Taufbecken Silbersee

Sythen Endlose, leere Sandflächen - und mittendrin eine kleine Menschengruppe. Auf Decken sitzend lauschen sie zwei Gitarristen und einem Trommler.

08.07.2007, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Assoziation mit einem Picknick drängt sich auf. Doch ein typisches Picknick kann es nicht sein, schließlich sieht man auch einen jungen Mann, der einen Bibelvers verliest und erläutert. Das wiederum tut er in Jeans und Hemd.

Die Lösung des Rätsels: Anhänger der "Epic Church" haben sich am Samstag am Silbersee versammelt, um zwei Taufen vorzunehmen. "Epic Church" - dabei handelt es sich um eine junge Freikirche aus Münster. Menschen, vorwiegend im Alter zwischen 20 und 40, die ihre eigene Art gefunden haben, an Gott zu glauben. Orientierungspunkt ist die Bibel und doch läuft vieles anders ab als in der evangelischen oder katholischen Kirche. Das fängt schon bei der Taufe an. "Wir taufen nur Menschen, die sich bewusst dazu entschließen", erläutert Pastor Stefan Lingott. "Deswegen findet die Zeremonie auch in der Regel im Erwachsenenalter statt."

Vor der idyllischen Strandkulisse geht Lingott in einer kurzen Ansprache auf den Sinn der Taufe ein. Sie sei ein öffentliches Bekenntnis zu einem Leben mit Jesus. Anschließend stellen sich die beiden Täuflinge, die 30-jährige Kati Petrich und die 27-jährige Anna Smit, zusammen mit ihren beiden Taufpatinnen vor die versammelte Gemeinde und erzählen über sich. "Eine neue Stadt, keine Menschen, die ich kenne", so schildert Petrich ihre Gefühle, als sie vor einigen Jahren alleine nach Münster zog. Bei der Epic Church habe sie ein Zuhause gefunden. Anna ist mit 18 Jahren aus Russland emigriert, hat einen Monat vor der Auswanderung bereits eine christliche Taufe kurzfristig abgesagt.

Party am Strand

"Das Leben ist wie eine Straße - ich möchte sie weiter mit Gott begehen", fasst sie ihren Entschluss zusammen, die Zeremonie jetzt bei der Epic Church nachzuholen. "Cool", kommentiert Lingott und die Gemeinde klatscht. Und dann ist es soweit: Plötzlich strömen mehrere Menschen in voller Bekleidung in die Fluten. Das Wasser steht dem Pastor und seinen Täuflingen schon bis zum Bauch, als er die finalen Worte spricht. Und dann geht alles ganz schnell: Untertauchen, Auftauchen, laute Jubelschreie. Und anschließend Party am Strand bis in den späten Abend. Leonid Sirotin

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