Streit um Windkraft in Hullern: Bürger und Politik befürchten extreme Einschränkungen

rnWindkraft-Pläne

Ein Bremer Windenergie-Unternehmen plant den Bau von zwei Windkraftanlagen im Westen Hullerns. Das könnte enorme Beeinträchtigungen zur Folge haben. Bürger und Politik sind alarmiert.

Hullern

, 24.02.2020, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Carmen Stüer und Hubertus Möllers sind Mitbegründer der Hullerner Bürgerinitiative „Ein Herz für Hullern“. Schon vor neun Jahren haben sie mit vielen anderen Bürgern erfolgreich den Kampf gegen den geplanten Windpark im Westen des Halterner Ortsteils geführt. Jetzt flammt das Thema wieder auf. Die Windpark Antrup GmbH & Co. KG mit Sitz in Bremen beabsichtigt, zwei große Windenergieanlagen in Hullern zu errichten. Mit einer Gesamthöhe von 241 Metern und einem Rotordurchmesser von 150 Metern zählen sie NRW-weit zu den größten Anlagen. Der Antrag liegt dem Kreis Recklinghausen als zuständiger Genehmigungsbehörde bereits vor.

Carmen Stüer und Hubertus Möllers machen sich gegen die Windkraft an den beantragten Standorten auf den hinter ihnen liegenden Wiesen stark.

Carmen Stüer und Hubertus Möllers machen sich gegen die Windkraft an den beantragten Standorten auf den hinter ihnen liegenden Wiesen stark. © Ingrid Wielens

„Bei mir stehen täglich Leute vor der Tür“, sagt Carmen Stüer. Viele Hullerner hätten Angst vor den Beeinträchtigungen, die die Windräder direkt vor den Toren des 2400 Einwohner zählenden Dorfs mit sich bringen könnten. Es ist die Angst vor dem Infraschall, vor Lärmbelästigung, vor Schattenwurf. Und auch vor einem Werteverlust ihrer Immobilien. Windkraft in Hullern - das ist derzeit überall im Ort das vorherrschende Thema.

Debatte über Mindestabstände zur Wohnbebauung

Denn im Fall einer Genehmigung würden die im Westen Hullerns geplanten Windräder zum Teil sogar bis auf 600 Meter Abstand an die Wohnhäuser heranrücken. Vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussionen auf Bundes- und Landesebene, die sich um einen Mindestabstand von 1000, beziehungsweise 1500 Meter drehen, empfinden die meisten Bürger diese Annäherung als extrem bedrohlich. Eine gesetzlich festgeschriebene Regelung zum Mindestabstand von Windkraftanlagen gibt es derzeit nicht.

Die Windkraft-Anträge in Hullern: Links im Bild befindet sich die genehmigte Windenergieanlage der Sebbel GmbH. In der Mitte sind die beiden beantragten Windkraftanlagen der Antrup GmbH zu sehen.

Die Windkraft-Anträge in Hullern: Links im Bild befindet sich die genehmigte Windenergieanlage der Sebbel GmbH. In der Mitte sind die beiden beantragten Windkraftanlagen der Antrup GmbH zu sehen. © Kreis Recklinghausen

Hubertus Möllers kritisiert, dass derartige Pläne überhaupt in einem Gebiet, das mit den Lippeauen, der Westruper Heide und den Borkenbergen von Natur- und Landschaftsschutzflächen umgeben ist, angedacht werden. „2Stromland“, das Projekt der Regionale 2016, habe doch schließlich zum Ziel, das Gebiet westlich der Gemeinde Hullern als Entwicklungsfläche für Natur- und Landschaftsschutz und für Erholung weiterzuentwickeln. „Mit der Windkraft wird die Erlebbarkeit des Landschaftsraumes und die damit verbundene Attraktivitätssteigerung zerstört“, meint Möllers.

In Konkurrenz zum geplanten Wohngebiet

Besonders brisant: Hullern soll wachsen. Wachsen aber kann der Ort nur noch in Richtung Westen. Daher wurde dort auch im Flächennutzungsplan eine gut drei Hektar große Fläche für künftige Wohnbebauung ausgewiesen. Sollten die Windräder genehmigt werden, könnte das Neubaugebiet nicht mehr als reines Wohngebiet ausgewiesen werden. Denn die Schall-Emissionsgrenzwerte ließen nur noch eine Mischbebauung zu.

BESCHEID LIEGT ÖFFENTLICH AUS

KREIS GENEHMIGT WINDKRAFTANLAGE DER SEBBEL GMBH

Der Kreis Recklinghausen hat der von der Windenergie Sebbel GmbH & Co. KG beantragten Winkraftanlage eine Genehmigung erteilt. Die Gesellschaft plant eine Anlage vom Typ Vestas V 150 ( Nabenhöhe 166 m, Rotordurchmesser 150 m, Gesamthöhe 241 m) in Hullern.
  • Interessierte können innerhalb eines Monats nach Ablauf der Auslegungsfrist Klage gegen diesen Bescheid erheben. Die Klage ist gegen den Kreis Recklinghausen, vertreten durch den Landrat, Kurt-Schumacher-Allee 1, 45657 Recklinghausen zu richten und beim Verwaltungsgericht Gelsenkirchen, Bahnhofsvorplatz 3, 45879 Gelsenkirchen zu erheben.
  • Eine Ausfertigung des Bescheides und seiner Begründung liegt noch bis zum 2. März 2020 zur Einsicht im Bauamt der Stadt Haltern aus.
  • Zusätzlich ist der Bescheid auf der Internetseite des Kreises Recklinghausen online einsehbar.

Die Hullerner Ortsunion hat sich an die Stadt gewandt. Der Bau der Windenergieanlagen stehe in Widerspruch zur politisch gewünschten Ortsentwicklung, heißt es in dem Schreiben. Gefordert werde daher ein Mindestabstand von 1500 Metern.

Kritik auch von Ratsfraktionen

Die Halterner Ratsfraktionen von SPD und CDU indes plädieren für die Zurückstellung des Bauantrags des Bremer Windenergie-Unternehmens Antrup. Dieser durchkreuze möglicherweise auch die Pläne der Stadt zur Einrichtung von Windvorrangzonen, befürchten beide Fraktionen.

Die Stadt hat mit einem Beschlussentwurf reagiert. Darin beantragt sie beim Kreis ebenfalls die Zurückstellung des Genehmigungsantrags. Zugleich versagt die Stadt ihr gemeindliches Einvernehmen mit den Windkraft-Plänen. Befürchtet werden unumkehrbare „wohnbauliche und immisionsschutzrechtliche Belange“. Der Rat der Stadt wird am 12. März über diesen Entwurf entscheiden.

Vorsichtiger Optimismus

Carmen Stüer und Hubertus Möllers sind optimistisch. Die Politik habe reagiert, sagen sie. „Man darf hoffen, dass die Windkraft-Pläne in dieser Form nicht umgesetzt werden“, erklärt Carmen Stüer. Dass der Flächennutzungsplan jetzt zügig und konsequent zuende gebracht wird, fordert derweil Hubertus Möllers: „Es müssen endlich klare Verhältnisse geschaffen werden.“

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