Vortrag in Haltern: Ein „Schlechtmensch“ will Professor Christoph Butterwegge nicht sein

rnDie zerrissene Republik

Er beschäftigt sich mit der Ungleichheit in der Gesellschaft: Prof. Christoph Butterwegge stellte in Haltern sein neues Buch „Die zerrissene Republik“ vor.

Haltern

, 04.03.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Er bekennt sich dazu, ein „Weltverbesserer und ein Gutmensch“ zu sein. „Soll ich denn lieber ein Schlechtmensch sein?“, fragte Professor Christoph Butterwegge in Haltern. Am Dienstagabend stellte er im Alten Rathaus sein neues Buch „Die zerrissene Republik“ vor und lieferte eine kritische Analyse der bundesdeutschen Gesellschaft.

Der Saal des Alten Rathauses war bis auf den letzten Platz gefüllt.

Der Saal des Alten Rathauses war bis auf den letzten Platz gefüllt. © Jürgen Wolter

Der Saal des Alten Rathauses war bis auf den letzten Platz gefüllt, es mussten noch Stühle aufgestellt werden. Rund 100 Zuhörer wollten den Politologen von der Universität Köln hören, der auch dadurch bekannt wurde, dass ihn die Linke bei der Bundespräsidentenwahl 2017 als alternativen Kandidaten aufstellte.

In seinem neuen Buch geht es um die wirtschaftliche, soziale und politische Ungleichheit in Deutschland. Christoph Butterwegge wird auch oft als „Armutsforscher“ bezeichnet. Bei seiner Arbeit an der Universität Potsdam vor 25 Jahren sei er von den Studenten gebeten worden, Seminare zu Thema Kinderarmut anzubieten, so Butterwegge. Seitdem ist die Armutsfrage ein zentrales Thema seiner Forschungen.

Armut und Reichtum sind zwei Seiten einer Medaille

„Wer sich mit Armut beschäftigt, muss aber auch den Reichtum in den Blick nehmen“, sagte Butterwegge in Haltern. Und er zitierte Bertolt Brecht: „Reicher Mann und armer Mann, standen da und sah’n sich an. / Und der arme sagte bleich, wär ich nicht arm, wärst du nicht reich.“ Für Butterwegge sind Armut und Reichtum zwei Seiten einer Medaille, deren Ursachen in der kapitalistischen Wirtschaftsordnung begründet sind, in der Trennung zwischen dem Besitz an Produktionsmitteln auf der einen und der Notwendigkeit, seine Arbeitskraft zu verkaufen, auf der anderen Seite.

In den fünfziger Jahren habe die These von einer Auflösung der gesellschaftlichen Schichten vorgeherrscht, aber die habe es nie gegeben, so Butterwegge.

Dass sich die Ungleichheit in Deutschland weiter verschärft, dafür sieht Butterwegge drei politische Ursachen: Die Deregulierung des Arbeitsmarktes durch die Schaffung von Mini-Jobs, Werkverträgen und Befristungen, die Demontage des Sozialstaates (unter anderem durch Rentenkürzungen) und die Steuerpolitik, vor allem durch die Abschaffung von Vermögens- und Kapitalertragssteuern.

„Unsere Demokratie leidet Schaden“

„Unsere Demokratie leidet Schaden durch diese sich verschärfende Ungleichheit“, sagte Prof. Butterwegge in Haltern. Er hält ein politisches Gegensteuern für dringend erforderlich, sprich stabilere Arbeitsverhältnisse, eine bessere soziale Absicherung und eine Erhöhung der Besteuerung für Vermögende: „Um der Ungleichheit zu begegnen, muss der Sozialstaat wieder auf ein festes Fundament gestellt werden.“

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