Vom Gläserschlepper zum Geschäftsführer: Ulrich Ruttert über’s Daddy

rnSerie „Old Daddy“

Sex, drugs & rock’n’roll: Das „Old Daddy“ prägte über Jahrzehnte die Partyszene in der Region. Mit einer Serie erinnern wir an die Discothek. Heute: Ehemaliger Geschäftsführer Ulrich Ruttert.

Haltern

, 20.11.2020, 07:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wann genau Ulrich Ruttert im Old Daddy angefangen hat zu arbeiten, weiß er nicht mehr so genau. Das war entweder 1979 oder 1980, erinnert er sich. Jedenfalls hat er bis 2004 im Schuppen gearbeitet. Fast 25 Jahre war er somit fester Bestandteil der Kult-Disco in Haltern.

„Ich bin da so reingerutscht“, sagt Ulrich Ruttert über seine Anfänge im Daddy. Der damals 20-Jährige hatte eine kleine Krise, keinen Job. Bekannte von ihm haben zu der Zeit angefangen, im Old Daddy zu arbeiten.

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Peter „Molle“ Hartwig und er waren in ihrer Jugend viel zusammen. Als Molle den Türsteher-Posten übernommen hat, hat Ruttert Maria Engel, die Frau des Inhabers, gefragt, ob er nicht auch im Daddy arbeiten könnte.

Mit den Toten Hosen im Old Daddy Tequila getrunken

Zu Beginn hat Ulrich Ruttert im Old Daddy an der Goldstraße gejobbt. „Als ganz normaler Gläsersammler“, sagt der heute 60-Jährige. Dann hat er sich langsam hochgearbeitet, immer wieder andere Jobs und Aufgaben übernommen. Bis er zuletzt drei Jahre als Geschäftsführer tätig war. „Wie der Tellerwäscher in Amerika“, sagt Ruttert und lacht mit seiner rauchigen Stimme ins Telefon.

Ein Foto aus alten Zeiten: Ulrich Ruttert steht links hinter der Theke.

Ein Foto aus alten Zeiten: Ulrich Ruttert steht links hinter der Theke. © Privat

Einer der besten Abende im Old Daddy war für Ruttert das Konzert mit den Toten Hosen. Davor haben noch zwei andere Punk-Rock-Bands gespielt. An die Namen der Vorgruppen erinnert sich Ulrich Ruttert nur noch vage. „Jedenfalls war das eines der besten Konzerte. Wir haben uns danach mit Campino und den anderen sowas von weggeschossen mit Tequila“, sagt Ruttert.

Partygäste versuchten immer wieder Verzehrkarten zu fälschen

Immer wieder für Ärger sorgten gefälschte Verzehrkarten, die die „Währung“ im Old Daddy waren. Die Gäste der Disco haben angefangen, diese zu kopieren, um sich somit eine günstige Partynacht zu erschleichen. „Ist wie mit Falschgeld“, sagt Ruttert.

Eine alte Verzehrkarte aus dem Daddy. Bei Verlust konnte es teuer werden.

Eine alte Verzehrkarte aus dem Daddy. Bei Verlust konnte es teuer werden. © Privat

Edgar Engel hat dann angefangen, die Verzehrkarten regelmäßig in verschiedenen Farben und Mustern rauszugeben, damit die Leute diese nicht mehr manipulieren konnten. „In Haltern wurde auch versucht, die Karten zu fälschen. Später hat sich das aber eingestellt“, sagt Ruttert.

Der jahrelange Inhaber Edgar Engel hat das Old Daddy über die Stadtgrenzen hinaus bekannt gemacht. „Er hat aus einem kleinen Laden ein Imperium geschaffen“, sagt Ulrich Ruttert.

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Seinen damaligen Chef hat der ehemalige Geschäftsführer gut in Erinnerung: „Edgar Engel war ein fairer Typ. Zwar ein bisschen durchgeknallt und knüppelhart, aber im Großen und Ganzen war er ein feiner Kerl.“

„Ich möchte die Zeit nicht missen“

Ulrich Ruttert blickt gerne auf seine Zeit im Old Daddy zurück. Nachdem er 2004 im Daddy aufgehört hat zu arbeiten, ist er Taxi gefahren. Mit einigen ehemaligen Mitarbeitern hat er noch heute guten Kontakt. Sie schreiben sich regelmäßig. „Wir waren wie so ne Clique“, sagt Ruttert über seine Kollegen. „Wir kannten uns alle gut, auch privat. Das ging Hand in Hand.“

Wenn einer mal einen schlechten Tag hatte, haben die anderen etwas mehr für ihn mitgearbeitet. „Es war ne schöne Zeit“, sagt der 60-Jährige rückblickend. „Ich war von Dienstag bis Samstag im Daddy, hatte meinen Spaß, es war aber auch anstrengend. Ich möchte die Zeit nicht missen.“

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