Telefonseelsorge hat rund um die Uhr ein offenes Ohr

Auch an den Feiertagen

Nachts, wenn man Zeit hat, in sich zu gehen, erscheinen Probleme oft riesengroß. Aber mit wem soll man reden, wenn um 3 Uhr Einsamkeit, Schmerzen oder Sorgen den Schlaf rauben? Mit der Telefonseelsorge! Seit 18 Jahren engagiert sich Gisela Potisch aus Hullern für die Institution.

HALTERN

von Von Elke Rüdiger

, 26.12.2011, 15:08 Uhr / Lesedauer: 3 min
Gisela Potisch ist ehrenamtlich bei der Telefonseelsorge tätig.

Gisela Potisch ist ehrenamtlich bei der Telefonseelsorge tätig.

Die Rufnummer der Telefonseelsorge (TS) 0800-111 0 111 oder -222 ist bundesweit einheitlich und kostenfrei, auch für die TS Recklinghausen. Die Anrufe bleiben anonym. Die Mitarbeiter sind zur Verschwiegenheit verpflichtet. Die meisten Anrufer sind zwischen 40 und 49 Jahre alt. Grundsätzlich sind jedoch alle Altersgruppen vertreten. Jüngere schätzen den direkten Chat-Kontakt (seit 2008) im Internet. Im Chat sind mehr als die Hälfte der Ratsuchenden jünger als 30 Jahre. In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl der Gespräche mit Menschen mit psychischen Problemen vervierfacht. Sehr viele der jährlich rund 18 000 Anrufe kommen von Menschen, die vorzeitig durch Arbeitslosigkeit oder Frühverrentung aus dem Berufsleben ausgeschieden sind. Mitarbeiter der Telefonseelsorge werden sorgfältig für ihre Aufgabe ausgesucht, umfassend aus- und ständig fortgebildet. Der Förderverein unterstützt die Fort- und Weiterbildung der Telefonseelsorger, Tel. (02361) 27898.

Rund um die Uhr im Schichtwechsel nehmen die etwa 90 haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter die Anrufe entgegen. Die Ehrenamtlichen stecken viel Zeit in ihr Engagement: zwei Drittel von ihnen zehn bis 19 Stunden im Monat, ein Viertel sogar bis zu 29 Stunden. Und vorher lassen sie sich anderthalb Jahre ausbilden. 18 Jahre lang engagiert sich Gisela Potisch für die TS Recklinghausen. Dreimal im Monat drei Stunden und in sechs Nachtschichten übers Jahr verteilt nimmt sie die Anrufe entgegen.

Nichts von dem, was gesagt wird, verlässt den Raum – und darauf verlassen sich im Kreisgebiet rund 18.000 Menschen pro Jahr. Das TS-Zimmer kennen nur die Mitarbeiter von innen, für alle anderen ist es tabu. Mehr oder wenig zufällig „an den Job gekommen“, beschert er ihr heute Erfüllung. „Ehrenamt war schon immer mein Ding. Und als sie 1978 Mitarbeiter suchten, meldete ich mich.“ Sie ist immer noch dabei und hofft, dass sie noch lange helfen darf. „Denn ich nehme vieles für mich mit!“ Sie fühle sich im Team sehr wohl und engagiere sich auch deshalb so gerne, „weil bei der TS die Weiterbildung in allen Bereichen, aber auch eine Supervision und sehr gute Begleitung in der ehrenamtlichen Arbeit stattfindet.“

Die Anrufer sind Männer wie Frauen aller Altersklassen und Schichten, überwiegend aus dem Kreisgebiet, per Handy sogar deutschlandweit. Die Gesprächsthemen haben sich in den vergangenen Jahren verlagert: Tag und Nacht stehen immer häufiger psychische Erkrankungen im Vordergrund. Aber Einsamkeit, Probleme in der Partnerschaft und mit den Kindern, Schwierigkeiten am Arbeitsplatz, schwere Erkrankung im Alter, sogar Selbstmordabsichten sind weitere wichtige Themen. Viele rufen auch einfach nur an, weil sie sich einsam fühlen und mit jemandem reden möchten. Die Gespräche dauern 20 bis 30 Minuten, eine Stunde – das ist keine Seltenheit. „Das ist nicht wichtig. Wir nehmen uns die Zeit. Wir hören zu.“ Es gibt keinen Wecker, der klingelt und sagt „Zeit ist ausgereizt.“ Wer gerade am Apparat sitzt, hat für alle ein offenes Ohr. Es geht nicht immer ernst zu, manche wollen einfach nur reden, aber oft fühlen sich die Anrufer in einer tiefen Krise. Das zehrt. Und dafür muss man gewappnet sein. Man muss in sich ausgeglichen sein, frei.Irgendwie sei es so, als hänge man seinen Mantel an einen Kleiderständer. Und wenn man geht, ist es ähnlich. Regelmäßig finden aber auch Treffen statt, in denen die Telefonseelsorger über das sprechen können, was sie belastet und was sie erleben. „Das nimmt die Schwere ’raus“, sagt Gisela Potisch. Gespräche, die erfolgreich verlaufen, bleiben besonders gut in Erinnerung, aus ihnen schöpft sie Kraft für die weitere Arbeit. „Mir tut es richtig gut, wenn jemand sagt: Danke, dass Sie zugehört haben, das hat mir gut getan‘.“ Gisela Potisch ist eine der 90 ehrenamtlichen Mitarbeiter der Telefonseelsorge Recklinghausen. Die 61-jährige Hullernerin ist für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig, deshalb durfte sie mit der Redaktion über ihre Arbeit reden. Bei ihren anderen ehrenamtlichen Einsätzen, vor allem in der Gemeinde-Arbeit, bleibt sie lieber im Hintergrund. Die Telefonseelsorge Recklinghausen sucht Frauen und Männer zwischen 25 und 60 Jahren, die sich zu ehrenamtlichen Mitarbeitern ausbilden lassen wollen.

Die Rufnummer der Telefonseelsorge (TS) 0800-111 0 111 oder -222 ist bundesweit einheitlich und kostenfrei, auch für die TS Recklinghausen. Die Anrufe bleiben anonym. Die Mitarbeiter sind zur Verschwiegenheit verpflichtet. Die meisten Anrufer sind zwischen 40 und 49 Jahre alt. Grundsätzlich sind jedoch alle Altersgruppen vertreten. Jüngere schätzen den direkten Chat-Kontakt (seit 2008) im Internet. Im Chat sind mehr als die Hälfte der Ratsuchenden jünger als 30 Jahre. In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl der Gespräche mit Menschen mit psychischen Problemen vervierfacht. Sehr viele der jährlich rund 18 000 Anrufe kommen von Menschen, die vorzeitig durch Arbeitslosigkeit oder Frühverrentung aus dem Berufsleben ausgeschieden sind. Mitarbeiter der Telefonseelsorge werden sorgfältig für ihre Aufgabe ausgesucht, umfassend aus- und ständig fortgebildet. Der Förderverein unterstützt die Fort- und Weiterbildung der Telefonseelsorger, Tel. (02361) 27898.

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