Stadtmühlen-Schlägerei: Olfener Opfer hatte „noch nie im Leben so einen Schmerz gespürt“

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Es war ein bedrückender Moment, als Sascha B. vor Gericht erschien. Der Ex-Sicherheitsmann der Diskothek „Stadtmühle“ in Haltern hat bei einem brutalen Angriff von Gästen ein Auge verloren.

Haltern/ Essen

, 02.03.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es waren nur wenige Minuten. Doch sie haben das Leben von Sascha B. für immer verändert. Knapp sieben Monate ist es her, dass der 48-Jährige sein linkes Auge verloren hat. Der Sicherheits-Mitarbeiter der Halterner Diskothek Stadtmühle war von Gästen brutal zusammengeschlagen worden.

Es war die Nacht auf den 11. August 2019, als er in den Außenbereich gerufen wurde. Es hatte Streit gegeben, zwei Brüder sollten vor die Tür gesetzt werden. Eigentlich ein Routinefall. Doch diesmal konnte selbst Sascha B., Ex-Kampfsportler und damals 120 Kilo schwer, nicht mehr reagieren.

Cocktailglas ist im Auge zersprungen

„Ich habe zwei oder drei Schläge auf den Hinterkopf gekriegt – ich meine, mit einer Flasche“, sagte er den Richtern am Essener Landgericht. „Dann hat mich der Jüngere in den Schwitzkasten genommen und mein Gesicht zweimal mit voller Wucht auf den Tisch geschlagen.“ Er sei noch völlig benommen gewesen, als dann auch noch ein Cocktailglas geflogen kam – aus zwei Metern Entfernung.

„Ich habe noch nie so einen tierischen Schmerz verspürt“, so der 48-Jährige am Montag. Das schwere Glas sei in seinem Gesicht zersprungen. „Mir war sofort klar, dass das Auge weg war.“

Immer wieder auf stark blutendes Opfer eingeschlagen

Danach habe er kaum noch etwas gesehen. Das Blut sei ununterbrochen geflossen. Trotzdem sei weiter auf ihn eingeschlagen worden – jetzt von dem Älteren der beiden Brüder. „Immer zielgerichtet auf mein Auge – zehn bis 15 Mal.“ Er habe noch versucht, sich mit einem Schlagstock zu wehren, aber kaum noch etwas gesehen. „Sollte ich mich umbringen lassen?“, fragte er die Richter mit ernster Stimme.

Es hätte auf jeden Fall nicht viel gefehlt. Sascha B. hat den Jüngeren zwar noch verfolgt und auch gestellt, dann verlor er das Bewusstsein. Der Augapfel war gerissen, die Netzhaut abgelöst. Es war nichts mehr zu machen.

Älterer Angeklagter sieht sich als „Angegriffener“

Der ältere der beiden angeklagten Brüder hat den Vorwurf des versuchten Totschlags am Montag vehement bestritten. „Mir tut es sehr leid, dass der [Sicherheitsmitarbeiter] derart verletzt wurde, hierzu hätte es nie kommen dürfen“, hieß es in einer von seinem Verteidiger Jens Tuschhoff verlesenen Erklärung. „Allerdings sehe ich die Verantwortung nicht bei mir.“ Er habe nur eingegriffen, um seinem Bruder zu helfen, der mit einem Teleskopschlagstock geschlagen werden sollte. Als er dann selbst getroffen worden sei, habe er sich zur Wehr gesetzt. Dass er jemanden töten wollte, sei völlig abwegig. Er fühle sich als Angegriffener – nicht als Angreifer. Sein Bruder will sich erst später zu den Vorwürfen äußern.

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