Dieter Abt und Nils Wörmann betrachten die Reste des eingestürzten Windrades. Mit Hilfe eines Krans werden die 24 Tonnen schweren Betonplatten abgetragen. © Schrief
Windrad-Einsturz

Ungebetene Gäste am eingestürzten Halterner Windrad – Black Box gefunden

Dieter Abt hat den Aufbau des Windrades in der Hohen Mark begleitet. Jetzt ist er wieder da und sammelt die Trümmer auf. „So etwas habe ich noch erlebt!“ Indes wurde die Black Box gefunden.

Blauer Himmel, Sonnenschein und am Boden ein Hauch von Wind. Es könnte eine Idylle mitten in der Hohen Mark sein, ist es aber nicht. Oben, in etwas über 40 Metern Höhe, steht Nils Wörmann in einem Korb, um eine Traverse an eine der 24 Tonnen schweren Betonplatten anzubringen. Der Schwierigkeitsgrad ist kaum zu toppen: An der Spitze des Turmfragmentes weht der Wind heftig, er ist eine große Herausforderung für den Bauleiter der Firma Wörmann.

Der Mitarbeiter wirkt neben den Giganten - Kran und zerbrochenen Windradteilen - wie eine Miniatur.
Der Mitarbeiter wirkt neben den Giganten – Kran und zerbrochenen Windradteilen – wie eine Miniatur. © Schrief © Schrief

Der Korb hängt an einem 250-Tonnen-Autokran, den Dieter Abt, Betriebsleiter der Kranfirma Hofmann, und sein Team aus Paderborn mitgebracht haben. Auftrag ist, die noch stehenden Betonteile, von denen sich eines gefährlich geneigt hat, zu beseitigen. Denn für die Gutachter ist das Betreten der Unglücksstelle sonst zu gefährlich. Dieter Abt war im vergangenen Jahr dabei, als der Windradturm aufgebaut wurde. Nie hätte er geahnt, dass er so schnell zu dieser Baustelle zurückkehren würde, um nun mitzuhelfen, die Trümmer einzusammeln. „Vor 15 Jahren haben wir in Augsburg den ersten Turm dieser Bauart aufgebaut. Der steht immer noch.“ Etwa 150 baugleiche Türme gebe es in Deutschland. „So etwas wie hier habe ich noch nie erlebt“, sagt er im Gespräch mit der Halterner Zeitung.

Nils Wörmann konstruierte eigens ein Werkzeug

Nils Wörmann kennt Haltern ebenfalls. Als im vergangenen Jahr der Flügel eines Windrades an der Bundesstraße 58 zerbarst, war er mit seiner Ausrüstung und Fachkompetenz auch vor Ort. Das Team Wörmann aus dem ostwestfälischen Schloß Holte-Stukenbrock hat sich unter anderem auf den Abbau von Windenergieanlagen spezialisiert.

Nils Wörmann und ein Mitarbeiter hängen in ihrem Korb am Haken des tonnenschweren Autokrans. Sie brachten die Klammer an einer Betonplatte an.
Nils Wörmann und ein Mitarbeiter hängen in ihrem Korb am Haken des tonnenschweren Autokrans. Sie brachten die Klammer an einer Betonplatte an. © Schrief © Schrief

Die Traverse – eine Art Klammer – hat Nils Wörmann am Wochenende in seiner Werkstatt noch konstruiert und geschweißt. Mit ihrer Hilfe wird die ungefährlichste Betonplatten an der Spitze vom Kran nach außen gezogen. „Entweder gibt es eine Kettenreaktion und alles fällt zusammen oder wir müssen jede Platte für sich abgreifen“, erklärt Nils Wörmann. Wenn die Reste des am 29. September eingestürzten Windrades der Windenergiegesellschaft Windpark AV 9 (RAG Montan Immobilien/Stadtwerke) beseitigt sind und die Gutachter ihre Arbeit erledigt haben, werden die Fundamente gesprengt und jedes Teil der Anlage umweltgerecht entsorgt.

Das Betreten der Unglücksstelle ist streng verboten

Dirk Schneider, Technischer Leiter der Stadtwerke Haltern, beobachtete die ersten Arbeiten. Er war auch dabei, als vorab eine Industriedrohne die Einsturzstelle überflog und genau jedes Trümmerteilchen erfasste.

Der 12 mal 4 Meter große Maschinenraum der Anlage ist (versteckt hinter einem Flügel) in den Boden eingeschlagen. Ob Schmierstoffe ausgetreten sind, ist noch unklar.
Der 12 mal 4 Meter große Maschinenraum der Anlage ist (versteckt hinter einem Flügel) in den Boden eingeschlagen. Ob Schmierstoffe ausgetreten sind, ist noch unklar. © Schrief © Schrief

Sicherheitskräfte sind Tag und Nacht an der Unglücksstelle, um Schaulustige vom Betreten abzuhalten. Am Wochenende seien sehr viele Menschen gekommen, leider auch Schrotthändler, die für sie Verwertbares suchen wollten. „Es besteht Lebensgefahr. Das Betreten der abgezäunten Stelle ist strengstens verboten“, betont Dirk Schneider.

Erste Gutachter waren nach Auskunft von Windenergie-Anlagenbauer Nordex direkt nach dem Einsturz vor Ort. „Auf Basis bereits erstellter Drohnennaufnahmen haben wir in Absprache mit Behörden und Versicherungen die Unfallstelle weiter gesichert, um umfassende Analyse-Aktivitäten vor Ort zu ermöglichen“, erklärt ein Firmensprecher. Auch habe Nordex die „Bottom Box“, in der ähnlich wie in einer „Black Box“ bei Flugzeugen wichtige Anlagendaten gespeichert sind, bereits lokalisiert.

Frühestens Mitte der Woche könnten Experten mit der detaillierten Analyse der Turmsegmente und Rotorblätter beginnen und die „Bottom Box“ geborgen werden. Entsprechend lägen Nordex noch keine weiteren Erkenntnisse zur Ursache der Havarie vor. Man müsse davon ausgehen, dass die Analyse einige Zeit in Anspruch nehmen werde.

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Elisabeth Schrief