Nach Sperrung: Walzenwehrbrücke wurde nicht so gebaut wie geplant

rnFuß- und Radfahrerbrücke

Seit Mai ist die Brücke am Walzenwehr gesperrt. Nun äußert sich der Baudezernent der Stadt Haltern zu den Hintergründen. Die Brücke sei damals nicht so errichtet worden wie ursprünglich geplant.

Haltern

, 28.08.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit dem 20. Mai ist die Fuß- und Radfahrerbrücke am Walzenwehr des Halterner Stausees gesperrt. Die Stadt war zum Handeln gezwungen, nachdem dort mehrere Schäden festgestellt worden waren (wir berichteten). Die SPD hat sich daraufhin mit einem Fragenkatalog an die Stadt gerichtet. Baudezernent Siegfried Schweigmann hat Antworten geliefert.

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Für alle Brücken, die sich in der Verkehrssicherungspflicht der Stadt Haltern am See befinden, liege ein Bauwerksbuch vor, so auch das Bauwerksbuch für die „Blaue Brücke“ aus dem Jahr 2006. „Es wurde im Jahr 2017 überarbeitet und digitalisiert“, schreibt Schweigmann.

Das Bauwerksbuch sei nach Aktenlage nicht von einem unabhängigen sachverständigen Fachbüro geprüft worden. Dazu Schweigmann: „Dafür bestand auch keine Notwendigkeit. Wichtig war, dass die Brücke als solche keine Mängel aufwies und festgestellte Mängel beseitigt wurden.“

Gegen die Standsicherheit des Rohbaus keine Bedenken

Für die Stadt habe mangels eigener Expertise seinerzeit ein externes Ingenieurbüro die Baumaßnahme begleitet und auch die Abnahme vorgenommen. Diese sei am 13. April 2006 mit Restmängeln, die bis zur geplanten Eröffnung am 21. April 2006 abzustellen waren, erfolgt.

Mit Datum vom 14. Dezember 2006 habe schließlich der Abschlussbericht des Sachverständigen vorgelegen, der feststellte, dass „die Ausführung des Bauvorhabens den geprüften Unterlagen entspricht und somit gegen die Standsicherheit des Rohbaus keine Bedenken bestehen“. Die erforderlichen Nachbesserungen im Rahmen der Gewährleistungspflicht seien von der beauftragten Firma übernommen worden. Der Stadt waren dafür keine Kosten entstanden.

Brücke in Teilen nicht so errichtet wie geplant

In dem Antwortschreiben heißt es außerdem: „Die im Jahr 2012 vorgesehene Hauptprüfung ist nicht zeitgerecht vorgenommen worden.“ Erst 2014 sei erstmals mit einem Ingenieurbüro aus Münster Kontakt aufgenommen und sodann der Auftrag erteilt worden, eine Hauptprüfung durchzuführen.

„Dabei trat die Erkenntnis zutage, dass die Brücke in Teilen doch nicht so errichtet wurde, wie sie geplant war“, heißt es weiter. Somit habe sich die Notwendigkeit ergeben, exakt den tatsächlichen verbauten Bestand aufzunehmen und daraus ein neues Bauwerksbuch zu erstellen.

Dauerhafte Unterkonstruktion zu teuer

Im April 2017 sei dann nach entsprechender Vorbereitungszeit eine Hauptprüfung durch das Münsteraner Ingenieurbüro durchgeführt worden. „Diese musste durch eine weitergehende Untersuchung im Jahr 2019 ergänzt werden, da der Mittelteil der Brücke bei der Prüfung 2017 nicht mit einem Hubsteiger erreicht werden konnte“, teilt Schweigmann mit.

Und weiter: „Für diese Hauptprüfung musste dann eine aufwändige Gerüstkonstruktion errichtet werden. Die Errichtung einer dauerhaften Unterkonstruktion wurde in diesem Zusammenhang geprüft, jedoch aufgrund der Kosten von rund 100.000 Euro verworfen.“

Auffällige Schweißnähte

Als Ergebnis der abgeschlossenen Hauptprüfung vom 16. Juli 2019 sei es notwendig geworden, auffällige Schweißnähte detaillierter zu überprüfen. Als Ergebnis der Prüfung sei am 20. Mai 2020 die Sperrung der Brücke erfolgt.

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Derzeit liege noch kein Sanierungsplan vor. Die Erstellung eines solchen sei natürlich umfangreich und bedinge auch die Kenntnis von weiteren behördlichen Auflagen. Es solle nun ein Gespräch mit beteiligten Behörden und Institutionen stattfinden, in dem die Rahmenbedingungen, wie beispielsweise die Vorgaben der Gelsenwasser AG und Auflagen der unteren Wasserbehörde beim Kreis Recklinghausen, besprochen werden sollen.

Sodann könnten in der Folge verlässliche Kosten für eine Sanierung errechnet werden. Für Sanierungskosten der Brücke seien bereits seit einigen Jahren Rückstellungen in Höhe von 250.000 Euro gebildet worden.

Wann kann die Brücke wieder freigegeben werden, wollte die SPD zudem wissen. Dazu der Baudezernent: „Angesichts der vorstehenden Ausführungen wäre es spekulativ und unseriös, jetzt einen Termin für die Freigabe der Brücke zu nennen.“

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