Verbände stellen sich vor Praxisteams: „Sie machen einen großartigen Job“

rnCorona-Krise

Medizinische Fachangestellte und Ärzte auch aus Haltern hatten kürzlich über ihre belastende Arbeitssituation sowie gereizte Patienten berichtet. Jetzt haben einige Fachverbände reagiert.

Haltern

, 18.11.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Hausärzteverband Westfalen-Lippe und die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) haben den Einsatz der Praxisteams im Kampf gegen die Corona-Pandemie gewürdigt und die Bevölkerung um Rücksichtnahme gebeten.

„Die Corona-Pandemie stellt die Teams in den Hausarztpraxen aktuell vor große Herausforderungen“, teilte der Hausärzteverband jetzt mit.

Die Teams organisierten Infektionssprechstunden, Coronatests und Grippeimpfungen, seien die ersten Ansprechpartner für verunsicherte Patienten, sicherten die hausärztliche Versorgung und müssten sich auf ständig wechselnde Rahmenbedingungen im Hinblick auf Testvorgaben und Abrechnungsformalitäten einstellen. „Die Medizinischen Fachangestellten sowie die Hausärztinnen und Hausärzte arbeiten seit Monaten am Limit – und sie machen einen großartigen Job“, hieß es.

Belastende Abeitssituation in Arztpraxen

In den vergangenen Wochen hatten sich Medizinische Fachangestellte und Ärzte auch in Haltern zu Wort gemeldet und die belastende Situation in den Arztpraxen unter anderem aufgrund von Corona-Krise, Impf-Engpässen und unzufriedenen Patienten hingewiesen. Mit einem Brief an diverse öffentliche Stellen hatte auch eine MFA aus Marl große Aufmerksamkeit auf sich gezogen.

Im Kampf gegen die Corona-Pandemie stehe das Praxisteam in der ersten Reihe und bilde „den Schutzwall, der unser Gesundheitssystem entlastet“, sagt Anke Richter-Scheer, Vorsitzende des Hausärzteverbandes Westfalen-Lippe.

Zusätzlich zum hohen organisatorischen Aufwand und der großen Arbeitsbelastung der letzten Monate bekämen insbesondere die Medizinischen Fachangestellten und die Versorgungsassistentinnen in der Hausarztpraxis (VERAH) am Empfangstresen unmittelbar die Unsicherheiten, die Ängste und oft auch den Frust der Patienten zu spüren.

Verband setzt ein Zeichen mit Plakat-Aktion

Mit einer Plakat-Aktion und Anzeigenkampagne will der Hausärzteverband öffentlich ein Zeichen setzen, die große Einsatzbereitschaft des Personals würdigen und Danke sagen. „Sie geben 100 Prozent, um gemeinsam mit den Hausärztinnen und Hausärzten die bestmögliche Versorgung der Patienten bei größtmöglicher Sicherheit zu gewährleisten“, sagt Anke Richter-Scheer. Sie ruft zu gegenseitiger Rücksichtnahme auf.

„Viele Medizinische Fachangestellte sind mittlerweile am Limit“

Auch Dr. Dirk Spelmeyer, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL), äußerte lobende Worte. „Sie stehen hier an vorderster Front. Sie organisieren, koordinieren, erklären. Sie halten den Praxisbetrieb am Laufen in einer Zeit, in der sich die gesetzlichen Vorgaben nahezu wöchentlich ändern.“ Leider bekämen die Praxisteams aber den Frust vieler Bürger über die aktuelle Situation ungefiltert zu spüren - „weil beispielsweise die Telefonleitung besetzt ist oder weil es keinen Wunsch-Coronatest gibt“.

Nach Angaben von Hannelore König, Präsidentin des Verbandes medizinischer Fachberufe e.V., belaste auch das erhöhte Infektionsrisiko. „Viele Medizinische Fachangestellte sind mittlerweile am Limit.“ Spelmeyer spricht sich für mehr Wertschätzung gegenüber den Praxis-Mitarbeitern aus. Es könne nicht immer alles reibungslos laufen. „Aber anstelle von Frustration, Angst und Aggression sind Verständnis, Umsicht und Rücksichtnahme die Gebote der Stunde.“

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