Wählergemeinschaft Haltern demonstriert gegen neue Windräder

rnIn der Haard

In Flaesheim laufen Voruntersuchungen für den Bau von Windrädern. Die Wählergemeinschaft Haltern protestiert mit einem großen Banner: „Finger weg! Keine Windräder in der Haard!“

Haltern

, 28.05.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ludwig Deitermann und Dr. Heinz-Werner Vißmann, Ratsherren der Wählergemeinschaft Haltern, stehen am Wegesrand nahe des Flaesheimer Friedhofs und blicken bei herrlichem Frühlingswetter in die Ferne. Ein Bussard kreist über den Baumwipfeln und über eine Wiese, mit der Investoren Großes vorhaben. Sie lassen prüfen, ob sich der Standort für Windenergieanlagen eignet. Die Wählergemeinschaft läuft dagegen Sturm. Sie hat ein großes Banner aufgestellt, auf dem ihre politische Haltung deutlich wird: „Finger weg! Keine Windräder in der Haard!“

„Nicht im Naturraum von überregionaler Bedeutung“

„Flaesheim ist mit Hamm-Bossendorf der letzte Ortsteil Halterns, der keine Windräder hat. Das soll auch so bleiben“, sagt WGH-Fraktionsvorsitzender Ludwig Deitermann zum Hintergrund der Aktion. Noch haben die Investoren keinen Antrag bei der Stadt gestellt, aber die Wählergemeinschaft will ihnen zuvorkommen nach dem Motto „Wehret den Anfängen“. Sie lehnen die Anlagen ab und verweisen dabei unter anderem auf den Landschaftsplan Haard.

Dieser 1991 rechtskräftig gewordene Landschaftsplan besagt, Hauptanliegen sei der Schutz, der Erhalt und die Entwicklung des weitgehend homogenen Naturraums von überregionaler Bedeutung. „Für uns heißt das, die Haard soll unberührt bleiben“, sagt Dr. Heinz-Werner Vißmann. Mit einer Gesamtwaldfläche von etwa 5.500 Hektar ist sie neben der Hohen Mark das größte geschlossene Waldgebiet im Umkreis.

RVR informierte Jagdpächter über Kartierungen

Der Regionalverband Ruhr gewährleistet im Rahmen seines regionalen Grünpflegemanagements die Qualitätssicherung der Haard. Auf eine Anfrage der Halterner Zeitung betonte eine RVR-Sprecherin, auf Verbandsflächen seien keine Planungen für Windräder vorgesehen. Ein Gutachter hat aber RVR Ruhr Grün darüber informiert, dass er im Umfeld einer möglichen Fläche für Windenergie eine Naturschutzfachkartierung vornimmt, um seltene Tierarten zu erfassen. Diese Untersuchung soll auch auf RVR-Waldflächen stattfinden, da diese in unmittelbarer Umgebung der möglichen Baufläche liegen.

Diese Information gab der RVR an seine Jagdpächter weiter. Auf der Jahreshauptversammlung des Hegering Haard am 27. Mai wurde bereits über das Windvorhaben diskutiert, der Jagdbeirat will das Thema in verschiedene Gremien tragen.

Die Stadt Haltern betont, dass ihr zu den Plänen nichts bekannt ist. In einem Interview mit dem Westdeutschen Rundfunk erklärte Bürgermeister Bodo Klimpel, er könne sich nicht vorstellen, dass der Landesentwicklungsplan Windräder in Flaesheim zulasse. „Die Stadt will sie nicht“, betonte er. Weite Teile der Bürger und Politik seien überzeugt, dass der Windkraft schon genügend Raum auf dem Stadtgebiet eingeräumt worden sei.

Stadt will im Sommer in Vorrangzonen-Planung einsteigen

Der Druck von Investoren, die eine gute Rendite erwirtschaften wollten, sei ebenso groß wie der Druck der Bundes- und Landespolitik, die Energiewende zu schaffen, erklärt Dr. Vißmann. Es könne aber nicht sein, dass Haltern für den Kreis die Windräder baue. „Es wird Zeit, dass Haltern die Windvorrangzonen-Planung wieder in Angriff nimmt“, findet Ludwig Deitermann.

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Mit der ersten Planung ist die Stadt vor Gericht gescheitert, jetzt will sie in diesem Sommer den Auftrag für die erneute Untersuchung vergeben. Ein Planungsbüro soll ermitteln, wo möglicherweise Windvorrangzonen in Haltern entstehen können. Flaesheim tauchte in den Überlegungen bislang nie auf. Bislang konzentrieren sich Anlagen in Lippramsdorf, Sythen und Lavesum. Drei für Hullern geplante Windräder sind umstritten.

„Wir lassen uns den letzten unbelasteten Raum nicht kaputt machen“, energisch will sich die Wählergemeinschaft gegen das Projekt wehren. Noch haben die Investoren keine Anträge bei der Genehmigungsbehörde, dem Kreis Recklinghausen, gestellt.

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