Viel Lob von Halterns Politikern für Kita im Wald, doch es gibt noch eine hohe Hürde

rnNaturkindergarten

Glücklich sein in einer Kita ohne Türen, Wände und Dach, „Glückspilze“ in Wald und Flur sein: Das möchten Eltern ihren Kindern ab Sommer ermöglichen. Eine Hürde ist aber noch zu nehmen.

Haltern

, 23.01.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Kleine und große „Glückspilze“ füllten den Sitzungssaal des Rathauses am Mittwochabend. Die einen warben im Ausschuss Generationen und Soziales für einen neuen Naturkindergarten in Haltern und dessen Anerkennung als Träger der freien Jugendhilfe, die anderen symbolisierten Rückendeckung.

Fünf Familien und eine Erzieherin entwickelten im September 2019 die Idee, eine neue Kita-Form in Haltern zu etablieren: Kinder sollen ganzjährig überwiegend draußen in der Natur spielen. Der Verein „Naturkindergarten Glückspilze Haltern am See“ ist inzwischen gegründet. Es gibt derzeit nur ein großes Problem.

Bei der Grundstücks-Suche bauen sich Hürden auf

Der Verein ist in der Konzeption schon ziemlich weit, aber etwas Entscheidendes fehlt: ein geeignetes Grundstück. Gesucht wird eine etwa 1000 Quadratmeter große Fläche in Waldrandlage, am besten erschlossen und mit öffentlichen Verkehrsmitteln und Fahrrad gut zu erreichen. Es gibt vielversprechende Angebote, die inzwischen auch das Jugendamt geprüft hat.

„Die beiden favorisierten Grundstücke liegen in planerischen Außenbereichen“, dämpfte Jugendamtsleiter Gisbert Drees im Ausschuss die Euphorie. Die Untere Naturschutzbehörde und der Landesbetrieb Wald und Holz müssten beteiligt und Ausgleichsmaßnahmen geschaffen werden. „Es gibt Hürden“, stellte Gisbert Drees klar. Aber das Jugendamt lässt die Elterninitiative nicht allein.

Naturkitas haben sich als Alternative bundesweit etabliert

Hannah Weber, Kristina Nickel, Stefanie Parzy und Anika Pirronello stellten im Ausschuss ausführlich ihr Konzept für den geplanten Naturkindergarten vor. Damit die Ausschuss-Mitglieder eine Vorstellung von einer solchen Kita entwickeln konnten, zeigten sie ergänzend einen kurzen Film aus Flensburg. Mittlerweile gibt es in Deutschland 1800 Natur-/Waldkindergärten. Sie haben sich als Alternative zu den herkömmlichen Kindergärten etabliert.

Viel Lob von Halterns Politikern für Kita im Wald, doch es gibt noch eine hohe Hürde

Die Elterninitiative „Naturkindergarten Glückspilze Haltern am See“ stellte sich und das Konzept der geplanten alternativen Kita im Ausschuss Generationen und Soziales vor. © Elisabeth Schrief

Das Besondere dieser Einrichtung ist, dass die Kinder den Tag zusammen mit ihren Erzieherinnen unter freiem Himmel verbringen - und das zu jeder Jahreszeit. Unterschlupf, so Kristina Nickel (2. Vorsitzende), sollen in Haltern zwei Bauwagen bieten. Darin ist Platz für Küchenzeile, Toilette, Kuschelecke, Schlafplätze, Tische und Bänke zum Basteln und Spielen. Spielt das Wetter so verrückt, sodass die Kinder nicht draußen sein können, werden sie in einem Schutzraum betreut. Dieser Raum (es könnte ein Pfarrheim beispielsweise sein) wird ebenfalls noch gesucht.

Das Konzept setzt auf eine aktive Mitwirkung der Eltern

Wichtig sind dem gemeinnützigen Verein ein hoher Personalschlüssel und eine gute Bezahlung der Erzieher. Drei bis vier Fach- beziehungsweise Ergänzungskräfte sowie ein Jahrespraktikant sollen die 20 Kinder (darunter vermutlich drei U-3-Kinder) während des Tages begleiten. Der Verein richtet darüber hinaus einen Springer-Pool auch aus Eltern ein, die notfalls bei Engpässen einspringen müssen. Überhaupt baut das Konzept auf eine aktive Mitwirkung der Eltern.

Die Kita soll von 7.30 bis 14.30 Uhr offen sein, nach einem Morgenkreis geht es ab 9.15 Uhr hinaus in den Wald. Gegen 12 Uhr kehren die „Glückspilze“ zur Basis zurück, um gemeinsam Mittag zu essen, zu ruhen oder zu spielen. Angeboten wird insgesamt ausschließlich eine Betreuung über 35 Wochenstunden. Ein Kita-Platz kostet pro Jahr 11.700 Euro; 96,6 Prozent der Betriebskosten werden nach dem Kibiz-Gesetz bezahlt, den Rest teilen sich Stadt, Eltern und (hoffentlich) Sponsoren.

Politiker wünschen dem Vorhaben gutes Gelingen

Die Politiker im Ausschuss begrüßten die Elterninitiative und brachten das mit Applaus und dem einstimmigen Beschluss auf Anerkennung als Träger der freien Jugendhilfe zum Ausdruck. Karl-Heinz Berse (Die Grünen) sprach von einer sinnvollen und spannenden Ergänzung der Halterner Kindergartenlandschaft: „Das ist ein sehr ehrgeiziges Projekt.“ Hiltrud Schlierkamp (CDU) wünschte gutes Gelingen bei der Umsetzung und auch Marlies Breuer (WGH) begrüßte das Vorhaben. Anne Feldmann (SPD) stärkte ebenfalls das Engagement: „Es ist phänomenal, was die Eltern in Angriff nehmen!“

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