Vor 70 Jahren stürzte Sythener Sandbachbrücke ein

Hochwasser in Stockwiese

Ein unerwartetes Hochwasser scheint heute undenkbar. Sobald die Pegelstände der Gewässer steigen, werden diese engmaschig kontrolliert. Vor 70 Jahren schützte man sich kaum vor solchen Naturgewalten. Tagelanger Dauerregen sorgte sogar dafür, dass die Brücke über den Sandbach am Stockwieser Damm weggerissen wurde.

HALTERN

, 06.02.2016, 06:00 Uhr / Lesedauer: 1 min
Vor 70 Jahren stürzte Sythener Sandbachbrücke ein

Der Mühlenbach hat Haus Sythen überflutet. Im Wasser stehen (v.l.) der Diener Otto Thiele sowie Maria und Franz Lindenbaum.Archiv Wübbe

Dies geschah in den frühen Morgenstunden am 9. Februar 1946. So hat es sich Heimatforscher Walter Wübbe notiert. Glück im Unglück hatten an diesem Samstag Heinrich David und der ihn begleitende Junge Heinz Ruhnau. Sie wollten mit Pferd und Wagen Milch von den Bauernhöfen in der Stockwiese abholen. Kurz bevor das Gefährt die Brücke erreichte, brach diese zusammen.

Aus dem Schlaf gerissen eilte Bauer Bernhard Schlüter an den Sandbach, um mithilfe einer Laterne vor der Gefahrenstelle zu warnen. Wahrscheinlich hatte er das Getöse der zusammenbrechenden Brücke gehört, so Wübbe. Mindestens 40 Zentimeter hoch habe das Wasser im Schlüterschen Untergeschoss gestanden.

Mühle per Hand bedient

Drei Tage soll es wie aus Eimern gegossen haben. Der Müller hatte die Schütten an der Mühle nicht hochgezogen, die noch per Hand bedient wurden. Vermutlich weil Baumstämme und Äste das Aufziehen behinderten. So trat der Mühlenbach über die Ufer und die näher gelegenen Flächen wurden überschwemmt.

Für die Kinder in der Stockwiese fiel die Schule im Dorf Sythen nach dem Verlust der Brücke gleich für eine ganze Woche aus. Wer ins Dorf wollte, konnte dieses nur über den Weg über die Stadtmühle erreichen.

Notbrücke

Wenige Tage nachdem das Hochwasser zurückgegangen war, bauten die Stockwieser Bauern etwas ostwärts der alten Sandbachbrücke eine Notbrücke aus Holzplanken, die von Fußgängern, und natürlich auch von Kindern mit Schulranzen, genutzt werden konnte. Im März 1946 schließlich wurde unter Leitung von Hermann Mühlenbrock (Bergpeter) eine solide Holzbrücke für Fuhrwerke gebaut.

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