„Unsere Gesellschaft braucht das Menschliche“

Petra Willemsen (Linke)

Petra Willemsen ist erst vor drei Jahren in die Politik gekommen, weil bei einer Diskussion in der Familie jemand sagte: „Da kann man doch nichts machen.“ Jetzt vertritt die 58-Jährige ihre Partei im Dattelner Stadtrat, ist Fraktions- und Stadtverbandsvorsitzende von 16 Mitgliedern in Datteln, außerdem Beisitzerin im Kreisvorstand der Partei.

HALTERN

18.09.2017, 14:50 Uhr / Lesedauer: 2 min
„Unsere Gesellschaft braucht das Menschliche“

Petra Willemsen aus Datteln tritt für die Linke im Halterner Wahlkreis zur Bundestagswahl an.

Das bin ich privat:

Meine Familie, meine drei Kinder und meine Freunde sind mein größtes Hobby, außerdem kümmere ich mich gerne um den Garten. „My home is my castle“, also mein Heim ist mein Schloss. Mein Steckenpferd war immer die Psychologie, also hab ich vor vielen Jahren die Arbeit als Frisörmeisterin aufgegeben und bin jetzt psychologische Beraterin. Haltern am See ist die einzige Stadt des Wahlkreises, in der ich nie gewohnt habe – aber Haltern mit seiner unbeschreiblichen Landschaft ist für mich die Stadt, in die ich fahre, um mich zu erholen.

Diese drei Ziele möchte ich für Haltern am See erreichen:

Für mich ist ganz wichtig, dass Haltern schuldenfrei wird. Das will unsere Partei durch einen Altschuldenfonds erreichen, in dem maßgeblich Bund und Land beteiligt sind. Und für die Gesetze, die der Bund erlässt, muss er auch selbst zahlen. Personalabbau finde ich unsäglich traurig, das geht in die falsche Richtung. Es ist genug Geld da, die Frage ist nur wo. Außerdem möchte ich durch eine Förderung der Stadtteile den Tourismus stärken. Man sollte sie aufhübschen, damit Gäste sich auch dort wohlfühlen. Drittens möchte ich die Kleinbetriebe in der Landwirtschaft stärken, weg von der Massentierhaltung und Kleinbauern fördern.

Hier hat meine Partei unrecht:

Da habe ich lange überlegt. Beim Thema E-Autos gehen wir nicht weit genug. Sie sind nicht so umweltschonend, wie es uns plausibel gemacht werden soll. Man braucht Kraftwerke, um den Strom zu erzeugen und die Batterien sind dermaßen umweltschädlich in Herstellung und Entsorgung. Ich bin da für noch neuere Technologien – ich bevorzuge die Wasserstofftechnik. Aus dem Auspuff kommt dabei Wasserdampf. Das ist zwar noch nicht ausgereift, aber es gibt erste Modelle. Und ich denke, hier sollten wir Deutschen Vorreiter werden, statt stehenzubleiben.

So werbe ich um Stimmen:

Neben der Plakatwerbung bin ich vor Ort, bei Infoständen und ich werde, je nachdem wie ich es zeitlich schaffe, auch noch von Haus zu Haus gehen. Mich einfach persönlich vorstellen. Das finde ich immer am besten. Das ist schwierig und da werde ich die eine oder andere Watsche bekommen, aber es ist wichtig. Viele Leute haben ein falsches Bild von „den Linken“. An einem Stand wurden wir mal beschimpft, dass wir mit Vermögen der SED (Einheitspartei der DDR) arbeiten würden. Man muss eine Beziehung erreichen, um Vorurteile aus der Welt zu schaffen. Das Menschliche ist das, was unsere Gesellschaft am dringendsten braucht.

Petra Willemsen wurde am 12. Mai 1959 in Gelsenkirchen geboren und ist Psychologische Beraterin.

 

 

Dafür sollte der Bund kein Geld mehr ausgeben:

Ganz klar für die Bereiche Rüstung und Militär. Der Einfluss der Waffenlobbyisten ist viel zu groß. In den Wirtschaftskriegen geht es um Bodenschätze, Öl und Gas. Die Machthaber, die nicht damit einverstanden sind, dass man sie wirtschaftlich nutzt, werden entsorgt. In einer Talkshow habe ich im Fernsehen einen US-amerikanischen Diplomaten gesehen, der sagte: „Der Einmarsch in den Irak war halt ein Fehler.“ Wissen Sie, was das an Leid und Terrorismus produziert hat? Diese Dinge lassen mich fassungslos dastehen.

Mein Traumjob in der Bundesregierung:

Wie wahrscheinlich ist es, dass wir eine Mehrheit bekommen? Theoretisch gesprochen: Hauptsache, ich hätte einen Job, in dem ich mich für die Menschenrechte und für die Würde der Menschen einsetzen kann. Wo das ist, ist mir völlig gleichgültig. Ich würde dahin gehen, wo ich gebraucht werde. Und man muss sich immer treu bleiben und sich selbst im Spiegel angucken können.

Zurück zur Übersicht:

Lesen Sie jetzt