Volkstrauertag in Haltern: „Tun wir genug, um den Frieden zu wahren?“

Volkstrauertag

Halterner gedachten zum Volkstrauertag aller Menschen, die Opfer von Krieg, Gewalt und Vertreibung geworden sind. Dr. Andrea Rüdiger wandte sich mit einem besondern Appell an die Bürger.

Haltern, Hullern

, 17.11.2019, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Volkstrauertag in Haltern: „Tun wir genug, um den Frieden zu wahren?“

Baudezernentin Dr. Andrea Rüdiger hielt am Volkstrauertag die Rede am Mahnmal Hullern. Sie mahnte, Krieg, Hass und Gewalt niemals hinzunehmen, sondern stets und überall für unsere Werte einzutreten. © Juergen Patzke

In Haltern und den Ortsteilen versammelten sich am Wochenende Menschen an den Mahnmalen, um der Opfer von Krieg und Gewalt in der Vergangenheit wie in der Gegenwart zu gedenken. „Wir müssen uns heute gleichzeitig fragen, was wir für den Frieden und die Wahrung der Menschenrechte tun können“, sagte Baudezernentin Dr. Andrea Rüdiger bei der Gedenkstunde in Hullern.

Die Folgen wirken fort

In Haltern sprach Bürgermeister Bodo Klimpel. Hier verliehen Kolpingchor, Lavesumer Blasmusik und Mitglieder der Schützengilde der Gedenkstunde einen würdigen Rahmen. Bodo Klimpel erinnerte an die Opfer der Weltkriege, ebenso an die deutschen Soldaten, die auf Auslandseinsätzen gestorben sind, und auch jener Menschen, die durch die Kriege und Bürgerkriege unserer Zeit, durch Terroranschläge und politische Verfolgung umgekommen oder schwer traumatisiert sind.

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Volkstrauertag

Zum Volkstrauertag versammelten sich Bürger in Haltern und den Ortsteilen, um der Opfer von Krieg und Gewalt in Vergangenheit wie Gegenwart zu gedenken. So auch in Hullern, wo Feuerwehr, Schützen und der Kirchenchor der Gedenkstunde einen würdigen Rahmen gaben.
17.11.2019
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© Juergen Patzke
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„Auch die beiden Weltkriege sind noch nicht vorbei, weil die Waffen schweigen. Die Folgen wirken fort.“ Opfern der NS-Gewaltherrschaft in Deutschland und den okkupierten Ländern stehe bis heute deutlich vor Augen, was ihnen angetan worden sei. Und noch immer suchten Angehörige nach verschleppten Familienmitgliedern, immer noch würden Soldaten vermisst. Der Volkstrauertag sei ein Tag, an dem alle bekunden, dass niemand vergessen wolle, was damals geschehen sei. „Er macht bewusst, wie wertvoll Frieden und Freiheit, Demokratie und Mitmenschlichkeit heute ist.“

Das Gedächtnis ist kurz

In der Vergangenheit, so sagte Dr. Andrea Rüdiger in Hullern, sei viel Leid aufgearbeitet worden. „Doch wir erleben auch, dass das Gedächtnis der Menschheit für erduldete Leiden erstaunlich kurz ist.“ Die dunklen Seiten der Geschichte würden verdrängt und manchmal sogar beschönigt. „Deshalb sind Gedenktage wie der Volkstrauertag, die sich mit der Vergangenheit auseinandersetzen, sehr wichtig“, betonte Andrea Rüdiger.

Sie betrachtete in ihrer Rede auch die Gegenwart: Die Veränderung des politischen Klimas in Deutschland, das bedrohte Friedensprojekt Europa, die Hetze in sozialen Medien, die Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten und den Anschlag auf die Synagoge in Halle.

Der Angst entkommen

„Wir müssen uns fragen: Tun wir genug, um Frieden zu wahren und zu erreichen, um Gewalt zu stoppen und zu verhindern?“ Auf diese Frage antwortete Andrea Rüdiger mit einem Appell. Sich für Frieden und Verständigung einzusetzen, sei mühsam und langwierig. „Wir müssen aber der Logik der Angst entkommen und auf friedliche Kooperation setzen“, mahnte sie. Frieden und die Achtung der Menschenrechte kämen nicht von allein und blieben auch nicht von allein bestehen.

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