Lebendig und naturnah ist dieser Vorgarten eines Halterner Wohnhauses. Er ist eine Augenweide und eine willkommene Nektarquelle für Falter und Bienen. © Elisabeth Schrief
Tipps aus der Gärtnerei

Vorgärten in Haltern: So werden sie zum Konzertsaal für Bienen

Auch kleinste Vorgärten nutzen Wildbienen und anderen Insekten, wenn sie bepflanzt und nicht mit Schotter gestaltet sind. Zwei Halterner Gärtnermeister geben Tipps für ein lebendiges Refugium.

Der Garten vor der Tür gilt als Visitenkarte eines Hauses. Er verführt die Vorbeigehenden bestenfalls zum Bestaunen und heißt Besucher mit seiner Ausstrahlung freundlich willkommen. Wenn man die Gärtnermeister Stefan und Karsten Schwalvenberg aus Haltern-Hullern fragt, dann können schon 20 Quadratmeter zum Konzertsaal für summende Bienen werden. Ihre Empfehlung für den gelungenen Vorgarten lautet: lebhaft, natürlich, nützlich. „Zum Glück geht der Trend tatsächlich zurück zur Natur“, sagt Stefan Schwalvenberg. Schottersteine in Beete, manchmal in Kombination mit ausgewählten Solitärpflanzen, wirken trist und monoton. „Hier geht die Natur flöten, biologisch ist ein solcher Vorgarten tot.“

Karsten und Stefan Schwalvenberg freuen sich über das gestiegene Umweltbewusstsein von Gartenbesitzern. In den von den Behindertenwerkstätten Karthaus gefertigten Blumenkisten präsentieren sie Kräuter und Sommerblumen. © Schrief © Schrief

Schottergärten, erklären sie, sind keineswegs pflegeleicht und sehen nach zehn Jahren meist unansehnlich aus. Laub, Algen und Staub setzen sich fest. Hat sich genügend Substanz angesammelt, schleichen sich Unkräuter ein und beißen sich auf dem Steinbeet fest.

Der Auftakt mit Natternkopf und Nachtviole

Die Gärtnermeister haben wie alle, denen Klimaschutz am Herzen liegt, eine andere Idealvorstellung von der Gestaltung des Vorgartens: Ein naturnahes Beet, das für Wildbienen und Insekten durch wechselnde Blütenpracht reichlich Nektar liefert. Stefan und Karsten Schwalvenberg, die die 10.000 Quadratmeter große Gärtnerei inklusive Baumschule von ihren Eltern übernommen haben, sind sich einig: „Es ist dazu auch noch schön anzuschauen, wenn im Beet zu jeder Jahreszeit etwas blüht.“

Karsten Schwalvenberg empfiehlt als Bodendecker das Geranium. © Schrief © Schrief

Den Auftakt der Blütensaison könnten im Frühjahr der Natternkopf, die Nachtviole oder das Habichtskraut machen, dann könnten Fingerhut, Schafgarbe, Wiesen-Flockenblume oder Moschusmalve durch wildromantische Blütenpracht zur Höchstform finden, bis schließlich Blutweiderich oder Herzgespann den Herbst in warmen Farben ausleuchten. Karsten Schwalvenberg empfiehlt zusätzlich für ein lebhaftes Klima Bodendecker, Sträucher und Bäume wie Geranium, Flieder, Hisbiskus, Amberbaum, Blutjohannisbeere oder Säulenobst.

Was man braucht: Gute Pflanzen und richtiges Werkzeug

Stefan und Karsten Schwalvenberg geben gerne Hilfe, beraten zu Hause und in der Gärtnerei an der Hauptstraße in Hullern. Hier finden Kunden über das Jahr verteilt eine Million Blumen, Pflanzen und Gehölze aus eigener Produktion. Für die eigenhändige Arbeit im Vorgarten braucht der Hobbygärtner dann nur noch Spaten, Schüppe und Harke.

Dieser Vorgarten ist eine schöne Visitenkarte, er enthält neben kleinen Gehölzen Stauden für Bienen und Insekten. © Elisabeth Schrief © Elisabeth Schrief

In vielen Städten sind inzwischen Schottergärten verboten. In Haltern nicht. Die Partei Bündnis 90/Die Grünen stellten 2018 den Antrag, die Vorgarten-Gestaltung über eine Satzung zu regeln. Doch dafür fanden sie keine politische Mehrheit. Die CDU sah darin eine Bevormundung der Bürger und argumentierte, man brauche keine Vorgarten-Polizisten in grünen Uniformen. Auch die anderen Parteien wollten lieber den Hausbesitzern die Entscheidungsfreiheit überlassen. Die SPD vertraute darauf, dass Schottergärten schnell wieder aus der Mode kommen.

Rechtlich ist es durchaus möglich, im Bebauungsplan die Gestaltung von Vorgärten festzulegen und Schotter- oder Steingärten zu verbieten. Inzwischen hat auch in Haltern ein Umdenken eingesetzt. Im Rahmen des Klimaschutz- und Anpassungskonzeptes sollen Maßnahmen gegen Kies- und Schottergärten ergriffen werden, um dem Artenschwund und dem Biodiversitätsverlust entgegenzuwirken. Bauherren und Architekten sollen schon bei der Einreichung einer Bauvoranfrage oder eines Bauantrages motiviert werden, ihre Planung bezüglich der Gartengestaltung zu optimieren.

Agnes von Kopp-Colomb, eine engagierte Hobbygärtnerin, schrieb kürzlich an die Halterner Zeitung: „Wir müssen unser Umweltbewusstsein schärfen und im eigenen Umfeld ein Zeichen setzen. Jeder Quadratmeter Boden mit Wildblumen ist wichtig für die Vielfalt von Insekten. Schottergärten hingegen sind Friedhöfe für die Artenvielfalt.“ Ein Schlusswort, das auch Stefan und Karsten Schwalvenberg gern unterschreiben.

Über die Autorin
Redaktion Haltern
Haltern am See ist für mich Heimat. Hier lebe ich gern und hier arbeite ich gern: Als Redakteurin interessieren mich die Menschen mit ihren spannenden Lebensgeschichten sowie ebenso das gesellschaftliche und politische Geschehen, das nicht nur um Haltern kreist, sondern vielfach auch weltwärts gerichtet ist.
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Elisabeth Schrief

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