Verseuchtes Grundwasser in Sythen: Kreis legt neue Ergebnisse vor

rnFolgen der Sprengstoffproduktion

Der Kreis Recklinghausen hat neue Daten zu Sythens verseuchtem Grundwasser vorgelegt. An 100 Messstellen im Ortsgebiet waren Proben entnommen worden.

Sythen

, 11.07.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht zu den hochgiftigen Wasag-Altlasten, die das Grundwasser in Sythen verseuchen. Die schlechte zuerst: Für die rund 1300 Sythener Haushalte, die vom Nutzungsverbot für Grundwasser betroffen sind, wird sich auch künftig nichts ändern. Sie müssen sich weiterhin nach dem Verbot des Kreises Recklinghausen richten, nachdem das belastete Grundwasser noch nicht einmal für das Autowaschen benutzt werden darf. „Jede Entnahme von Grundwasser im Grundwassernutzungsverbotsbereich ist nach wie vor untersagt“, erklärte Kreis-Sprecherin Lena Heimers auf Anfrage.

Verbotszone wird nicht ausgeweitet

Bei allen Einschränkungen für die Sythener Bevölkerung kann der Kreis aber auch vermelden: „Das Grundwassernutzungsverbot muss nicht ausgeweitet werden.“ Denn die Schadstofffahne bewegt sich nur sehr langsam. Das gehe aus den aktuellen Untersuchungsergebnissen der Behörde hervor.

Die Fahne bewegt sich Richtung Südosten, weiß Lena Heimers. Wie bereits mehrfach berichtet, sind die Grundwasserbelastungen Folge der damaligen Sprengstoffproduktion in der Geisheide in Haltern-Sythen. Auf dem ehemaligen Wasag-Gelände wurden Grundwasser und Böden vor allem im Ersten und im Zweiten Weltkrieg durch sprengstofftypische und krebserregende Verbindungen belastet. Die Schadstoffe breiteten sich in Richtung Süden außerhalb der Betriebsgrenze aus. Seitdem wandern sie langsam Richtung Halterner Stausee, etwa 30 Meter pro Jahr, schätzt der Kreis.

Proben an 100 Messstellen entnommen

Anfang dieses Jahres waren nach Angaben der Sprecherin an 100 Messstellen Grundwasserproben in unterschiedlichen Tiefen genommen worden. Diese Untersuchung werde einmal im Jahr durchgeführt, hieß es. Nach dem aktuellen Ergebnis, das jetzt vorliegt, ist die Schadstoffkonzentration in unmittelbarer Nähe zum ehemaligen Betriebsgelände und in der Kernzone Lehmbraken hoch. „In den Arealen, in denen das Grundwassernutzungsverbot darüber hinaus besteht, ist die Belastung moderat bis sehr gering“, erklärte Heimers.

Schadstofffahne reicht bis zum Mühlenbach

Getestet wird demnach auf 26 Einzelstoffe. „Fünf bis zehn treten regelmäßig auf“, so die Sprecherin. Darunter auch das krebserregende TNT (Trinitrotoluol). Bis hin zum Mühlenbach seien die Schadstoffe, wenn auch in geringen Spuren, nachgewiesen worden.

Damit das hochbelastete Grundwasser auf dem ehemaligen Wasag-Gelände nicht weiter „nach draußen“ dringen kann, wird es an der Grundstücksgrenze abgepumpt. Erst nach der Herausfilterung der Schadstoffe wird es zurückgeführt. Zudem wird das Grundwasser in zwei Becken mittels UV-Strahlen und Mikroben aufbereitet. Weitere Maßnahmen im Kampf gegen die Schadstoffe sind nach aktuellem Stand nicht geplant.

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