Suchtberater warnt vor Verharmlosung von Cannabis

Hasch-Gesetz

Die Bundestagsfraktion der Grünen wirbt für eine Freigabe von Cannabis. Die Partei legte nun einen entsprechenden Gesetzentwurf vor. Bis Ende des Monats soll er in den Bundestag eingebracht werden. Redakteur Daniel Winkelkotte hat sich bei der Suchtberatung der Halterner Caritas zu dem Thema informiert.

HALTERN

, 07.03.2015 / Lesedauer: 3 min
Suchtberater warnt vor Verharmlosung von Cannabis

Cannabis sollte - wenn es nach den Grünen im Landtag geht - legalisiert werden. Der Halterner Suchtberater Hartmut Giese ist dagegen.

Mit dem 71 Seiten langen „Entwurf eines Cannabiskontrollgesetzes (CannKG)“ will man die Abgabe von Cannabis-Produkten wie Haschisch und Marihuana regulieren, den Konsum entkriminalisieren und gleichzeitig den Jugendschutz stärken. Ziel des Gesetzes sei zudem „das Herausholen von Cannabis aus den Händen der organisierten Kriminalität“, heißt es. Alle vier Jahre soll das Gesetz evaluiert werden, so die Grünen. Hartmut Giese (Foto), Suchtberater beim Caritasverband Haltern, warnt vor einer Verharmlosung der Droge.

Herr Giese, wie stehen sie zu dem Vorstoß der Grünen?

Eine Legalisierung ändert nichts daran, dass der Konsum von Cannabis gefährliche Auswirkungen wie Sucht, Psychosen und Entwicklungsstörungen verursachen kann. Die unmittelbaren Folgen des Konsums von Cannabis sind in erster Linie psychischer Natur. Eine Gefahr, die gerade von jungen Menschen häufig unterschätzt wird.

Sie sind also eher gegen eine Legalisierung?

Ja, weil sich Risiken und Probleme, die die Substanz mit sich bringt, bei einer Legalisierung nicht in Luft auflösen. Verbote signalisieren potenziellen Erstkonsumenten, dass sie etwas Ungesetzliches tun, eine Freigabe hingegen könnte als Unbedenklichkeitssiegel missverstanden werden. Das könnte als Signal aufgefasst werden, das Cannabis gar nicht so gefährlich ist. Eine Verharmlosung der Rauschdroge ist jedoch nicht angebracht.

Könnte eine Legalisierung aber vielleicht auch Vorteile mit sich bringen?

Möglicherweise. Ich kenne den Gesetzentwurf der Grünen noch nicht im Detail. Der Jugendschutz könnte unter Umständen wirksamer greifen, wenn Cannabis nur unter kontrollierten Umständen verkauft werden darf. Damit wäre zudem dem illegalen Schwarzmarkt der Boden entzogen. Der Staat könnte die Mengen und die Qualität kontrollieren.

Das erweist sich derzeit als Problem?

Ja, unter den Bedingungen des Schwarzmarkts scheren sich viele Händler nicht um die Qualität des Cannabis, noch interessieren sie sich für das Alter des Käufers oder dessen Konsumgewohnheiten. Dabei ist es beim THC, dem Wirkstoffgehalt der Droge, in der Vergangenheit zu einem drastischen Anstieg gekommen.

Ist Cannabis-Konsum bei uns in Haltern am See überhaupt ein Problem?

Durchaus. Seit einigen Jahren haben wir häufiger mit Konsumenten von Cannabis zu tun. Insgesamt haben wir im vergangenen Jahr 184 Menschen, die uns zu mindestens zwei Gesprächen aufgesucht haben, betreut. 18 von ihnen, darunter 16 Männer und zwei Frauen, haben Cannabis-Konsum als Hauptgrund für ihren Besuch angegeben.

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