Trotz vieler Grippemeldungen: Grippesaison in Haltern nicht so dramatisch wie im Vorjahr

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Die Grippewelle ist vorbei. In dieser Saison gab es deutlich höhere Fallzahlen im Kreis Recklinghausen als noch vor zwei Jahren. Ein Erklärungsversuch.

Haltern

, 21.04.2019, 05:02 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Grippesaison ist für dieses Jahr überstanden. Insgesamt ist die Zahl der akuten Atemwegserkrankungen auf dem Rückmarsch, heißt es im aktuellen Wochenbericht der Arbeitsgemeinschaft Influenza. Ein Blick in den Kreis Recklinghausen aber zeigt: In diesem Jahr gab es fast so viele Grippefälle wie in der Grippe-Hochsaison von 2017 auf 2018.

Fast drei Mal so viele Fälle im Kreis wie 2016/2017

807 Fälle wurden dem Landeszentrum Gesundheit Nordrhein-Westfalen (LZG.NRW) in der Saison 2018/2019 (Anfang Oktober bis heute) bisher im Kreis Recklinghausen gemeldet. Das sind 179 Fälle weniger als noch in der Grippe-Hochsaison von 2017 auf 2018 (986 Fälle), aber fast drei Mal so viele Fälle wie im Jahr zuvor. Auf Städteebene werden die Zahlen nicht erhoben, sodass unklar ist, wie viele Grippefälle es in Haltern gab.

„Wir hatten in dieser Saison 20 Prozent weniger Grippefälle als im letzten Jahr“, sagt Hans Vogelsang, Leiter des Bereiches Infektionsschutz beim Kreis Recklinghausen. Warum die Zahl in diesem Jahr allerdings höher sei als noch vor zwei Jahren, das hänge immer vom Einzelfall ab und sei nicht immer ganz klar. Eine mögliche Erklärung: das Untersuchungsverhalten der Ärzte. „Wenn Ärzte mehr Abstriche machen, dann haben Sie auch mehr Meldungen“, sagt Vogelsang. Denn die Laborbefunde und die Ergebnisse von Influenza-Schnelltests seien meldepflichtig.

Anders sehe es aus, wenn ein Patient mit Grippesymptomen in eine Arztpraxis komme, aber kein Abstrich gemacht werde. „Wenn ein Arzt meint, es könnte ein Grippefall sein, dann ist das nicht meldepflichtig“, so Vogelsang. Somit bleibe die tatsächliche Zahl der Grippefälle immer ungenau. Auch die Zahlen des Robert-Koch-Institutes seien immer Hochrechnungen.

Lage im Sixtus-Hospital nicht so dramatisch wie im Vorjahr

Diese Vermutung, dass mehr getestet wurde, hat auch Dr. Lars Heining, Leiter der Pneumologie am St.-Sixtus-Hospital: „Es kann sein, dass die Ärtze wegen der schlechten Erfahrungen des Vorjahres jetzt eher Schnelltests durchführen.“ Im St.-Sixtus-Hospital habe es einige Influenza-Fälle gegeben, allerdings sei die Lage bei weitem nicht so dramatsich gewesen wie in der Saison 2017/2018. Damals mussten wegen der Influenzaviren einige Stationen des Krankenhauses schließen, so Heining.

Auch schwere Verläufe, mit etwa Lungenversagen, habe es in dieser Saison nicht gegeben. Heining plädiert vor allem dafür, dass sich Personal in medizinischen Einrichtungen wie Krankenhäusern oder Pflegeeinrichtungen impfen lässt. So empfiehlt es auch die Ständige Impfkommission (Stiko). „Solche Einrichtungen haben viel Kontakt mit Patienten und Publikum. Naturgemäß sind viele Patienten infiziert und sind Träger, ohne dass sie es merken, weil die Influenza nicht ausbricht.“ Zwar sei die Impfquote in Krankenhäusern höher als in der normalen Bevölkerung, bei 100 Prozent liege man aber noch nicht, auch wenn man in diesem Bereich schon sehr aktiv gewesen sei, so Heining.

  • Die Arbeitsgemeinschaft Influenza ist an das Robert-Koch-Institut angesiedelt und beobachtet die Entwicklung und Ausbreitung von Atemwegserkrankungen in Deutschland.
  • Ein Blick auf die Bundesebene zeigt: Gab es in der Saison 2017/2018 insgesamt 324.416 gemeldete Influenza-Fälle, war es in dieser Saison mit bis dato 174.833 Fällen fast die Hälfte.
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