Trotz neuer Belüftung: Erneut massives Fischsterben in der Zwischenstever

rnZu wenig Sauerstoff

Es sind Bilder, die traurig machen. In der Oberstever zwischen der Hullerner und Halterner Talsperre ist das Wasser umgekippt. Erneut verenden zahlreiche Fische auf qualvolle Weise.

Haltern

, 19.08.2020, 17:23 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Es ist eine Tragödie und das zum wiederholten Mal“, sagen Barbara Bonner und Renate Berg. Schockiert blicken die beiden Anwohnerinnen auf die zahlreichen verendeten Fische, die sich an verschiedenen Stellen im Uferbereich der Zwischenstever angesammelt haben. Weitere tote Fische - darunter auch Raubfische wie Zander, Barsche, Hechte und Welse - treiben mitten im Fluss kopfüber im Wasser. Es stinkt. Das Wasser ist trüb, nahezu milchig. Ein schmieriger Film hat sich auf der Oberfläche des Gewässers gebildet. „Das ist doch kein Fluss, sondern eine Kloake“, ärgert sich ein weiterer Anwohner.

Renate Berg (l.) und Barbara Bonner ärgern sich über das massive Fischsterben vor ihrer Haustür.

Renate Berg (l.) und Barbara Bonner ärgern sich über das massive Fischsterben vor ihrer Haustür. © Winkelkotte

Einige Fische, das nehmen auch die vorbeilaufenden Spaziergänger wahr, ringen noch nach Luft. Sie versuchen offensichtlich davon zu profitieren, dass sich an der Oberfläche Luftsauerstoff im Wasser löst. „Wenn die Sauerstoffkonzentration aber so sinkt, hilft es nicht mehr. Auch diese Fische werden in Kürze qualvoll ersticken. Wir sind es leid, hier muss endlich was passieren“, sind sich die Anwohner einig. Sie kennen ähnliche Situationen in der rund 1,5 Kilometer langen Zwischenstever zwischen der Talsperre Hullern und der Talsperre Haltern bereits aus der Vergangenheit. Es ist nicht das erste Mal, dass es hier zu einem massiven Fischsterben kommt.

Diese Wels ist qualvoll erstickt, wie die aufgespreizten Kiemendeckel zeigen.

Diese Wels ist qualvoll erstickt, wie die aufgespreizten Kiemendeckel zeigen. © Winkelkotte

Belüftungsanlagen bringen nicht die erwartete Leistung

Erst kürzlich hatte die Stadt Haltern und die Gelsenwasser AG für rund 10.000 Euro vier Belüftungsanlagen installieren lassen, um den heimischen Fischen das Überleben zu sichern. „Die Belüftungsroboter wurden nahe der Wehranlage zur Halterner Talsperre platziert und waren zuletzt auch dauerhaft in Betrieb. Das bringt offenbar aber nichts. Das ist Schadensbegrenzung, aber keine nachhaltige Lösung für dieses sensible Ökosystem“, so die Anwohner.

Die Gelsenwasser AG meldete sich am Mittwochnachmittag mit einer Pressemitteilung zu Wort. Wie in den letzten trockenen Sommern entnehme man in Abstimmung mit der Unteren Wasserbehörde des Kreises Coesfeld Wasser aus dem Dortmund-Ems-Kanal bei Senden seit dem 10. August 43.000 Kubikmeter täglich. „Das stützt das Wasseraufkommen und damit das Ökosystem in der oberen Stever, die im weiteren Verlauf die Talsperre Hullern speist“, heißt es.

Ein toter Zander

Auch dieser kleine Zander liegt verendet am Ufer. © Winkelkotte

Und weiter: „Seit Ende letzter Woche sinken die Sauerstoffgehalte in der oberen Stever, der Talsperre Hullern und der Zwischenstever dennoch deutlich.“ Gelsenwasser-Mitarbeiter müssten daher kleinere Mengen verendeter Fische aus der Zwischenstever bergen – zwischen 1 und 10 Kilogramm täglich. Mitarbeiter der Stadt unterstützen den Einsatz, wie Halterns Stadtsprecher Georg Bockey mitteilt.

Deutlich wärmeres Wasser als 2019, niedriger Sauerstoffgehalt

Magnus Meckelburg, Leiter des Halterner Wasserwerks: „Das Steverwasser hat in der Spitze eine Temperatur um 25 Grad Celsius. Das sind nochmal 1,5 bis 2 Grad Celsius mehr als im letzten August. Der Sauerstoffgehalt liegt nur noch bei 2 Milligramm pro Liter oder sogar darunter. Die Starkregenereignisse der letzten Tage haben die Situation bei Hullern aber auch im Oberlauf der Stever vermutlich deutlich verschlechtert.“ Sie hätten Abschwemmungen von Ufern und Feldern verursacht, die die Trübung und Sauerstoffzehrung vergrößern. „Das können die Belüftungsanlagen nicht ausgleichen.“

Abgestimmt mit der Unteren Wasserbehörde hat Gelsenwasser deshalb die Zuspeisung aus dem Kanal bei Senden in die Stever auf 100.000 Kubikmeter täglich erhöht – das ziele auf eine Erhöhung des Steverdurchflusses und damit auf einen steigenden Sauerstoffgehalt in der oberen Stever und der Talsperre Hullern. Aktuell werde geprüft, ob eine weitere Belüftung der Zwischenstever nahe der Überleitung aus der Talsperre Hullern „sinnvoll und möglich“ ist.

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