Walzenwehrbrücke: Fragenkatalog an den Bürgermeister

rnSanierung erforderlich

Die Fußgänger- und Radfahrerbrücke am Walzenwehr bleibt auf unbestimmte Zeit dicht, weil sie massiv beschädigt ist. Die SPD wendet sich nun mit einer Anfrage an Bürgermeister Bodo Klimpel.

Haltern

, 16.07.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die prägnante blaue Brücke überspannt 76 Meter und wird von Stahlseilen getragen, die an 20 Meter hohen Stützen aufgehängt sind. Seit ihrer Einweihung im Jahr 2006 hat sich die Hängebrücke am Walzenwehr zu einer Art Wahrzeichen der Stadt Haltern am See entwickelt. Für viele ist sie aufgrund ihrer speziellen Bauweise und besonderen Lage ein echter Hingucker.

Egal, ob zu Fuß oder mit dem Fahrrad, ist die Passage ein schöner Weg mit Blick auf den Stausee und das Steverbett und lädt zur Beobachtung von Flora und Fauna ein. Täglich wurde sie genutzt. Doch seit einigen Wochen bestimmen Absperrgitter das Bild, eine Nutzung der Brücke ist nicht mehr möglich. Die Stadt hat Konsequenzen gezogen, nachdem erhebliche Mängel an dem Bauwerk festgestellt worden waren.

Die ständigen Belastungen haben die verwendeten Werkstoffe offenbar ermüden lassen. Die Liste der Schäden ist lang, wie Vertreter der Stadt bei einem offiziellen Pressetermin bekanntgaben (wir berichteten).

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Gewässer- und Naturschutz

Eine Inbetriebnahme der Brücke noch in diesem Jahr sei ausgeschlossen, so Halterns Baudezernent Siegfried Schweigmann. Ob sich überhaupt eine Firma auf den Auftrag bewirbt und ob sie es dann zu akzeptablen Kosten tut, könne man nicht voraussagen. Da die Brücke über den Steverabfluss aus dem Stausee führt, sei auch die Untere Wasserbehörde mit im Boot, die auf den Gewässer- und Naturschutz achtet.

Ist eine Sanierung der Brücke überhaupt noch sinnvoll? Dazu Stadtsprecher Georg Bockey: „Wir warten auf das konkrete Schadensbild, dann kommt die Ausschreibung, dann wissen wir, wie teuer die Reparatur ist und in welchem Rahmen sie verläuft. Spekulationen bringen nichts.“

Mit einer Anfrage an den Bürgermeister schaltet sich nun die SPD in die Diskussion ein. „Dass eine Brücke nach so kurzer Lebenszeit wegen erheblicher Schäden komplett gesperrt ist, scheint ungewöhnlich“, schreibt Beate Pliete, Fraktionsvorsitzende und zugleich Bürgermeisterkandidatin der SPD.

Liegt ein Brückenplan für das Bauwerk vor? Wurden Nachbesserungen im Rahmen der Gewährleistungspflicht vom Hersteller übernommen? Welche Kosten entstehen zur Sanierung der Brücke? Und in welchem Rahmen stehen

Haushaltsmittel in 2020 zur Verfügung? Diese und andere Fragen will die Partei zeitnah beantwortet wissen.

„Dieses Bauwerk hat keine Doppelgänger“

Alt-Bürgermeister Josef Schmergal hatte 2002 den Anstoß zum Bau der Brücke gegeben. Er wollte gern, dass die Stadt näher an den See rückt. Doch die Stadt konnte das geplante Bauwerk nicht allein bezahlen. An den Gesamtkosten von 475.000 Euro beteiligte sich letztendlich das Land mit 344.000 Euro, 25.000 Euro sagte die Seegesellschaft zu. Den Rest bestritt die Stadt aus dem Verkauf von VEW-Aktien. Die Flächen für den Rad- und Fußweg stellte Gelsenwasser zur Verfügung. Der damalige städtische Baudezernent Wolfgang Kiski, der das Anliegen Schmergals sehr unterstützt hatte, sagte bei der Einweihung: „Dieses Bauwerk hat keine Doppelgänger, es ist keine Massenanfertigung, sondern ein Unikat.“

2006 wurde die Hängebrücke am Walzenwehr feierlich eingeweiht.

2006 wurde die Hängebrücke am Walzenwehr feierlich eingeweiht. © Archiv

Eine Firma aus Syke (bei Bremen) war seinerzeit mit den Arbeiten beauftragt worden. Diese fertigte die Brücke im Werk vor und lieferte sie in drei Stücken an. Mittlerweile ist die Firma insolvent, kann daher auch nicht mehr in Haftung genommen werden.

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