Vermeintlicher Dolmetscher mit peinlichem Auftritt

Flüchtling vor Gericht

Mit einem peinlichen Dolmetscher-Auftritt ist am Landgericht Essen am Mittwoch der Prozess um einen Messerangriff in der Flüchtlingsunterkunft am Lorenkamp fortgesetzt worden. Der Mann war kaum zu verstehen.

HALTERN/ESSEN

27.04.2017, 16:50 Uhr / Lesedauer: 1 min
Vermeintlicher Dolmetscher mit peinlichem Auftritt

Das Foto zeigt den Angeklagten neben seinem Verteidiger Volker Schröder.

Der Dolmetscher für die Tigrinysche Sprache hatte kaum Platz genommen, da fing es auch schon an. Als die Richter den 71-Jährigen nach seinem Alter fragten, verstand fast jeder im Saal eine andere Zahl. Und als er seinen früheren Beruf angeben sollte, war er praktisch gar nicht mehr zu verstehen.

Rund 30 Jahre ist der Mann, der als Gabelstaplerfahrer gearbeitet hat, schon in Deutschland. Warum ausgerechnet er von der Polizei als Dolmetscher ausgewählt worden ist, ist unklar. Der 71-Jährige hatte nach eigenen Angaben keinerlei Gerichtserfahrung.

Falsche Übersetzung?

Seine Übersetzung hat allerdings dazu geführt, dass sich der nun angeklagte Flüchtling aus Eritrea wegen versuchten Totschlags zu verantworten hat.

„Bevor der mich tötet, bringe ich den lieber selbst um. Ich wollte ihm in den Bauch stechen.“ Diese Sätze soll der Angeklagte damals bei der Polizei gesagt haben. So steht es in den Protokollen. Aber war es auch so? Im Prozess will der 24-Jährige davon auf jeden Fall nichts wissen. „Das habe ich so nicht gesagt“, beteuerte er. Das müsse falsch übersetzt worden sein.

Vorwurf: Mitbewohner mit Messer verletzt

Auch wenn dieser Vorwurf vor Gericht häufiger auftaucht, könnte diesmal etwas dran sein. Nach Angaben des Angeklagten habe er nur mit dem Messer herumgefuchtelt, um sich zu verteidigen.

Dem 34-Jährigen wird vorgeworfen, im Januar 2016 einen Mitbewohner mit einem Messer angegriffen und leicht verletzt zu haben. Auslöser war der Alkoholkonsum des orthodoxen Christen, durch den sich seine muslimischen Nachbarn offenbar provoziert gefühlt haben.

Versuchter Totschlag oder doch nur gefährliche Körperverletzung? Das Urteil soll am Freitag (28. April) gesprochen werden.

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