Störche tragen jetzt Ringe

Auf Hof in Lavesum

Frank, Anna, Lukas und Carlotta heißt der noch junge Nachwuchs, der seit kurzer Zeit auf dem Hof von Heinrich Münning wohnt. Bei der Rasselbande handelt es sich um Weißstörche, die auf dem Hof der Familie eingezogen sind.

LAVESUM

von Mark Pillmann

, 10.06.2016, 16:46 Uhr / Lesedauer: 2 min
Storchenberingung Hof Münning Lavesum 9.6.2016

Storchenberingung Hof Münning Lavesum 9.6.2016

Vergangenen Donnerstag wurden die Vogelkinder beringt. Sie erhielten ihren ersten "Personalausweis", was die Lavesumer Dorfgemeinschaft zum Anlass nahm, ein kleines Fest zu feiern.

Bestand hat sich erholt

Noch in den 1990ern war es eine Seltenheit, einen Storch in Westdeutschland zu sehen. Wollte man einige der damals noch seltenen Tiere zu Gesicht bekommen, musste man weit in die neuen Bundesländer reisen. Noch 2005 gab es in Recklinghausen nur ein einziges Storchenpaar. Doch das ist heute anders. "Insgesamt elf Paare brüten mittlerweile im Kreis Recklinghausen", erklärte Michael Jöbges, der beim Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW beschäftigt ist und die Beringung der Störche ehrenamtlich ausführte.

Als Heinrich Münning 2013 zum ersten Mal Störche auf dem Feld vor seiner Haustür sah, wusste er, was zu tun war: Es sollte ein Storchenmast her, eine Grundlage für die Störche, ihren Horst zu bauen.

"Ich war mir am Anfang eigentlich sicher, dass der Standort nicht so schnell von den Störchen angenommen werden würde", so Niels Ribbrock, Landschaftsökologe und wissenschaftlicher Mitarbeiter der Biologischen Station Kreis Recklinghausen. Doch bereits kurz darauf bauten "Tanja" und "Heinrich" das erste Nest auf dem Mast.

Kamera angebracht

"Das war natürlich ganz toll für uns", so Heinrich Münning. "Es ist faszinierend, die Störche beobachten zu können. Extra dafür habe ich mittlerweile sogar eine Kamera anbringen lassen, sodass ich die Störche den ganzen Tag beobachten kann, ohne sie zu stören."

Doch letztes Jahr gab es Zoff im Hause Adebar und Storch Heinrich zog aus. Lange Zeit blieb unklar, ob Storchendame Tanja wiederkommen und wenn ja, ob sie einen Partner finden würde. Doch Tanja blieb nicht untätig und fand in "Toni" aus Kalkar einen würdigen Nachfolger für Heinrich. Gemeinsam brütete die Familie in diesem Jahr vier Junge aus.

Wissenschaftlichen Begleitung

Weil diese in 2-3 Wochen flügge werden, war die Beringung wichtig. Sie dient der wissenschaftlichen Begleitung. "Wir können damit nachvollziehen, wohin die Vögel im Winter ziehen oder ob sie zuhause bleiben, wo sie brüten oder sich niederlassen", erklärte Michael Jöbges. "Natürlich gibt es genauere Methoden. Man könnte die Vögel mit GPS ausstatten und so andauernde Daten bekommen. Aber das würde mehrere tausend Euro kosten."

Und die Störche? "Denen geht es super", sagte Michael Jöbges bei der Beringung. Für die Lavesumer war die vollendete Beringung der eigentliche Anfang eines fröhlichen Miteinanders. Nachdem die Vögel wieder mit ihren Eltern vereint waren, stärkten sich die Menschen und beobachteten die Störche.

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