Peter und Annett Doliner haben Ja zueinander gesagt. Allein, nur Standesbeamtin Nicole Stüer war dabei. Warum haben sie ausgerechnet in diesen schwierigen Zeiten geheiratet? „Aus Liebe!“

Haltern

, 02.04.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Halterner Standesbeamte haben in diesem Jahr bislang 19 Paare getraut, weitere 115 Trauungen sind angemeldet. Weil derzeit wegen der Corona-Pandemie weitere Entwicklungen allerdings nicht absehbar sind, nimmt die Stadt derzeit keine Termine mehr an.

Heiraten ist im Gegensatz zu sonst eine einsame (Herzens-)Angelegenheit geworden: Derzeit gilt in Haltern wie in allen Kreisstädten: Das Paar ist mit dem Standesbeamten allein im Trauzimmer.

So wie Peter und Annett Doliner (53 und 50 Jahre), die ihren besonderen Tag eigentlich ganz anders geplant hatten. Peter Doliner hatte seiner Annett im Oktober letzten Jahres den Antrag gemacht, Gründonnerstag (9. April) wollten die beiden mit 50 Familienmitgliedern und Freunden ihre Hochzeit feiern.

In der Zweisamkeit einen wertvollen Tag genossen

Dann kam Corona und mit dem Virus war von heute auf morgen nichts mehr normal. „Wir hatten plötzlich Bedenken. Würden wir im April überhaupt noch aufs Standesamt gehen können?“, erzählt Peter Doliner, warum er im Rathaus anrief und um den nächstmöglichen Trau-Termin bat. Das war der 27. März.

Standesbeamtin Nicole Stüer empfing das Paar oben im Alten Rathaus, unten warteten nach der Besiegelung des Eheversprechens in gebotenem Abstand die fünf Kinder des Paares. Sie spielten zur Überraschung von Peter und Annett Doliner Videogrüße an das Brautpaar ab. „Alle haben an uns gedacht, das hat uns sehr gefreut“, erzählt Peter Doliner. „Wir hatten trotz der Einschränkungen einen sehr wertvollen Tag und haben ihn in der Zweisamkeit genossen.“ In einem Jahr wollen Peter und Annett Doliner die Feier nachholen und hoffen, dass bis dahin die Krise überwunden ist. Ihre Flitterwochen verbringen sie nun in Hessen, im Jagdrevier von Peter Doliner.

Empfehlung des Innenministeriums

Im Internet ist eine Vollmacht hinterlegt

Im Standesamt selbst, so hat es jetzt die Verwaltung auch auf dringende Empfehlung des NRW-Innenministeriums festgelegt, kann für eine Hochzeit nur noch das Brautpaar selbst erscheinen, um die Anzahl der beteiligten Personen zu reduzieren. Im Internet ist zudem jetzt eine Vollmacht hinterlegt, mit der sich Interessierte schriftlich anmelden können. Sie ist zu finden unter www.haltern-am-see.de/ Stichwort Eheschließungen. Wer mit dem Standesamt Kontakt aufnehmen möchte, kann dort unter diesen Telefonnummern anrufen: 02364 933-166, -167 und -168, Mail: standesamt@haltern.de.

In den Halterner Kirchen sind Traugottesdienste erst einmal verschoben - oder abgesagt. So hatten in der evangelischen Kirchengemeinde 20 Paare um eine kirchliche Trauung gebeten. Sieben haben inzwischen abgesagt - wegen Corona, aber auch aus familiären Gründen, weil ein Baby unterwegs ist oder das neue Haus nicht rechtzeitig fertig wird. „Bis Mitte Mai wird es in der Erlöserkirche keine Hochzeitsgottesdienste geben“, sagt Pfarrer Karl Henschel, danach müsse man abwarten, ob die Maßnahmen wegen der Corona-Pandemie gelockert werden könnten. Pfarrer Karl Henschel sieht im Verschieben der Termine auf 2021 und einem dann gefüllten Terminkalender jedenfalls kein Problem: „Das kriegen wir hin.“

In der katholischen Pfarrei waren 30 Trauungen angemeldet, Paare, die Planungssicherheit haben wollen, verschieben ihre Hochzeiten auf Herbst oder auf das Jahr 2021. „Wir sind auf jeden Fall für die Paare da, sind flexibel und werden Probleme im Sinne der Brautpaare lösen“, verspricht Pfarrer Michael Ostholthoff. Der Vorteil der Pfarrei sei, dass viele Kirchen zur Verfügung stünden und gleichzeitige Trauungen an Freitagen oder Samstagen ohne Weiteres möglich seien.

160 Mitarbeiter sind vorübergehend in Kurzarbeit

Die Sorgen in der Gastronomie sind umso größer. In Halterns neuer Hochzeitslocation Seeblick in der Stadtmühlenbucht steht alles still. Carsten Knepper (Geschäftsführer Suberg & Knepper Gastronomiegesellschaft) sagt das so: „Da auch unserer Hauptbetrieb, das Ruhrfestspielhaus, auch seit dem 13. März geschlossen ist, stehen wir bei Umsatz Null.“ Die 160 Mitarbeiter sind alle auf Kurzarbeit gesetzt. Die Hoffnung ruhe nun auf dem Hilfsprogramm der Bundesregierung.

Der Seeblick in der Stadtmühlenbucht ist ein beliebter Ort für Hochzeitsfeiern.

Der Seeblick in der Stadtmühlenbucht ist ein beliebter Ort für Hochzeitsfeiern. Zurzeit stehen auch hier die Zeit still. © Animation: Suberg's

Die Nervosität sei, so Carsten Knepper, auch bei den Gästen zu spüren. „Wir werden immer wieder gefragt, wann es denn weitergeht“, schildert er aus seinem Alltag. „Diese Fragen kann ich natürlich nicht beantworten, da es keiner kann.“

Die Geschäftsführer Suberg und Knepper haben alle Veranstaltungen auf einen Ausweichtermin verschoben. Wer dann nicht in den Seeblick kann, wechselt ins Ruhrfestspielhaus. „Die Gäste sind erst einmal glücklich darüber“, sagt Carsten Knepper. Die Verschiebungen, Anfragen und Buchungen für 2021 laufen gerade auf Hochtouren.

Carsten Knepper ist froh, dass in dieser prekären Lage Banken, Brauereien, Hauseigentümer, Finanzämter oder Lieferanten beispielsweise sich zur Zeit alle auf Stundungen, Mietverzichte oder Umsatzpacht-Erlasse eingelassen haben. „Dadurch gewinnen wir etwas Luft.“

Marianne Teltrop: „Wir drücken uns allen die Daumen“

Marianne Teltrop (Haus Teltrop in Lippramsdorf) ergeht es ebenso wie allen Gastronomen. Bis Mitte Juni sind alle Familienfeiern abgesagt, darunter auch vier Hochzeiten sowie Geburtstagsfeiern. Marianne und Uli Teltrop versuchen dennoch, optimistisch zu bleiben: “Mal sehen wie es weitergeht, wir drücken uns allen die Daumen.“

Im Schloss Sythen ruhen alle Veranstaltungen, auch Hochzeitstermine wurden abgesagt.

Im Schloss Sythen ruhen alle Veranstaltungen, auch Hochzeitstermine wurden abgesagt. © Kevin Kindel

Absagen nahm auch der Förderverein Schloss Sythen entgegen. Vorsitzende Christine Baumeister-Henning bedauert das vor allem für die, die ihrem glücklichsten Tag des Lebens entgegen fieberten: „Wie schade für die Brautpaare, wird doch eine Hochzeit oft von langer Hand und mit viel Aufwand geplant.“ Seit März sind auch alle anderen Feiern abgesagt. So brechen für den Förderverein die Einnahmen weg. Das bringt ihn in die Bredouille. „Denn wir müssen gleichzeitig eine große Reparatur durchführen, die einige tausend Euro kosten wird, aber unaufschiebbar ist“, erläutert Christine Baumeister-Henning.

Hoffnung, trotz allem. Für Peter und Annett Doliner war es gerade in diesen extremen Zeiten wichtig, die Liebe und den gewissen Augenblick zu feiern.

Lesen Sie jetzt