Verkehrschaos wirkt nach - Haben Ordnungsamt und Polizei richtig kontrolliert?

rnVerkehrschaos am Hitzewochenende

Das bisher heißeste Wochenende Ende Juni in Haltern erhitzt noch immer die Gemüter. Im Rat entbrennt ein Streit über das Ausmaß der Kontrollen.

Sythen

, 08.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Wie sehr die Verkehrssituation am Silbersee die Anwohner im Lehmbraken am bisher heißesten Sonntag (30. Juni) brachte Heinrich Wiengarten (SPD) am Donnerstag mit in die Ratssitzung. Die Seitenstreifen der Nebenstraßen wie Wellenbogen und Kämpchenheide seien zugeparkt gewesen. Zufahrten zu Grundstücken seien behindert worden.

Er machte sich dafür stark, dass die Stadt das Geschehen im Rahmen ihrer Ordnungspartnerschaft mit der Polizei aufarbeitet. Die Lehmbrakener seien mit der bisherigen Regelung, zu der Anwohnerparkplätze und Absperrungen gehören, zufrieden. Das Ordnungsamt habe aber keine Kontrollen in den kleineren Straßen durchgeführt und sich auf die Sythener Straße und die Münster Straße konzentriert.

Badegäste des Silbersees sparten sich die Parkgebühren

Dadurch hätten viele Badegäste die Gelegenheit genutzt, ihre Fahrzeuge an den Nebenstraßen kostenlos abzustellen. Auf dem Silbersee-Parkplatz und den Ausweichparkplätzen hätten die Besucher dagegen eine Gebühr entrichten müssen.

Dem Vorwurf, die Nebenstraßen vernachlässigt zu haben, widersprach Bürgermeister Klimpel am Freitag. „Meine Leute vom Ordnungnsamt haben allein am Wellenbogen am Sonntag 36 Knöllchen geschrieben“, sagte er am Freitag in einem Telefonat mit der Redaktion.

Er bezeichnete den Beitrag von Heinrich Wiengarten im Stadtrat als „reine Politnummer“. Insgesamt seien im Stadtgebiet 700 Knöllchen geschrieben worden. Die Stadtverwaltung habe getan, was sie konnte. Wenn wie am Sonntag 30.000 Gäste in die Stadt strömten, sei die Lage kaum in den Griff zu bekommen.

Bürgermeister fordert mehr Hilfen vom Land

Hier fühlt sich Halterns Bürgermeister vom Land im Stich gelassen, denn es sei schließlich auch möglich, regelmäßig eine Hundertschaft der Polizei in Marsch zu setzen, um ein Bundesligaspiel abzusichern.

Zu chaotischen Zuständen auf den Straßen kam es auch am Freibad Sythen, wo der Parkplatz am Mosskamp schon sehr früh belegt war. Die Polizei ließ hier am Nachmittag zwei Kennzeichen ausrufen, weil die Fahrzugführer ihre Autos verkehrswidrig in einer Kurve abgestellt hatten.

In der Rückschau zeigt die Kommunikation an diesem heißen Ausnahmetag, wie sehr die Nerven blank lagen. Die ehrenamtlichen Kassenfrauen, die Sonntag im Einsatz waren, fühlten sich von den Polizeibeamten aufgefordert, auf das verkehrsgerechte Parken der Badegäste zu achten. „Das ist nicht unsere Aufgabe“, erklärten sie.

Auch am Freibad Sythen herrschte Verkehrschaos

Heinrich Wiengarten,Vorsitzender des Vereins Freibad Sythen, berichtete im Rat über das Geschehen. Am Sonntag hätten das Sythener Bad 2000 Gäste besucht. Das sei für das ehrenamtliche Kassenteam ein harter Job gewesen, der nicht noch mehr belastet werden dürfe.

Aus Sicht der Polizei hat es beim Beratungsgespräch vor Ort keinerlei Missstimmung gegeben. Die Atmosphäre sei freundlich und kooperativ gewesen. Man habe auch lediglich den Tipp gegeben, Fahrzeuge auszurufen, die beispielsweise einen Behindertenparkplatz oder eine Feuerwehreinfahrt zustellen.

Kommentar

Es ist, als ob eine Schallplatte einen Sprung hat und die Nadel immer wieder an der gleichen Stelle abgesetzt wird. Nach jedem heißen Wochenende ist die Aufregung aufgrund der Verkehrssituation an den Halterner Seen und Freibädern groß - und das seit Jahren. Schuldzuweisungen werden ausgetauscht. Dann kühlen die Gemüter genauso wie die Temperaturen wieder ab und das Problem scheint vergessen. Bis zum nächsten heißen Sommertag. Zu modernen Lösungen, die nicht nur das Ordnungsamt und die Polizei in der Pflicht sehen, könnten ein Parkleitsystem, noch mehr Shuttlebusse oder eine HandyApp mit Infos zur aktuellen Lage in Haltern gehören.

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