Kann ich meine Physiotherapie noch durchführen? Arbeiten Logopäden noch? Wie handhaben Halterner Therapeuten die jetzige Situation? Wir haben nachgefragt.

Haltern

, 27.03.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Physiotherapeuten, Logopäden, Ergotherapeuten und Podologen - auch sie sind durch das Corona-Virus in einer Ausnahmesituation. Die Halterner Therapeuten gehen unterschiedlich mit der Situation um: Einige arbeiten weiter, andere schließen.

„Alle ärztlich verordneten Therapien führen wir weiterhin durch. Massagen natürlich nicht mehr, die werden aber sowieso nur sehr selten ärztlich verordnet“, sagt Physiotherapeut Mark Besten.

Andere Therapeuten haben aber ihre Praxen inzwischen geschlossen. Logopädin Birgit Eickelschulte hält ein Aufrechthalten des normalen Praxisbetriebs zurzeit für nicht mehr verantwortbar.

Mark Besten hat eine große Verunsicherung bei den Kunden festgestellt. „Viele rufen an und erkundigen sich, viele sagen aber auch pauschal alle Termine ab, einige Dauerpatienten habe sich sogar schon für das ganze Jahr abgemeldet.“

Das trifft die Praxis wirtschaftlich hart. „Wir werden in Kürze Kurzarbeit beantragen“, so Mark Besten. Er behandelt die Patienten, die weiter behandelt werden können und dürfen.

Therapie nach Schlaganfall oder Operation

„Natürlich ergreifen wir Schutzmaßnahmen. Wir tragen Atemschutzmasken, alle, auch die Patienten, desinfizieren sich vor der Therapie.“ In der Praxis werden auch Patienten mit medizinischen Indikationen nach Schlaganfall oder Operationen, mit Parkinson oder Osteoporose behandelt: Krankheitsbilder, bei denen die Therapie oft keinen Aufschub duldet. „Und wenn diese ärztlich verordnet ist, wird sie auch weiter durchgeführt“, so Mark Besten.

Das bestätigt auch Privat-Physiotherapeut Stefan Redemann. „Man braucht auch kein zusätzliches Attest. Allerdings entscheidet der Therapeut im Einzelfall, ob eine Therapie erforderlich ist oder nicht, das besprechen wir mit den Patienten, da kommt den Physiotherapeuten zurzeit einen größere Verantwortung zu.“

Ganz auf körperlichen Kontakt könne bei der Physiotherapie nicht verzichtet werden, sagt Mark Besten.

Den Vorschlag, Therapien per Video-Chat durchzuführen, hält er für kaum umsetzbar: „Dafür müssten die technischen Voraussetzungen aufseiten der Therapeuten und der Kunden vorhanden sein, das wird sich in vielen Fällen nicht realisieren lassen. Und für Investitionen in neue Technik ist derzeit sicher nicht der richtige Zeitpunkt.“

Atemschutzmasken und Desinfektionsmittel fehlen

Weitgehend heruntergefahren hat Ergotherapeutin Kerstin Schütze (Ergotherapie Haltern) ihre Praxisaktivitäten. „Ich habe inzwischen 90 Prozent Absagen, meine Mitarbeiter machen Urlaub bis Ende des Monats und gehen dann in Kurzarbeit“, sagt sie.

Behandlungen, die ärztlich verordnet sind, führt sie aber weiterhin durch. „Jetzt habe ich auch wieder Atemschutzmasken“, freut sich Kerstin Schütze. Sie erhielt ein Kontingent aus der Spenden der Firma Nelke an die Halterner Ärzte. Finanziell sieht sie trotzdem schweren Zeiten entgegen, denn die Therapeuten fallen nicht unter den finanziellen Rettungsschirm, den die Bundesregierung aufspannt.

„Zurzeit sind alle Mitarbeiter bereit, weiter zu arbeiten, dafür bin ich ihnen sehr dankbar“, sagt Christiane Schroer von der podologischen Praxis Schämann. „Man kann aber niemanden zwingen und auch nicht verantworten, komplett ohne Schutzmaßnahmen zu arbeiten.“

Logopädin Nina Wieck von der Praxis Nina Schwakenberg führt ebenfalls weiter Therapien durch. „Voraussetzung ist eine Heilmittelverordnung, dann werden Patienten auch behandelt“. Sie beachtet aber besondere Schutzmaßnahmen und hält die erforderlichen Abstände ein. „Mit Mundschutz zu arbeiten geht allerdings nicht, da es ja um Sprachtherapie geht.“

Bei der Logopädie kann nicht mit Mundschutz gearbeitet werden.

Bei der Logopädie kann nicht mit Mundschutz gearbeitet werden. © pa/obs dbl J. Tepass

„Wir werden im Stich gelassen“

Ihre Kollegin Birgit Eickelschulte von der Praxis für Sprachtherapie Tiemann sieht das anders. „Ich halte es für nicht mehr verantwortbar, weiter zu arbeiten“, sagt sie. „Wir haben deshalb gemeinsam im Team entschieden, unseren normalen Praxisbetrieb auszusetzen.“ Dringlich notwendige medizinische Fälle behandelt Birgit Eickelschulte aber weiter. „Dazu bin ich auch verpflichtet“, sagt sie.

Ein großes Problem sei das Fehlen von Schutzausrüstung. Atemschutzmasken und Desinfektionsmittel seien nicht mehr zu bekommen. Um die Gesundheit der Patienten und ihrer Mitarbeiter nicht zu gefährden, hat sich Eikelschulte zu diesem Schritt entschlossen.

Aus dem gleichen Grund schließt am Wochenende die Praxis für Physiotherapie in der ehemaligen Glashütte an der Recklinghäuser Straße. „Wir werden im Stich gelassen“, sagt Chef Martin Schulz. Das erforderliche Material ist nicht mehr zu bekommen.“ Er behandelt nur noch einige Schmerzpatienten und richtet dafür eine Notsprechstunde ein. Ansonsten wird die Praxis ab Samstag geschlossen. „Die meisten haben sowieso abgesagt, es kamen zuletzt nur noch etwa 30 Prozent.“

Geschlossen ist auch das Psychologische Beratungszentrum (PBZ) in Haltern. Auf seiner Homepage informiert das PBZ darüber, dass seit dem 23. März keine Beratungen in den Räumen mehr stattfinden. Montags bis donnerstags bleibt lediglich das Sekretariat zwischen 11 und 13 Uhr unter der Rufnummer (02364) 13200 erreichbar. In dringenden Fällen bietet das PBZ telefonische Beratungstermine an.

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