis. Man hat uns Auflagen erteilt. Die werden wir erfüllen."

Umgebauter Trabi

Unter anderem müssten die, die den Maiwagen ziehen, künftig Warnwesten tragen. Außerdem sei der Hügel im Westuferpark tabu. Ein dauerhaftes Verweilen und eine Ansammlung auf einem Parkplatz nahe der Antoniusbrücke sei von den Stadtvertretern ebenfalls nicht gewünscht. "Das ist ok", meinte Jonas Turek. Eine andere Gruppe aus Haltern, die im vergangenen Jahr einen umgebauten Trabi als Wagen benutzte, sei von der Stadt aufgefordert worden, ihr Equipment deutlich abzuspecken, erzählt er weiter.

Langfristig müsse die Maiwagenkultur in Haltern auf jeden Fall erhalten bleiben, wünscht sich der junge Halterner. "Alles andere wäre mehr als schade." Der Kult rund um den 1. Mai sei einmalig in der Region. "Viele Gruppen haben jede Menge Zeit, Geld und Arbeit in ihre Wagen investiert", merkte er an.

Kontakt zum Ordnungsamt: Tel. 933178, E-Mail:ordnungsamt@haltern.de

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