Viele Radwege in Haltern fallen weg

Stadt muss nachbessern

Radfahrer müssen an einigen Straßen im Stadtgebiet, und zum Teil auch in den Ortsteilen, künftig ihr Fahrverhalten ändern. Denn: Von vielen Bürgern noch unbemerkt, hat die Stadt Schilder entfernt und stellenweise durch eine neue Beschilderung ersetzt. Mitunter mit einschneidenden Folgen - nicht nur für Radler.

HALTERN

, 02.02.2016, 16:55 Uhr / Lesedauer: 2 min
Diese Beschilderung am Nordwall sorgt dafür, dass Radfahrer auf dem Bürgersteig nur noch in Schritttempo fahren dürfen und auf die Fußgänger Rücksicht nehmen müssen. Wer schneller fahren will, muss auf die Straße.

Diese Beschilderung am Nordwall sorgt dafür, dass Radfahrer auf dem Bürgersteig nur noch in Schritttempo fahren dürfen und auf die Fußgänger Rücksicht nehmen müssen. Wer schneller fahren will, muss auf die Straße.

Unser Leser Rudolf Kleine-Bley hat uns als erster auf eine solche Änderung aufmerksam gemacht, die erst seit wenigen Tagen Bestand hat. "Sie betrifft Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger gleichermaßen", meint er. Das stimmt tatsächlich, wie die Stadt auf Anfrage unserer Redaktion bestätigt.

Das Fallbeispiel betrifft den Nordwall. Dort wurde ein Schild (Zeichen 241) abmontiert, das einen für Radfahrer und Fußgänger sogenannten "benutzungspflichtigen" Weg ausweist. Mit der Folge, dass beidseitig des Nordwalls der Bürgersteig nun als Fußweg ausgewiesen ist, der für Radfahrer freigegeben ist.

Fußgänger dürfen den ganzen Bürgersteig nutzen

Für die Radler bringt die Änderung ebenso mit sich, dass der auf dem Boden rot markierte Bereich nicht mehr alleiniger Fahrradweg ist. Fußgänger können nun die ganze Breite des Bürgersteigs nutzen. Radfahrer müssen die Geschwindigkeit auf Schritt-Tempo reduzieren und gegebenenfalls absteigen oder alternativ die Fahrbahn nutzen.

Sollten sich die Radfahrer dazu entscheiden, die Fahrbahn zu nutzen, müssen sich Kraftfahrer dem Tempo der Radfahrer solange anpassen, bis sie gefahrlos mit 1,50 Meter Abstand überholen können.

Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts

Warum musste die Stadt die Beschilderung ändern? "Die Bezirksregierung drängt uns, die vom Bundesverwaltungsgericht geforderten Leitlinien zur Radwegenutzung zügig umzusetzen", erklärt Stadtsprecher Georg Bockey die Maßnahme.

Das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts von 2010 besagt, dass eine sogenannte „Radwegebenutzungspflicht“ von den Städten nur noch angeordnet werden darf, wenn aufgrund der örtlichen Verhältnisse eine besondere Gefahrenlage besteht. Als weitere Beispiele nennt er die Straßen "Breitenweg", "Lavesumer Straße", "Hellweg" sowie Lehmbrakener-, Marler- und Antruper Straße.

Weitere Änderungen?

Und: Es drohen noch weitere Veränderungen. So soll, wahrscheinlich noch in diesem Jahr, eine "Radverkehrsschau" unter Beteiligung des Kreises, der Bezirksregierung, Polizei und des Ordnungsamtes durchgeführt werden, kündigte Ordnungsamtsmitarbeiter Holger Korf im Gespräch mit unserer Zeitung an.

An der Lavesumer Straße wird es, stadtauswärts außerhalb der geschlossenen Ortschaft, wohl keine Änderung geben. Korf: "Hier wäre die Gefährdung für Radler auf der Straße bei erlaubten 70 km/h einfach zu hoch." An Bundes- und Landstraßen würde es sich ähnlich verhalten.

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