Ulrike Burgart (3.v.l) und Monique de Haas (5.v.l) begleiteten die Bewohner des Ernst-Lossa-Hauses beim Einkauf im Nettomarkt am Nordwall. Vom stellvertretenden Marktleiter Jan Brosseit (r) und seinem Team werden die Kunden geschätzt. Innenaufnahmen waren wegen der Corona-Pandemie nicht gestattet. © Silvia Wiethoff
Inklusion

Teilhabe: Willkommen für behinderte Menschen im Nettomarkt in Haltern

Wie funktioniert die gelebte Teilhabe von behinderten Menschen in unserer Gesellschaft? Der Einkauf von Bewohnern des Ernst-Lossa-Hauses im Nettomarkt in Haltern ist Beispiel dafür.

Horst braucht neue Gummibärchen. Birgit sucht ihre bevorzugte Würstchensorte. Der Einkauf im Nettomarkt am Nordwall in Haltern ist nicht spektakulär. Allerdings ist es gerade das Alltägliche, dass ihn zu etwas Besonderem macht. Horst und Birgit sind Bewohner zweier Gruppen im Ernst-Lossa-Haus an der Adalbert-Stifter-Straße in Haltern.

Jeden Donnerstagnachmittag erledigt eine Gruppe der Einrichtung in Begleitung einen Einkauf beim Discounter. Die Netto-Mitarbeiter und die Menschen aus dem Halterner Behindertenwohnhaus kennen und akzeptieren sich. „Sie sind bei uns sehr gern gesehen“, sagt Jan Brosseit, stellvertretender Marktleiter. Seit sieben Jahren ist er in Haltern beschäftigt und deshalb mit den Kunden aus dem Ernst-Lossa-Haus vertraut.

Den Kunden so akzeptieren, wie er ist

„Das Kassenpersonal hier ist geduldig und hilft auch schon mal mit, wenn einer unserer Bewohner Probleme beim Bezahlen hat. Ich habe an der Kasse mehr Stress als alle anderen“, sagt Ulrike Burgart, Mitarbeiterin im Ernst-Lossa-Haus, die am Donnerstag die Gruppe beim Ausflug zum Discounter begleitet. Oft mache Netto auch eine Kasse mehr auf, um allen Kunden einen entspannten Einkauf zu ermöglichen, berichtet Katja Bergjürgen, die ebenfalls im Ernst-Lossa-Haus beschäftigt ist.

Dieses wöchentliche Miteinander sei ein gutes Beispiel für funktionierende Teilhabe und Inklusion. An der übrigens auch die anderen Kunden im Nettomarkt beteiligt sind, denn auch sie kennen die Bewohnergruppe aus der Halterner Behinderteneinrichtung und bleiben gelassen, wenn es in einem Gang mal vorübergehend kein Weiterkommen gibt.

Am Donnerstag (21. Oktober) haben Horst, Birgit und Co. übrigens nicht nur für den ganz persönlichen Bedarf eingekauft. Jeden Mittwoch sucht ein Bewohner einer der zwei Wohnstättengruppen ein Gericht aus, dessen Zutaten donnerstags eingekauft und freitags zubereitet werden. Diesmal standen Gyros und Pommes sowie Nudeln-Bolognese auf dem Einkaufszettel.

Für die Bewohner des Ernst-Lossa-Hauses ist der wöchentliche Einkauf auch eine willkommene Abwechslung, die einige während des langen Corona-Lockdowns schmerzlich vermisst haben. Dieser Aspekt ist in der öffentlichen Wahrnehmung nahezu untergegangen. „Es war schwer zu erklären, warum so viele Dinge nicht stattfinden konnten“, berichtet Ulrike Burgart. Die Rückkehr in die Normalität habe viele Bewohner sehr gefreut.

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Redaktion Haltern
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Silvia Wiethoff