Von Liebeserklärungen und Trinkwasser in Tüten

Praktikum in Togo

„Woezõ loo“ heißt in der afrikanischen Sprache Ewe „Willkommen“. So begrüßt man sich in Togo. Die Halterner Schülerin Sophia Schniederjan hat drei Wochen Praktikum in dem westafrikanischen Land absolviert und erzählt von Liebeserklärungen vor Ort und Trinkwasser aus Tüten.

HALTERN

, 12.11.2016, 06:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Sophia Schniederjan verbrachte drei Wochen Praktikum beim Verein Avenir in Togo.

Sophia Schniederjan verbrachte drei Wochen Praktikum beim Verein Avenir in Togo.

Fürs erste Schüler-Praktikum gehen viele Jugendliche möglichst bequem gerade einmal in die Firma des Onkels oder den Supermarkt um die Ecke. Sophia Schniederjan ist dank des Lavesumer Vereins Avenir mehr als 5000 Kilometer von zu Hause weg gewesen. Eine Woche wurde sie vom Joseph-König-Gymnasium freigestellt, zwei Wochen Herbstferien wurden fürs Praktikum im Kindergarten geopfert.

„Ich habe mitgemacht, als wäre ich selbst ein Kindergartenkind“, erzählt die 16-Jährige. Zwar ist die togolesische Amtssprache Französisch, die Kinder sprachen aber nur Ewe – da sei es schwierig gewesen, den Kleinen Anweisungen zu geben. „Ich war für die Kinder auf jeden Fall aber sehr spannend“, sagt Sophia, helle Haut und blonde Haare. Sehr offen und liebenswürdig seien viele Togolesen ihr gegenüber gewesen – da sagt auch schon beim ersten Treffen mal jemand „Ich liebe dich“. Sophia fiel eben auf.

Was ihr als besonders fremd aufgefallen sei? Trinkwasser wurde in verschweißten Plastiktüten verkauft, überall lag Müll auf den holperigen Straßen. Keine Deckenlampen und kein fließend Wasser im Kindergarten: „Das Praktikum hat sich auf jeden Fall gelohnt“, sagt Sophia trotzdem, vom Kulturschock sogar regelrecht begeistert.

„Man lernt, was für uns alles selbstverständlich ist“, sagt die junge Frau: „Das mit dem Licht war manchmal etwas anstrengend, aber machbar.“ Wollte sie im Bett noch lesen, musste sie eben immer gleichzeitig eine Taschenlampe in der Hand halten. Kein Problem.

Google schlägt übrigens diese Route vor, falls jemand plant, mit dem Auto nach Togo zu fahren:

Den größten Eindruck hinterlassen hat aber anscheinend der Verkehr in der Hauptstadt Lomé, 1,2 Millionen Menschen leben dort. „Überall sind Motorräder, auch als Taxi“, erzählt Sophia: „Die Togolesen halten sich darauf gar nicht fest, auf diesen schlechten Straßen. Mir ist ein Rätsel, wie das geht.“

Die drei Wochen haben definitiv Eindruck hinterlassen. „Es war schon krass anders, aber nie so, dass ich Probleme gehabt hätte.“ Nur ein Job im Kindergarten, das hat die Elftklässlerin gemerkt, ist wohl nichts für sie. Aber ein Leben im Ausland? „Doch, das auf jeden Fall!“ Sophia möchte gerne Medizin studieren, und in Entwicklungsländern werde man mit so einer Ausbildung ja am stärksten gebraucht.

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