Streit um Betreutes Wohnen: Bürgermeister kommt nicht zu Gespräch mit Anwohnern

rnBetreutes Wohnen Sythen

Der Gesprächstermin zwischen Stadt und Bürgern in Sachen Betreutes Wohnen hat noch gar nicht stattgefunden. Doch schon im Vorfeld sorgt Bürgermeister Bodo Klimpel für neue Überraschungen.

Haltern

, 09.01.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Noch bevor es möglicherweise zu einer Annäherung hätte kommen können, provoziert die Stadt Haltern erneut den Unmut zahlreicher Anwohner im Sythener Baugebiet Elterbreischlag. Dort steht, wie mehrfach berichtet, der mächtige Zweckbau mit der über 70 Meter langen zweieinhalbgeschossigen Fassade im Fokus, zu dem das Betreute-Wohnen-Projekt nach jahrelanger Bauverzögerung mutiert ist. Es belastet das Verhältnis zwischen Stadtverwaltung und Anwohnern nachhaltig.

Bürgermeister erteilt Absage

Zusätzlich strapaziert wird dieses nun durch die aktuelle Mitteilung der Stadt, dass Bürgermeister Bodo Klimpel nicht an dem Treffen teilnehmen wird, zu dem alle Nachbarn des riesigen Bauprojekts am Freitag (10. Januar) um 15 Uhr ins Rathaus eingeladen wurden. Er habe am Freitag einen anderen dienstlichen Termin, teilte das Presseamt der Stadt auf Nachfrage mit.

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Nicht nur beim Pressegespräch mit der Halterner Zeitung, sondern zuletzt auch beim Neujahrsempfang der Sythener Schützen im Schloss hatte Klimpel sich ausdrücklich für das unsensible Vorgehen seiner Verwaltung entschuldigt und betont, dass er die Verantwortung übernehme und für Gespräche mit den Bürgern zur Verfügung stehe. Er stehe für absolute Transparenz. „Der gesamte Vorgang soll offen und ehrlich aufgeklärt werden“, hatte Klimpel versprochen.

Als Friedensangebot wurden dann die Elterbreischlag-Bewohner ins Rathaus geladen. In Aussicht gestellt worden war ihnen dabei vorrangig, dass sie bei dem Termin über die Farbgebung der Fassaden und das künftige Grünkonzept der Wohnanlage mitbestimmen sollten.

Anwohner fordern eine lückenlose Aufklärung

Die Anwohner haben bereits deutlich gemacht, dass sie sich damit aber nicht zufriedengeben wollen. Die Einladung der Stadt sei „eine Farce“, hatte beispielsweise Jochen Kolk in einem Brief an die Stadt geschrieben. Kolk und weitere Nachbarn wollen daher nicht an dem Treffen teilnehmen. Schließlich könnte eine Teilnahme auch als Zustimmung zu dem Projekt interpretiert werden, befürchten sie.

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Gemeinsam mit den Nachbarn, die dennoch am Freitag ins Rathaus kommen, fordern sie allerdings eine lückenlose Aufklärung darüber, wie sich das Bauprojekt zwischen Eltritt und Dietrich-Bonhoeffer-Weg in dieser Form, die keine fünf einzeln stehende Stadtvillen mehr vorsieht, entwickeln konnte.

Die aufgebrachten Bürger erwarten Antworten auf ihre Fragen. Dazu gehört auch, „warum die Stadt die Interessen ihrer Bürger mit Füßen trat, um die eines Großkonzerns zu befriedigen.“

Bürgermeister enttäuscht Bürger erneut

Ihren Fragen werden sich nun Baudezernent Siegfried Schweigmann und Fachbereichsleiter Klaus Klose stellen, ließ Sprecher Georg Bockey wissen. Anwohnerin Marlit Büren-Kolk ist enttäuscht von der Absage des Bürgermeisters. „Seine Anwesenheit bei dem Termin wäre das Mindeste für seine Ehrenrettung gewesen“, sagt sie. Viele ihrer Nachbarn aber hätten sogar mit der Absage gerechnet. „Sie sind davon ausgegangen, dass der Bürgermeister sich entschuldigen lässt.“

„Klimpel sollte zu seiner Verantwortung stehen“

Stephan Adolphy hätte erwartet, dass Klimpel zu der Verantwortung steht, die er so oft bekundete. „Wenn ein Vertreter der TSC Osmium an dem Termin teilnimmt, sollte auch der Bürgermeister als Verantwortlicher dabei sein“, meint er. Bei dem Gespräch allein allerdings wollen die Anwohner es ohnehin nicht belassen. Wie Stephan Adolphy erklärte, prüfen einige Bewohner des Elterbreischlags juristische Schritte gegen die Stadt.

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